Bangemachen gilt nicht!

„Dieser Herbst wird ein besonderer Herbst!“, höre ich in diesen Tagen immer wieder Menschen sagen. Und so wie es aussieht haben sie recht: wie immer wird es Herbst und doch ist alles ganz anders.
Wie immer werden die Tage kürzer werden, aber dass wir in der kommenden Zeit nicht mehr so häufig draußen sein können, spielt in diesem Jahr eine besondere Rolle.
Wie immer rücken in diesen Zeiten des Jahres ganz besonders die Menschen in unsere Gedanken, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Menschen, mit denen wir das Leben geteilt haben, die uns wichtig waren, die wir schmerzlich vermissen. Menschen, die wir womöglich nicht so verabschieden konnten, wie wir uns das gewünscht hätten.
In diesem Jahr werden aber auch noch andere Verluste stärker in den Blick kommen.
Da mussten Hochzeiten verschoben werden, runde Geburtstage wurden – wenn überhaupt – nur im Kleinen gefeiert, Klassenfahrten und Urlaubsreisen wurden abgesagt, Taufen und Konfirmationen unter ganz besonderen Bedingungen gefeiert.
Abschied wird wie immer ein Thema des Herbstes sein, aber ein wirklich besonderer Herbst wäre es für mich, wenn wir einander zurufen: Bangemachen gilt nicht!
Ich denke, es wird Zeit, dass wir uns von den „Was-wäre, wenn ...‘s“ und den „Es-hätte-so-schön-sein-können‘s“ verabschieden.
Denn: So wichtig es ist, Abschied zu nehmen, sich auch Zeit dafür zu nehmen, so wichtig es ist, die eigene Geschichte nicht zu vergessen, so wichtig ist es auch, nicht in der Vergangenheit stehen zu bleiben, sondern dann auch wieder das Jetzt – mit all seinen Veränderungen – in den Blick zu nehmen und weiter zu gehen.
Dazu gehört eine Menge Mut. Aber als Christen haben wir ja DEN großen Mutmacher an unserer Seite: Den dreieinigen Gott.
Ihm liegt an dieser Welt – deshalb erzählt die Bibel, dass Gott sie gut geschaffen hat. Er sorgt dafür, dass der Tod auch für uns nicht das letzte Wort hat – das erfahren wir in der Auferstehung Jesu. Und wenn von Gottes Heiligen Geist die Rede ist, soll klar sein: Es ist auch heute immer mit dabei!
Der Gemeinde in Korinth ruft der Apostel Paulus mit Worten aus der Hebräischen Bibel, unserem Alten Testament, zu: „Der Tod ist verschlungen vom Sieg! Tod, wo ist Dein Stachel? Hölle, wo ist Dein Sieg?“, und stellt daraufhin fest: „Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!“ (1. Korinther 15, 54f.57)
Mit Gott als Mutmacher an unserer Seite brauchen wir uns vom Tod nicht bange machen lassen. Nicht vom Tod am Ende des Lebens und auch nicht von den kleinen Toden, die wir mitten im Leben erleben. Er ermutigt uns, unser Leben zu leben, dem Tod die Stirn zu bieten und nicht zuzulassen, dass er seine Macht über uns ausübt. Wir haben es nicht nötig, uns zu Sklaven des Todes machen zu lassen.
Ja, es wird ein besonderer Herbst, aber wie auch immer: Bangemachen gilt nicht!
 
Severine Plöse in Evangelisch in Ettenheim 2020/4