Heimat verbunden

 

Heimat verbunden

Wasser ist ein faszinierendes Element. Einerseits bewegen sich seine Moleküle frei, andererseits sind sie durch Wasserstoffbrücken eng miteinander verbunden. So bildet die Wasseroberfläche fast so etwas wie eine „Haut“. Es entstehen Tropfen und manche Tiere können sich sogar auf der Wasseroberfläche bewegen. Beim Gefrieren sorgen diese besonderen Verbindungen dafür, dass die Moleküle sich quasi ordnen und so zwischen den einzelnen Molekülen mehr Platz ist als im flüssigen Zustand. Eis ist deshalb leichter als Wasser, und Seen gefrieren zunächst an der Oberfläche. Eine geniale Eigenschaft, denn unter dem Eis können Fische und andere Lebewesen überleben.
  
Wisst ihr nicht, dass alle, 
die wir auf Christus Jesus getauft sind, 
die sind in seinen Tod getauft? 
So sind wir ja mit ihm begraben 
durch die Taufe in den Tod, 
damit, wie Christus auferweckt ist 
von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.
Denn wenn wir mit ihm verbunden 
und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, 
so werden wir ihm auch 
in der Auferstehung gleich sein.  
Römer 6, 3-5
Wasser ist auch das Element, das uns als Christen miteinander und mit Christus verbindet – eine besondere Verbindung, die gut zu diesem besonderen Element passt.
Auch als Christen gehören wir zusammen und sind doch frei. 
Was uns verbindet, ist das Wissen, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes sind. Keine ist mehr Wert als die andere. Wir alle sind von Gott gewollt. Sich das immer wieder bewusst zu machen, hilft im Leben miteinander.
Was uns verbindet, ist die Zusage Gottes: Der Tod hat nicht das letzte Wort. So schrecklich er auch ist, er soll keine Macht über dich haben. - Wir sollen wissen: Bei Gott steht am Ende das Leben.
Was uns verbindet, ist das Vertrauen darauf, dass Gott uns in allen Lebenslagen begleitet, dass er uns für’s Leben begeistern will und uns Mut zuspricht, das, was uns entgegen kommt, auch anzugehen.
  
So spricht der Herr, 
der dich geschaffen hat, Jakob, 
und dich gemacht hat, Israel: 
Fürchte dich nicht, 
denn ich habe dich erlöst; 
ich habe dich 
bei deinem Namen gerufen; 
du bist mein.
 Jesaja 43,1
Diese Verbindung kann so auch so etwas wie eine Haut entstehen lassen. - Kein dickes Fell. Es ist wichtig, dass es uns unter die Haut geht, wenn wir Not und Elend sehen. Es ist wichtig, dass wir aufmerksam sind für die Sorgen unserer Mitmenschen. Und es ist wichtig, dass wir nicht am Leid zerbrechen – nicht am eigenen Leid und auch nicht am Leid anderer. Doch genau in solchen Lebenslagen kann diese „Haut“ helfen, nicht selbst zu zerbrechen, weil sie uns zusammenhält. 
Manchmal, in ganz eisigen Zeiten, kann diese Verbindung dann auch so etwas wie ein Schutzraum sein. Ein Schutzraum, in dem sich Menschen gegenseitig stärken und Kraft sammeln, um sich dann wieder mit neuer Kraft hervor zu wagen. 
Wasser bringt ja nicht nur Leben – es kann auch bedrohlich, ja, sogar gefährlich sein. Die Taufe verschweigt nicht, dass Leben auch seine dunklen Seiten hat. Das ist gut so, denn alles andere wäre nicht ehrlich. Aber die dunklen Seiten des Lebens sollen nicht die Oberhand gewinnen. Gott sagt uns zu: Du gehörst zu mir. 
Und das heißt eben auch: Wir gehören keinem Menschen. Wir sind frei.
Frei und doch verbunden, Schweres im Leben nicht verleugnen, Segen und Ermutigung zum Leben – so eine Gemeinschaft kann ein guter Lebensraum sein und wenn’s gut geht, sogar so etwas wie Heimat.
Severine Plöse, Evangelisch in Ettenheim 2023/3