Komm, lass uns alles zusammenpacken und auswandern!
Was Sara wohl damals dachte, als Abraham mit diesem Plan zu ihr kam?
Ob sie genervt war: Oh, nicht schon wieder Abraham mit seinen Ideen und seinem Gott ... Ob sie sich gefreut hat: Endlich mal ein Abenteuer! Womöglich hatte sie ja schlicht Angst vor der Ungewissheit, in die sie da aufbrechen würden; oder sorgte sich darum, wie die Tiere diese Reise überstehen würden. Vielleicht war sie auch traurig, weil sie sich von geliebten Menschen verabschieden musste, oder froh, weil ihr alles schon längst auf den Keks ging.
In der Bibel wird von all dem nichts erzählt. Das gefällt mir gut. Bei solchen Leerstellen bleibt viel Platz für Fantasie. Und ich kann mich fragen: Wie würde es denn mir an dieser Stelle gehen? Wäre ich verwegen genug, die eingetretenen Pfade zu verlassen und mich auf so einen Weg zu machen? Oder wäre die Angst größer?
Sara hatte vermutlich keine Wahl. Sie musste einfach. Bei uns ist das heute – Gott sei Dank – an vielen Stellen anders. Wir haben die Wahl, können so oder so handeln – meistens jedenfalls. Und wenn nicht? - Manche sind dann schnell aufgebracht und wollen ihrer Wut Luft machen. Andere resignieren einfach: Ach, da kann man ja eh nichts machen. Das müssen wir eben so nehmen, wie es ist ...
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sara so schnell resigniert hat. Sonst wären sie vermutlich nie angekommen. Nie hätte Abraham das allein schaffen können. Sie mussten zusammenhalten und einander unterstützen. Sie mussten schauen, was möglich war und das auch umsetzen.
Heute ist es wirklich schwierig geworden, etwas Verwegenes zu tun. Immer hat es schon jemand anderes gemacht, immer war schon jemand dort. Immer hat man schon davon gelesen, gesehen oder gehört. Und so muss alles immer ausgefallener werden.
Sara musste die Dinge nehmen, wie sie sind. Doch da war auch Spielraum und den hat sie für sich genutzt. (1. Mose 16) Die Grenzen, die ihr gesetzt waren, hat sie akzeptiert und gleich-zeitig geschaut, was innerhalb dieser Grenzen möglich ist.
Ist das verwegen?
Ist das verwegen?
Auf den ersten Blick ist es vor allem lebensfreundlich. Sie versucht, etwas mit dem zu machen, was ist. Ihre Energie verpufft weder in Wut noch darin, etwas ganz Außergewöhnliches zu finden. So hat sie Energie für ihren ganz normalen Alltag, für ihr Leben.
Ich stelle mir vor, Sara redet die Grenzen nicht weg, lässt sich ein auf die Unsicherheit des Unbekannten. Sie versucht, etwas mit dem zu machen was ist, und nimmt so manches mit Humor. (1. Mose 18)
Ich glaube, so eine Haltung könnte auch uns heute guttun – unserem ganz persönlichen Leben und unserem Leben in der Gemeinschaft mit anderen Menschen und mit der Natur.
Das Verwegene daran ist: Es ist ein anderer Weg als der, den die meisten gehen. Das braucht Mut und ist ein Risiko. Vor allem aber dient es dem Leben.
Severine Plöse in Evangelisch in Ettenheim 2024/3
