Sonntag Zuhause - Sexagesimae

Gottesdienst zum 7. Februar 2021

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm: Psalm 119 - WW 959.2
HERR, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht; *
deine Wahrheit währet für und für.
Du hast die Erde fest gegründet, *
und sie bleibt stehen.
Nach deinen Ordnungen bestehen sie bis heute; *
denn es muss dir alles dienen.
Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, *
so wäre ich vergangen in meinem Elend.
Dein Wort ist meinem Munde *
süßer als Honig.
Dein Wort macht mich klug; *
darum hasse ich alle falschen Wege.
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte *
und ein Licht auf meinem Wege.
Erhalte mich nach deinem Wort, dass ich lebe, *
und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit
Amen
Gebet:
Ich brauche etwas zum Festhalten, Gott.
Einen, der mich festhält,
in all meinen Zweifeln, in aller Sorge, in aller Ungewissheit.
Dass Du da bist, tröstet mich,
dass ich zu Dir kommen darf, hilft mir auf,
dass dein Wort feststeht, gibt mir Zuversicht.
Ich bitte dich: Leuchte mir mit Deinem Wort.
Hilf mir Stille zu werden
und lass mich hören, wie Du zu mir sprichst
Amen
Lied: In der Stille angekommen – WW 60, 1-4
1. In der Stille angekommen, werd ich ruhig zum Gebet.
Große Worte sind nicht nötig, denn Gott weiß ja, wie's mir geht.
Kehrvers: Danken und loben, bitten und flehn. Zeit mit Gott verbringen.
Die Welt mit offnen Augen sehn. Reden, hören, fragen, verstehn.
Zeit mit Gott verbringen. Die Welt mit seinen Augen sehn.
2. In der Stille angekommen, leg ich meine Masken ab.
Und ich sage Gott ganz ehrlich, was ich auf dem Herzen hab.
3. In der Stille angekommen, schrei ich meine Angst hinaus.
Was mich quält und mir den Mut nimmt, all das schütt ich vor Gott aus.
4. In der Stille angekommen, nehm ich dankbar, was er gibt.
Ich darf zu ihm "Vater" sagen, weil er mich unendlich liebt.
Lesung des Predigttextes: Lukas 8,4-10.(11-15)
Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. Er aber sprach: Euch ist's gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist's gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
„Please wait for the host to start this meeting“ - „Bitte warten Sie, bis der Moderator dieses Treffen beginnt.“ lese ich mal wieder auf meinem Bildschirm. Es sollte eine Besprechung stattfinden – mit Videotelefonie, wie das heute eben so üblich ist und mal wieder klappt irgendwas nicht und der Rechner sagt mir, ich solle warten.
„Warten“, kommt es mir dabei in den Sinn, „warten“, das ist derzeit wohl so etwas wie ein Grundzustand.
Wir warten darauf, dass wir uns wieder mit Freunden treffen können, der Präsenzunterricht in der Schule wieder los geht, die Kleinen wieder in den Kindergarten dürfen. Wir warten darauf, dass wir wieder Hosen im Laden kaufen dürfen, wieder einen Ausflug nach Frankreich machen dürfen, dass endlich genügend Impfstoff da ist …
Schon öfter war in den letzten Wochen und Monaten das Warten vergebens. Da wurde Hoffnung gesät, aber dann verdorrte sie einfach, weil sich nichts änderte, oder die Saat erstickte unter neuen schlechten Nachrichten. Manchmal wurde sie gar durch Übereifer zertreten.
Da kann man natürlich - wie so viele gerade auch - rufen: Da hätte man eine ordentliche Bodenanalyse vornehmen müssen, um festzustellen, ob es sich lohnt, dort zu säen. Und eine Marktanalyse – sie hätte gezeigt, welches Produkt sich gut entwickeln würde.
Aber mit den Analysen ist es gerade schwierig – wir wissen so wenig, müssen oft einfach ausprobieren und ich habe auch den Verdacht: Hoffnung ist einfach ein schlechtes Saatgut.
