Langmut ist ein altes Wort. Es gehört nicht zu den Worten, die ich üblicherweise gebrauche und ich muss zugeben: Langmut gehört auch nicht gerade zu meinen Stärken.
Ich kann geduldig sein. Geduldig etwas erklären, wieder und wieder; geduldig warten, wenn etwas noch nicht an der Zeit ist, …
Aber Langmut ist mehr als Geduld.
Ich kann beharrlich sein. Beharrlich einen Weg verfolgen, den ich für richtig halte. Immer wieder eine Idee einbringen, sie freundlich aber bestimmt verfolgen.
Langmut aber ist mehr als Beharrlichkeit.
Auch gelassen kann ich sein, großzügig, und tolerant. Doch so richtig fassen all diese Worte nicht das, was Langmut meint. Geduldig, großzügig und beharrlich, …, das kann ich in einzelnen Situationen sein – langmütig eher nicht. Für Langmut braucht es einen richtig langen Atem ohne Garantie auf Erfolg.
Das ist heutzutage schwierig, wo alles auf schnelle Ergebnisse angelegt ist, jede die erste sein will, Erfolg garantiert sein muss, sich Ereignisse manchmal überschlagen.
Langmut ist eben, wie es das Wort eigentlich schon sagt, eine Gemütsverfassung. Denn das Wort „Mut“ in Langmut hat zunächst weniger mit der vorwärtstreibenden Kraft von „Mut“ zu tun, sondern kommt von „Gemüt“.
So passt es gut, dass Paulus in seinem „Hohenlied der Liebe“ im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes Langmut mit der Liebe verbindet.
Ganz viele Eigenschaften der Liebe zählt er in diesem Kapitel auf. Unter anderem schreibt er: „Die Liebe ist langmütig und freundlich.“
Natürlich will Paulus hier nicht Langmut beschreiben, sondern zeigen, wie Liebe wirkt. Aber Liebe, die den anderen im Blick hat, ist ja keine Einbahnstraße. Und vor allem macht Paulus in diesem ganzen Kapitel deutlich: Nichts geht ohne die Liebe. Alles, was ich tue und sage braucht die Liebe, damit es nicht leer und wirkungslos ist. Die Liebe trägt das alles und vor allem bleibt sie auch dann, wenn nichts anderes mehr da ist.
Liebe, das ist also Ostern. Es ist die Erfahrung, dass nach dem Tod wieder Leben entsteht, dass auch aus Nichts etwas Neues wachsen lassen kann, dass Gottes Liebe zu uns bestehen bleibt, komme, was da wolle. Wir sehen das nicht immer sofort, weil uns manchmal die Langmut fehlt – aber Gott hat sie. Er begegnet uns mit langem Atem, mit seiner Liebe mit seiner Langmut.
Und ich hoffe: In der Liebe und Langmut Gottes kann auch meine Langmut wachsen – in dieser so besonderen Zeit, aber auch darüber hinaus.
Wir müssen jetzt aushalten, dass so vieles anders ist und noch wird, womöglich auch nicht alles einfach gut wird. Aber Gott sei Dank dürfen wir dennoch die Hoffnung haben, von Gottes Liebe und Langmut getragen zu sein und so auch voller Mut in die Zukunft zu blicken.
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LangMUT
Bleiben Sie Gott befohlen!
Severine Plöse in "Evangelisch in Ettenheim" 3a/2020
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