Im dichten Nebel trugen wir ein großes Kreuz auf Arthur’s Seat. Als es oben aufgestellt war, konnte man kaum bis zu seiner Spitze sehen. Wir beteten, sangen, hörten auf das Evangelium vom Tod Jesu – es war Karfreitag. Außer uns hatte sich kaum jemand auf den sonst so beliebten Hausberg Edinburghs gewagt – es war einfach zu kalt und trübe. Umso mehr Betrieb war unten in der Stadt. Menschen schlenderten durch die Straßen, gingen einkaufen, trafen sich im Pub. Karfreitag ist zwar auch in Schottland ein Feiertag, aber die meisten Läden sind geöffnet – so, wie sonntags eben auch.
Auf dem Berg hatten wir an den Tod Jesu gedacht und in der Stadt lief das ganz normale Leben. Damals war das für mich ganz eigenartig: Einkaufen nach dem Karfreitagsgottesdienst?
In diesem Auslandsjahr habe ich das besondere Sonntagsgefühl in Deutschland schätzen gelernt. Nach wie vor bin ich froh, dass hier an Sonn- und Feiertagen die meisten Geschäfte geschlossen sind und Menschen gemeinsam freie Zeit verbringen können.
Was ich damals auch erlebt habe und seither immer wieder erlebe, ist: Der Tod gehört mitten ins Leben.
Immer, wenn ein Mensch stirbt, der uns wichtig war, erleben wir das. Ich selbst habe das Gefühl: Die Welt steht still. Aber um mich herum geht das Leben weiter. Ich komme von einer Trauerfeier und in der Stadt ist Alltag. Das fühlt sich komisch an. Es irritiert und ist erst mal schmerzlich. Genau diese Irritation kann aber auch gut und hilfreich sein.
Wenn ich mich irritieren lasse, spüre ich: Die Trauer bestimmt zwar gerade mein Leben,
aber sie hat auch Grenzen. Sie betrifft nicht alle Menschen. Es gibt andere, die halten am Leben fest und das hält auch mich.
Gott hält am Leben fest – das feiern wir an Ostern. Es ist eine zaghafte, suchende Freude, von der die Geschichten am Ostermorgen erzählen. Die Jüngerinnen und Jünger Jesu verstehen es erst nach und nach: Das Leben ist stärker als der Tod. Der Tod gehört mitten ins Leben. Gott hält am Leben fest.
Am Osterfest, an diesem Wechsel von Karfreitag zu Ostersonntag, wird das für mich jedes Jahr erfahrbar und das tut mir gut. Wenn dann der Tod mitten in mein Leben kommt, hilft mir diese österliche Erfahrung. Sie hilft mir, mich nicht vom Tod vereinnahmen zu lassen, sondern am Leben festzuhalten.
Der Tod gehört mitten ins Leben.
Ich möchte mir das auch sonst immer wieder bewusst machen: Der Tod ist Teil des Lebens. Er gehört dazu.
Es ist nicht nötig, dass wir unser Leben vom Tod bestimmen lassen. Nicht vom Tod eines lieben Menschen und schon gar nicht von all den Dingen, bei denen wir das Gefühl haben: Sie brechen ab, sie funktionieren nicht mehr, sie bringen unnötiges Leid in diese Welt.
Ich möchte daran festhalten, dass Jesus sagt: “Ich lebe und ihr sollt auch leben!” (Johannes 14,19).
Auf dem Berg hatten wir an den Tod Jesu gedacht und in der Stadt lief das ganz normale Leben. Damals war das für mich ganz eigenartig: Einkaufen nach dem Karfreitagsgottesdienst?
In diesem Auslandsjahr habe ich das besondere Sonntagsgefühl in Deutschland schätzen gelernt. Nach wie vor bin ich froh, dass hier an Sonn- und Feiertagen die meisten Geschäfte geschlossen sind und Menschen gemeinsam freie Zeit verbringen können.
Was ich damals auch erlebt habe und seither immer wieder erlebe, ist: Der Tod gehört mitten ins Leben.
Immer, wenn ein Mensch stirbt, der uns wichtig war, erleben wir das. Ich selbst habe das Gefühl: Die Welt steht still. Aber um mich herum geht das Leben weiter. Ich komme von einer Trauerfeier und in der Stadt ist Alltag. Das fühlt sich komisch an. Es irritiert und ist erst mal schmerzlich. Genau diese Irritation kann aber auch gut und hilfreich sein.
Wenn ich mich irritieren lasse, spüre ich: Die Trauer bestimmt zwar gerade mein Leben,
aber sie hat auch Grenzen. Sie betrifft nicht alle Menschen. Es gibt andere, die halten am Leben fest und das hält auch mich.
Gott hält am Leben fest – das feiern wir an Ostern. Es ist eine zaghafte, suchende Freude, von der die Geschichten am Ostermorgen erzählen. Die Jüngerinnen und Jünger Jesu verstehen es erst nach und nach: Das Leben ist stärker als der Tod. Der Tod gehört mitten ins Leben. Gott hält am Leben fest.
Am Osterfest, an diesem Wechsel von Karfreitag zu Ostersonntag, wird das für mich jedes Jahr erfahrbar und das tut mir gut. Wenn dann der Tod mitten in mein Leben kommt, hilft mir diese österliche Erfahrung. Sie hilft mir, mich nicht vom Tod vereinnahmen zu lassen, sondern am Leben festzuhalten.
Der Tod gehört mitten ins Leben.
Ich möchte mir das auch sonst immer wieder bewusst machen: Der Tod ist Teil des Lebens. Er gehört dazu.
Es ist nicht nötig, dass wir unser Leben vom Tod bestimmen lassen. Nicht vom Tod eines lieben Menschen und schon gar nicht von all den Dingen, bei denen wir das Gefühl haben: Sie brechen ab, sie funktionieren nicht mehr, sie bringen unnötiges Leid in diese Welt.
Ich möchte daran festhalten, dass Jesus sagt: “Ich lebe und ihr sollt auch leben!” (Johannes 14,19).
Severine Plöse in Evangelisch in Ettenheim 2025/1