Bei dem Sämann aus der Geschichte Jesu jedenfalls ist Hoffnung nicht das Saatgut, sondern vielmehr das Prinzip, nach dem er seinen Samen verteilt. Auch dieser Sämann nimmt keine Bodenanalyse im Vorfeld vor. Er verteilt einfach, was er hat, achtet noch nicht einmal darauf, wo es genau hinfällt – er hofft einfach. Es könnte ja sein, … - es könnte ja doch sein, dass die Saat aufgeht, dass sie irgendwo auf guten Boden fällt, dass irgendjemand da ist, der die guten Worte Gottes hört, dass es da eine gibt, die sich anrühren lässt.
Dieser Sämann hat keine Angst davor, dass etwas vergeblich sein könnte. Er weiß, dass er vieles nicht in der Hand hat, es nicht bestimmen kann. Er weiß, dass nicht alles Richtig ist, was er tut und er immer wieder Fehler machen wird. Aber er lässt sich davon nicht abhalten. Und dadurch, dass er so hartnäckig und großzügig sät, entsteht letztlich ganz viel Raum. Offensichtlich geht ja an ganz vielen Orten die Saat doch auf – der Ertrag jedenfalls ist übermäßig.
Natürlich ist es wichtig, was der Sämann hier sät. Es ist Gottes Wort, erklärt Jesus den Jüngern. Und in Gottes Wort steckt die Kraft des Lebens drin – das wissen alle, die einmal davon berührt wurden.
Aber es werden nicht alle berührt, oft genug teilen wir es vergebens aus – warum, das bleibt ein Rätsel. Jesus macht seinen Jüngern Mut: Es mag zwar oft vergebens sein, aber davon solltet Ihr Euch nicht täuschen lassen – man weiß es einfach nie und letztlich weiß man es erst am Ende. Gebt also die Hoffnung nicht auf, dass die Saat aufgehen wird, vertraut darauf, dass es eine gute Saat ist und wartet geduldig. Das schafft Raum – Euch und anderen.
Warten also nicht als Grundzustand sondern als Grundhaltung.
Das will ich ausprobieren. Amen
Lied: Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir – WW 66, 1-3
Kehrvers:
Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir,
Leben aus der Quelle des Lebens.
1. Und du erforscht mich, veränderst mein Denken,
nur noch aus dir will ich leben, o Herr.
2. Hilfst mir zu schweigen und auf dich zu warten,
nur noch aus dir will ich leben, o Herr.
3. Willst mich gebrauchen, als Salz für die Erde,
nur noch aus dir will ich leben, o Herr.
Fürbitten und Vaterunser:
Schenke mir Geduld, Gott.
Die Geduld zu warten.
Darauf, dass etwas wächst
darauf, dass die Zeit reif ist,
darauf, dass Menschen bereit sind.
Schenke mir Mut, Gott,
auszusäen und zu vertrauen,
das, was vergebens war, zu ertragen,
das, was verkehrt war, zu verzeihen.
Schenke mir Weisheit, Gott,
in allem Unklaren und aller Unwägbarkeit,
dennoch weiter zu gehen,
einen Schritt nach dem anderen – nicht mehr, aber doch so viel.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser, …
Lied: Gott hat das erste Wort – EG 199, 1-5
1. Gott hat das erste Wort. Es schuf aus Nichts die Welten
und wird allmächtig gelten und gehn von Ort zu Ort.
2. Gott hat das erste Wort. Eh wir zum Leben kamen,
rief er uns schon mit Namen und ruft uns fort und fort.
3. Gott hat das letzte Wort, das Wort in dem Gerichte
am Ziel der Weltgeschichte, dann an der Zeiten Bord.
4. Gott hat das letzte Wort. Er wird es neu uns sagen
dereinst nach diesen Tagen im ewgen Lichte dort.
5. Gott steht am Anbeginn, und er wird alles enden.
In seinen starken Händen liegt Ursprung, Ziel und Sinn.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.
Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
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