„Cool, das U-Boot kann fliegen!“, hatte der Mathe-Lehrer hinter eine Aufgabe von Timos Arbeit geschrieben. Timo lief rot an. Wie doof von ihm! Sie hatten ausrechnen sollen, wie tief ein U-Boot liegt, das ein paar Meter gestiegen, gesunken, gestiegen … war - und am Ende hatte er doch tatsächlich vergessen, ein Minus vor das Ergebnis zu schreiben.
Natürlich: Das hätte ihm ja auch selbst auffallen können! Wenigstens hatte er jetzt etwas zu erzählen und die ganze 5a etwas zu lachen.
Vorzeichen sind nicht egal. Nicht in der Mathematik, nicht in der Musik, nicht im alltäglichen Leben.
Es macht eben einen Unterschied, ob etwas unter Wasser ist, in der Luft schwebt oder fest auf dem Boden steht. Es macht einen Unterschied, ob ein Lied in Dur oder in Moll klingt, ob es wohlklingt oder irgendwie schief. Es macht einen Unterschied, ob die Blätter an den Bäumen in vollem Saft stehen, oder ob sie bunt werden und langsam abfallen. Wir sehen draußen gerade dieses Vorzeichen für den Winter. Es zeigt uns Menschen, dass auch wir uns nun auf die kalte Jahreszeit vorbereiten sollten - schauen, ob den Kindern die Winterjacke noch passt, im Garten ernten, was noch zu ernten ist und den Boden auf das nächste Jahr vorbereiten.
Viele Vorzeichen können wir gut deuten.
Wir wissen: Wenn’s aus der Küche duftet, gibt es bald etwas zu essen, wenn auf der Autobahn vor uns die Warnblinkanlagen leuchten, gibt es Stau, wenn’s im Bauch kribbelt, bin ich aufgeregt, wenn da Schmetterlinge sind, verliebt, ...
Aber es gibt auch Vorzeichen, bei denen fällt es uns schwer, sie zu deuten. Manche sagen ja: Es war klar, dass Putin die Ukraine an-greifen wird. Sie meinen, es hätte deutliche Vorzeichen gegeben. Haben die westlichen Politiker diese Vorzeichen nicht gesehen? Haben sie sie womöglich ignoriert oder einfach nur lange gehofft, dass andere Wege möglich sind? Wahrscheinlich gibt es darauf keine eindeutige und auch keine einheitliche Antwort.
Wir hier leben dankenswerterweise nicht im Krieg und doch hat dieser Krieg auch uns sehr verunsichert. Unsere Weltordnung ist durcheinander geraten und wir wissen bei manchen Vorzeichen nun noch weniger als vorher, wie sie zu deuten sind. Schon gar nicht wissen wir, wie wir mit ihnen umgehen sollen.
Das einfachste in dieser Situation wäre es nun, einfach alle Vorzeichen zu ignorieren. Wir könnten uns auf die kleine Welt unserer Familie, unserer Stadt zurückziehen – da gibt es ja in der Tat genügend Aufgaben.
Nur: Vorzeichen sind eben nicht egal. Wenn wir sie nicht sehen wollen, kann das irgendwann wirklich schief gehen.
Ich glaube, es ist wichtig, dass wir Vorzeichen beachten, dass wir aufmerksam sind, hinhören, hinschauen, was passiert in dieser Welt, und die Unsicherheit, die dabei entsteht, aushalten.
Mir hilft dabei, dass Gott vor diese Welt ein positives Vorzeichen gesetzt hat. Im Lied der Schöpfung im 1. Buch Mose heißt es am Ende: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1. Mose 1,31).
Severine Plöse in Evangelisch in Ettenheim 2022/4
