Sonntag Zuhause - Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres

Gottesdienst zum 15. November 2020

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm: Psalm 50 - WW 923
Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu *
vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.
Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. *
Unser Gott kommt und schweiget nicht.
Fressendes Feuer geht vor ihm her *
und um ihn her ein gewaltiges Wetter.
Er ruft Himmel und Erde zu, *
dass er sein Volk richten wolle:
„Versammelt mir meine Heiligen, *
die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.“
Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; *
denn Gott selbst ist Richter.
Opfere Gott Dank *
und erfülle dem Höchsten deine Gelübde,
und rufe mich an in der Not, *
so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.
Wer Dank opfert, der preiset mich, *
und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Du schweigst nicht, Gott.
Du willst, dass alle zu ihrem Recht kommen.
Das tröstet, wo ich zum Opfer werde und Leid ertragen muss.
Doch es lastet auf mir, wo ich Schuld auf mich geladen habe.
Ich sorge mich: Wie wird es werden? - vor Dir?
Dann erinnere ich mich an Deine Liebe für‘s Leben
und versuche zu vertrauen -
auf Deine Gerechtigkeit und Deine Güte. Amen
Lied: Herr, mach uns stark – EG 154, 1-3
1. Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt, dass unser Licht vor allen Menschen brennt! Laß uns dich schaun im ewigen Advent! Halleluja, Halleluja.
2. Tief liegt des Todes Schatten auf der Welt. Aber dein Glanz die Finsternis erhellt. Dein Lebenshauch bewegt das Totenfeld. Halleluja, Halleluja!
3. Welch ein Geheimnis wird an uns geschehn! Leid und Geschrei und Schmerz muss dann vergehn, wenn wir von Angesicht dich werden sehn.
Halleluja, Halleluja!
Lesung des Predigttextes: Lukas 16, 1-8
Jesus sprach zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. Da sprach der Verwalter bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde. Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Der sprach: Hundert Fass Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig. Danach sprach er zu dem zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der sprach: Hundert Sack Weizen. Er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Mit Vorwürfen und Anschuldigungen sind sie ganz schnell dabei!
Ob die dann wirklich gerechtfertigt sind, oder nicht – das tut gar nichts zur Sache. Zur Not spricht man einfach von „alternativen Fakten“, dann passt das schon.
Dem Verwalter in Jesu Geschichte scheint es so gegangen zu sein. Er wird beschuldigt, den Besitz des reichen Mannes, für den er arbeitet, verschleudert zu haben. Ob das stimmt, spielt in der Geschichte überhaupt keine Rolle. Es ist ja auch so: Ist so eine Behauptung einmal in die Welt gesetzt, dann ist es ganz schwer, das Gegenteil zu beweisen.
Ich denke an Jesus. Auch er kommt ja als so eine Art Verwalter des an Gnade und Güte reichen Gottes in diese Welt – und je nachdem, wie man es nimmt, verschleudert er diesen Reichtum. - Jedenfalls haben das sicher einige Menschen zur Zeit Jesu so gesehen.
In den Evangelien gibt es viele Geschichten davon, wie Jesus Sünder zur Umkehr bewegt und sich für Verlorene(s) stark macht: das Schaf, den Sohn, den Groschen.
Jesus hat sich ganz bewusst den ausgegrenzten Menschen zugewandt – und das war vielen ein Dorn im Auge. Sie haben, das, was er tat, nicht verstanden. Jesu Handeln haben sie als ungerecht, oftmals sogar als gotteslästerlich empfunden. Immer wieder wurde ihm das vorgeworfen. Immer wieder setzt er sich auch mit diesen Vorwürfen auseinander. Und letztlich waren es solche Vorwürfe, die ihn ans Kreuz gebracht haben.
Vielleicht aber hat der Verwalter ja wirklich betrogen. Dann wäre das, was Jesus hier erzählt, einfach nur eine Halunkengeschichte. Eine Geschichte, mit denen er Menschen schockiert und so aufrüttelt und sagt: Macht was, mit dem, was Ihr könnt. Findet heraus, was Eure Gaben sind, setzt sie gut ein und lasst Euch nicht so leicht ins Bockshorn jagen, wenn mal irgendetwas schief läuft – was die „Kinder dieser Welt“ können, das könnt Ihr als „Kinder des Lichts“ auch.
Der Evangelist Lukas selbst war sich nicht so ganz sicher, was der Sinn dieser Erzählung ist und hat ihr verschiedene Kommentare, also unterschiedliche Auslegungsmöglichkeiten, angefügt. Sicher war er sich wohl: Ein Aufruf zum Betrug ist diese Geschichte nicht.
Sicher aber soll uns diese Geschichte irritieren und ins Nachdenken bringen. Vielleicht ja auch darüber, ob wir denn verschwenderisch genug mit Gottes Gnade und Güte sind - und wie wir damit umgehen, wenn uns das jemand vorwirft.
Ziehen wir uns bei einem solchen Vorwurf einfach zurück und machen halt was anderes? Oder halten wir an Gott fest, schauen, was wir können, welche Möglichkeiten wir haben und setzen die ein?
Es ist ja schon so: Gottes Gnade und Güte hat vor allem bei denen Raum, die sie im Übermaß erfahren haben. Wer selbst spürt: „Ich bin begnadet“, ist um so mehr bereit, diese Gnade und Güte auch an andere weiter zu geben.
Die Geschichte erzählt auch: Wenn Schuld an Bedeutung verliert, ist Neues möglich. Hier wurden Menschen von Schuldnern zu Freunden.
Das finde ich eine feine Sache!
Amen
Lied: Herr, mach uns stark – EG 154, 4-5
4. Aber noch tragen wir der Erde Kleid. Uns hält gefangen Irrtum, Schuld und Leid;
doch deine Treue hat uns schon befreit.
Halleluja, Halleluja!
5. So mach uns stark im Mut, der dich bekennt, dass unser Licht vor allen Menschen brennt!
Lass uns dich schaun im ewigen Advent!
Halleluja, Halleluja!
Fürbitten und Vaterunser:
Gott des Himmels und der Erde.
Manchmal macht mich die Dreistigkeit dieser Welt sprachlos.
Manchmal fühle ich mich wie erstarrt,
weiß nicht, was ich jetzt noch tun kann,
wie es in dieser Situation weiter gehen kann,
wie alles zum Guten kommen kann.
Ich bitte Dich, Gott: Rüttle mich auf in meiner Starre.
Hilf mir, mich auf das zu besinnen, was ich kann.
Schenke mir Taten, die alte Muster durchbrechen
und Worte, die weiter führen.
Gott des Himmels und der Erde.
Manchmal macht mich Deine Gerechtigkeit sprachlos.
Nicht immer könnte ich anderen gegenüber so gütig sein.
Nicht immer kann ich es mir gegenüber.
Ich bin froh und dankbar, dass Du es kannst.
So bleibt mir nur zu bitten: Weite Du auch mein Herz.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser, …
Lied: Wo Menschen sich vergessen – WW 93
1. Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.
2. Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich ...
3. Wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich ...
Segen:
Der Herr, segne dich und behüte dich,
Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
Der Herr, hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Zum Ausdrucken und Weitergeben:

Quelle: Ev. Kirchengemeinde Ettenheim