Das Kreuz mit dem tanzenden Jesus ist ungewohnt. Normalerweise hängt er am Kreuz. Doch könnte dieser tanzende Jesus die Lebensbilanz, den Sinn darstellen, den Jesus selbst im Rückblick auf sein Leben entdeckt: er hat ein Werk geschaffen, dass sich sehen lassen kann. Er hat geliebt und die Menschen in ihrer Einmaligkeit angenommen. Er hat in der Grenzsituation des Kreuzes den Rest seines Lebens nicht widerrufen, sondern an der Sinnhaftigkeit festgehalten. Jesus ist lebensmutig.
„Lebensmut“ bedeutet: „Ja zum Leben sagen.“ Der Psychologe Viktor Frankl hat das Konzentrationslager überlebt. Später schreibt er darüber ein Buch und gibt ihm den Titel „… trotzdem ja zum Leben sagen“. Dieses Ja-zum-Leben-Sagen gelingt dann, wenn wir im Leben einen Sinn erkennen.
In seiner Therapie lässt er oft Menschen darüber sprechen, wie sie wohl im Rückblick ihr Leben beurteilen würden, was daran sinnvoll und darin wichtig gewesen ist.
Frankl nennt einmal drei Hauptstraßen, auf denen sich Sinn finden lässt.
Ein Leben kann dadurch sinnvoll werden, dass ich ein Werk schaffe, etwas tue.
Ein Leben kann dadurch sinnvoll werden, dass ich einen Menschen in seiner ganzen Einmaligkeit erlebe und das heißt, ihn liebe.
Ein Leben kann dadurch sinnvoll werden, dass ich in Leid und Grenzsituationen an der Sinnträchtigkeit des Lebens festhalte.
„Trotzdem ja zum Leben sagen“, so nennt Frankl sein Buch.
Der tanzende Jesus sagt auch Ja zum Leben. Er ist lebensmutig, weil sein Leben bis hin zu seinem Tod einen Sinn für ihn hatte. Deshalb dürfen wir ihn auch so darstellen.
Hans-Georg Dietrich in Evangelisch in Ettenheim 2020/4

