Es sitzt sich richtig gut in den Sesseln, die unsere Freunde neuerdings in ihrem Wohnzimmer stehen haben. Dabei sind die Sessel gar nicht wirklich neu. Sie stammen aus den 50er Jahren und Philip hat sie von seinem Großvater geerbt. Klar, er hat sie neu polstern und beziehen lassen und bestimmt haben sie auch noch den ein oder anderen Tropfen Holzleim gebraucht, um wieder richtig stabil zu sein. Aber als sie neu waren, müssen sie auch schon sehr bequem gewesen sein und toll ist, dass sie auch richtig gut in ihr modernes Wohnzimmer passen. Es sind einfach zeitlose Möbelstücke.
Auch der christliche Glaube ist zeitlos. In gewisser Hinsicht ist er vielleicht auch ein Möbelstück. Sicher keines, das nur dazu gut ist, das Leben zu schmücken, oder das - wie früher die gute Stube - nur sonntags und bei Festen in Gebrauch kommt. Der christliche Glaube ist wie der Sessel unserer Freunde etwas für den Alltag.
Hier kann ich mich fallen lassen, wenn ich Entspannung brauche. Er gibt mir Halt, wenn es schwierig wird, meinem Leben eine Richtung, wenn es nötig ist. Und natürlich wird da auch immer wieder ausgiebig gefeiert!
Bei solch vielfältigem und alltäglichem Gebrauch bleibt es natürlich nicht aus, dass mit der Zeit das ein oder andere abgenutzt ist oder aus dem Leim gerät. Aber da die Grundkonstitution gut ist, lässt er sich wieder aufmöbeln. Und da das Design zeitlos ist, passt er immer – selbst dann, wenn es auf den ersten Blick gar nicht so aussieht.
Ja, der christliche Glaube hat es in manchem Zeitgeist schwer. Aber das Gute ist, dass er letztlich nicht davon abhängig ist.
Ich glaube ja, das liegt daran, dass er eine ganz und gar zeitlose Dimension in unserer Welt wach hält, die Dimension Gottes:
Gottes Zeitform ist ja mehr die Ewigkeit. Für uns nicht zu fassen, nicht zu begreifen, aber doch irgendwie immer und überall da – so, wie er selbst eben. Möglichkeiten, die über diese Zeit hinaus reichen und deshalb ermutigen, auch selbst Neues und bisher Ungedachtes zu wagen.
Am Deutlichsten wird das immer, wenn wir wie jedes Jahr im Herbst an unsere Verstorbenen denken. Die Aussicht, dass sie bei Gott in seiner Ewigkeit geborgen sind, ist gleichzeitig wohltuend, tröstend und unvorstellbar. Vieles bleibt offen und doch kann das Vertrauen in Gott und seine Ewigkeit helfen, unsere Verstorbenen los zu lassen und unser Leben hier auch mit allem Schmerz weiter zu leben.
Es ist ein Moment, in dem sie in unserem Leben aufblitzt – die Ewigkeit Gottes. Aber ich könnte mir vorstellen, dass ihre fantasievolle Kraft auch in anderen Bereichen hilfreich wäre.
Es gibt so viele Themen in unserer Gesellschaft, die angegangen werden müssen: gesellschaftlicher Zusammenhalt, Verkehrs-wende, Klimaveränderungen und ihre Folgen, … Da braucht es viel Fantasie und Mut, nicht immer nur in den alten Mustern hängen zu bleiben, sondern auch mal Neues und Unkonventionelles zu denken und zu wagen.
Gottes Zeitlosigkeit, seine Unabhängigkeit von allem Zeitgeist und allen Zwängen dieser Welt könnten uns helfen, den Blick zu weiten. Vielleicht wird das nicht immer bequem, aber es wäre alltagstauglich und hätte Zukunft.
