Königsweg

Der Esel gehört dazu.
In jeder Krippe steht er und in vielen Weihnachtserzählungen sind Maria und Josef mit einem Esel von Nazareth nach Bethlehem unterwegs. Schließlich ist der Weg weit, Maria schwanger und Gepäck hatten sie sicher auch. In der biblischen Weihnachtserzählung nach Lukas 2 kommt kein Esel vor – und doch: der Esel gehört dazu. 
Auf einem Esel ist Jesus in Jerusalem eingezogen. Die alten Propheten hatten vom Friedenskönig erzählt und hoffnungsvolle Bilder einer gerechten und lebenswerten Welt gezeichnet. Jesus stellt sich in diese alte Tradition voller Hoffnung auf Frieden für unsere Welt.
Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. - Sacharja 9,9
Wenn wir heute in Advents- und Weihnachtslieder wie „Tochter Zion“ oder „Macht hoch die Tür“ einstimmen, stellen auch wir uns in diese Tradition und leben sie neu. Wir singen von einem König, dessen Macht in seiner Sanftmütigkeit, Heiligkeit und Barmherzigkeit erfahrbar wird.
Wir stellen uns in eine Tradition, die das hinterfragt, was ist und bisweilen auch das Leben auf den Kopf stellt: Ein Kind als König und Retter dieser Welt.
Jesus hat unsere Welt auf den Kopf gestellt. Der Esel ist ein Zeichen dafür. Menschen, die von anderen ausgegrenzt wurden, hat Jesus an seinen Tisch eingeladen. Er hat die im Blick gehabt, die voller Angst und Sorgen waren. Er hat hinterfragt, was die Mächtigen gesagt und getan haben, hat Menschen aufgerüttelt und dazu gebracht, über ihr Leben nachzudenken. Jesus wurde als Mensch geboren, hat als Mensch in dieser Welt gelebt und hat immer wieder Gottes Welt mitten in unserer Welt aufscheinen lassen.
Esel, sagt man, sind sehr soziale Tiere. Sie haben ein großes Durchhaltevermögen und sind sehr beharrlich.
Solche Eselfähigkeiten hatte auch Jesus. Auch hier ist es wert, sich in seine Fußstapfen zu begeben: Es braucht solche Fähigkeiten auf dem Weg zum Frieden, zum Schalom in dieser Welt. Es braucht sie auf dem Weg zu einem guten Miteinander.
Denn wir brauchen Frieden. Frieden in so vielen Ländern dieser Welt, Frieden unter den verschiedenen Religionen dieser Welt, Frieden zwischen den unterschiedlichen Strömungen unserer Kirche, Frieden in unseren Orten und in den Familien.
Wer für den Frieden eintritt, wird natürlich manchmal auch für einen Esel gehalten. Aber wie gesagt: Der Esel gehört dazu. 
Mit Gott ist vieles möglich, aber es braucht uns, die darauf vertrauen und daran arbeiten.
Severine Plöse in Evangelisch in Ettenheim 2024/1