Dieser Radwegweiser ist vor einiger Zeit in der Ettenheimer Innenstadt aufgestellt worden. Immer wieder komme ich an ihm vorbei und freue mich darüber. Radwegweiser sind eine gute Erfindung. Sie helfen mir, einen guten Weg aus den vielen Wegen auszusuchen, die es gibt. Gut finde ich Wege, bei denen ich einigermaßen direkt und sicher an mein Ziel komme, und am besten gefallen mir die, bei denen ich dann auch noch die schöne Landschaft genießen kann.
Manchmal allerdings stellen mich solche Radwegweiser auch vor Fragen: Da führen zwei Wege an mein Ziel. Ohne Karte oder Ortskenntnis kann ich nicht entscheiden, welcher Weg bes-ser ist. Ist der eine schöner als der andere? Die Wegbeschaffenheit besser? Gibt es Steigungen? Bei diesem Wegweiser in Ettenheim frage ich mich eher: Wem soll denn die Ausschilderung zur Kita eigentlich helfen?
Dennoch: als Radfahrerin freue ich mich über diese Wegweiser – sogar dann, wenn sie nur mit viel Fantasie zu finden sind. Zu oft sind sie an überraschenden Stellen angebracht oder zugewachsen.
Radfahren ist ja gerade ein sehr umstrittenes Thema – so, wie vieles. Bei Begegnungen, in vielen Gesprächen über unsere politische Situation, über Kirche, über Gott und die Welt, ... – immer wieder erlebe ich, dass Menschen viel Lebensfreude haben und doch ratlos, frustriert, gestresst, manchmal sogar erschöpft sind.
Es kommt mir so vor, als stehen wir in vielen Bereichen vor so einem Wegweiser und wissen einfach nicht, welchen Weg wir einschlagen sollen. Manche bleiben dann einfach stehen, schauen sehnsüchtig zurück auf den Weg, der hinter ihnen liegt. Am liebsten würden sie den bekannten Weg zurückfahren, aber dann kommt man natürlich nicht weiter. Andere preschen einfach mal los und wundern sich, warum sie dann plötzlich alleine dastehen. Wieder andere diskutieren und diskutieren und können sich einfach nicht entscheiden.
Wir haben keine Karte von dem, was vor uns liegt und wissen oft nicht, welche Entscheidung am Ende richtig sein wird. Ich fände es gut, wenn wir das einfach mal anerkennen könnten. Dann könnten wir auch vor einander ehrlich zugeben: Den einen richtigen Weg gibt es nicht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten und wir müssen uns auf einen Weg einigen oder womöglich auch mal unterschiedliche Wege einschlagen. Im Zweifel müssen wir wohl oder übel einfach mal einen Weg ausprobieren – wenn er nicht zum Ziel führt, dann machen wir halt einen Umweg. Und: Es ist ja nicht so, dass es gar keine Wegweiser gibt. Nur: vielleicht lassen wir uns zu oft dazu verleiten, darüber zu diskutieren, ob sie blau oder rot besser aussehen und vergessen darüber, dass das wichtig ist, was drauf steht und wo und wie es weiter gehen kann.
Ein ganz allgemein gesellschaftlicher Wegweiser ist „Menschlichkeit“, der Versuch, sich einfach mal in die andere hineinzuversetzen. Damit können viele etwas anfangen. Es ist also eine breite Basis. Als Christen haben wir mit der Bibel dazu einen breiten Erfahrungsschatz, der noch mehr Hinweise geben kann. Menschen haben hier ihre „Ortskenntnis“ aufgeschrieben. In der Gemeinschaft können wir darüber miteinander diskutieren und uns so gegenseitig stärken. Eines der Worte, die mir ein guter Hinweis sind, steht im 2. Timotheusbrief 1,7: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Severine Plöse, Evangelisch in Ettenheim 2024/4

