Im christlichen Glauben steckt eine ungeheuerliche Kraft der Veränderung. Ganz besonders können wir sie an Ostern spüren, wenn wir die Auferstehung Jesu feiern: vom Dunkel ins Licht, von der Trauer zur Freude, von der Resignation zur Zuversicht.
Aber auch in den Geschichten, die Jesus erzählt, ja in seiner Lebensgeschichte überhaupt, kommt diese Kraft zur Veränderung immer wieder durch.
Jesus nimmt nicht einfach alles so hin, wie es ist. Er schaut, wo Veränderung möglich ist; wo es auch dem, der sich gelähmt fühlt, möglich ist, weiter zu gehen; wo der, der keinen Durchblick mehr hat, wieder weitersieht; wo der, der das Gefühl hat, nicht mehr Herr seiner selbst zu sein, wieder frei wird zum Leben.
Jesus denkt und handelt ungewöhnlich. So scheiden sich an ihm die Geister. Er hat viele Fans, die ihn begleiten und an seinen Lippen hängen. Aber er eckt auch immer wieder an, wird von Autoritäten herausgefordert, von anderen angefeindet.
Mit seiner ungewöhnlichen Art aber macht Jesus vor allem vielen Menschen Hoffnung. Er ermutigt sie, nicht in ihren gewohnten Mustern stecken zu bleiben, sondern sich aufzumachen und Neues zu wagen.
Vielleicht würde man ihn ja heute einen Kümmerer nennen.
Er hat die Anderen im Blick. Es interessiert ihn, wie es ihnen geht, er fragt nach, was sie brauchen. Auch die Gemeinschaft hat er im Blick, will, dass Menschen miteinander und nicht gegeneinander leben.
Wobei das nicht heißt, dass er sich nicht auch um sich selbst kümmert. Wenn es ihm zu viel wird, lässt er sich von seinen Jüngern auf die andere Seite des Sees bringen – möglichst weg von der Menschenmenge (Mt 14,13), oder er zieht sich zurück und betet (Mt 14,23). Gerne gut gelebt hat er wohl auch, sonst hätten ihm andere kaum vorwerfen können, ein Fresser und Weinsäufer zu sein (Mt 11,19).
Mir scheint, Jesus hat mit Demut im ursprünglichen Sinne des Wortes gelebt, nämlich mit einer Haltung des Dienens. Er hat sich in den Dienst nehmen lassen – von Gott für das Leben.
Ich glaube, darin liegt letztlich auch die unglaubliche Kraft zur Veränderung, die im christlichen Glauben steckt. Sie kommt nicht mit Getöse von außen, wie wir das heute so oft erwarten. Die Kraft der Demut wirkt von innen, denn sie ist ja eine Haltung. Dafür muss man sich auch nicht extra klein machen, wie es oft mit Demut verbunden wird – im Gegenteil, ich glaube, so eine Haltung kann mutig machen. Schließlich hat Jesus auch in aller Demut Mut gehabt. Er ist einfach eingetreten für seine Sache, für Gott und die Menschen, hat sich eben in Dienst nehmen lassen.
Vielleicht wäre das ja auch eine hilfreiche Art, wie wir mit den Herausforderungen unserer Zeit umgehen können.
Wir könnten uns in den Dienst nehmen lassen. Demütig, jeder mit seinen Fähigkeiten, jede mit ihren Gaben – mutig für Gott und die Menschen, für uns selbst und unser Miteinander – demütig mutig für das Leben.
Das könnte eine ganze Menge verändern.
- Termine
- Gottesdienste
- Unsere Gemeinde
- Musik
- Südbezirk
- Lebenslagen
- Kontakt
DeMUT
Severine Plöse (Evangelisch in Ettenheim 20/2)
Weitere Texte zum Nach- und Weiterdenken finden Sie hier ...
