Sonntag Zuhause - Pfingsten

Gottesdienst am 31. Mai

Wir feiern das Pfingstfest, das Fest des Heiligen Geistes. Wir erfahren, wie der Heilige Geist vor 2000 Jahren in Jerusalem wirkte, wie er Menschen miteinander verband und frischen Wind in ihr Leben brachte. Die Geburtsstunde der Kirche!
Überall führt der Heilige Geist auch heute Menschen zusammen zum Beten, zum Singen und zum Hören auf Gottes Wort. Das wollen auch wir heute tun.
Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Psalm 118 (EG 752)

Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
O Herr, hilf!
O Herr, lass wohlgelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.
Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.
Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet:

Gott, wir fühlen uns oft müde, kaum etwas kann uns begeistern,
wir brauchen frischen Wind in unserem Leben und auch in unserer Kirche.
Wir vertrauen deiner Zusage:
Du willst bei uns sein in deinem Wort.
Du möchtest uns Geist von deinem Geist geben,
du willst unser Beistand sein und uns helfen,
die Lasten unserer Zeit zu tragen.
Wir bitten dich: Sende uns deinen Heiligen Geist und schaff uns neu!
Amen.

Lied der Woche: Atme in uns, Heiliger Geist – WW 105

Refrain:
Atme in uns, Heiliger Geist, / brenne in uns, Heiliger Geist, /
wirke in uns, Heiliger Geist, / Atem Gottes, komm!
1.Komm, du Geist, durchdringe uns. / Komm, du Geist, kehr bei uns ein. /
Komm, du Geist, belebe uns, / wir ersehnen dich! Refrain
2.Komm, du Geist der Heiligkeit, / komm, du Geist der Wahrheit. /
Komm, du Geist der Liebe, wir ersehnen dich! Refrain
3.Komm, du Geist, mach du uns eins, / komm, du Geist, erfülle uns. /
Komm, du Geist und schaff uns neu, / wir ersehnen dich! Refrain

Lesung des Predigttextes: Apostelgeschichte 2, 1-13

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

Gedanken zur Bibellesung:

Als „verrückt“ möchte niemand von uns gelten. Sicher „kleine Verrücktheiten“ werden einem schon einmal verziehen…
Damals – an Pfingsten in Jerusalem - das waren schon „verrückte“ Zeiten, als der Geist Jesu, der Heilige Geist einen Zugang zu den Jüngern fand, als sie be-geistert von Jesus erzählten – da sagten die anderen: „Die sind verrückt! Die sind nicht ganz bei Verstand oder betrunken!“ Die Geschichte der Kirche „ver-rückt“ gleich zu Beginn so einiges!
Am Anfang steht nicht eine „konstituierende Mitgliederversammlung, bei der sich die Jünger unter Leitung von Petrus auf eine für alle Völker und alle Zeiten unveränderbare Verfassung geeinigt hätten“. Am Anfang steht keine Grundsätze, die man bewahren und schützen muss. Es beginnt mit dem Hereinbrechen des Heiligen Geistes in das Haus und in die Menschen, die im Vertrauen auf Jesus dort waren: Ängstliche bekommen Mut, Zögernde geraten in Bewegung, Unsichere werden Zeugen.
Und es waren immer Menschen, begeisterte und begeisternde Christen, die in der Kirche so einiges ver-rückten und ihr so zu einem neuen Pfingsten verholfen haben.
Martin Luther, der kleine verrückte Mönch aus Witteberg war so einer, der so manches zurecht-gerückt hatte: Die Menschen müssen doch verstehen, was im Gottesdienst geschieht – lasst uns unsere Gottesdienste auf Deutsch feiern! Jede Christin, jeder Christ sollte doch einen Zugang zur frohen Botschaft haben – lasst uns die Bibel übersetzen! Die Menschen sollen doch verstehen, was wir predigen, schreiben und beten – lasst uns dem Volk aufs Maul schauen, damit wir als Pfarrer Bilder und Worte finden, die sie verstehen! Martin Luther durchbrach Machtstrukturen in der Kirche und führte sie auf den Boden des Evangeliums zurück.
In der katholischen Kirche war Johannes XXIII. einer der einiges in der Kirche ver-rückte. In einem Moment plötzlicher Eingebung kündigte er das II. Vatikanische Konzil an, das er selbst als „Neues Pfingsten“ verstand. Auf die Frage, was er sich von diesem Konzil erhoffe, soll er das Fenster in seinem Arbeitszimmer weit geöffnet und gesagt haben: „Dass es frische Luft hereinlässt!“ Und wie beim ersten Pfingstfest wurden damals viele mitgerissen und ein neuer Geist hielt Einzug in die Kirche.
Das wäre doch auch heute etwas für unsere Kirche, dass wir die Kirchentüren öffnen und neue Formen finden, Gottesdienst zu feiern – AUFab.STAND zwar und kürzer, aber mit toller Musik und von Gottes Geist inspiriert. Die Coronazeit mit all ihren Einschränkungen ist auch eine Chance, eingefahrene Gewohnheiten zu überdenken und sich als Kirchengemeinde zu öffnen für Neues und Überraschendes…
Und da wir alle miteinander Kirche sind, könnten wir uns auch persönlich die ein oder andere Verrücktheit leisten – vielleicht den eingefahrenen Alltag durchbrechen und sich kleine „Aus-Zeiten“ nehmen für Stille und Gebet, für etwas, das uns begeistert und erfüllt.
Oder wir durchbrechen das geistlose Verhaltensmuster, immer mehr haben und immer besser sein zu wollen. Machen wir uns selbst die Freude, unsere Talente für andere einzusetzen.
Und wenn dann jemand von uns behauptet, wir seien verrückt, können wir antworten: „Hoffentlich!“ oder „Gott sei Dank“!
Amen.

Lied: O komm, du Geist der Wahrheit (EG 136)

1. O komm, du Geist der Wahrheit, / und kehre bei uns ein, / verbreite Licht und Klarheit, /
verbanne Trug und Schein. / Gieß aus dein heilig Feuer, / rühr Herz und Lippen an, /
dass jeglicher getreuer / den Herrn bekennen kann.
2. O du, den unser größter / Regent uns zugesagt: / komm zu uns, werter Tröster, /
und mach uns unverzagt. / Gib uns in dieser schlaffen / und glaubensarmen Zeit /
die scharf geschliffnen Waffen / der ersten Christenheit.
7. Du Heilger Geist, bereite / ein Pfingstfest nah und fern; / mit deiner Kraft begleite /
das Zeugnis von dem Herrn. / O öffne du die Herzen
der Welt und uns den Mund, / dass wir in Freud und Schmerzen / das Heil ihr machen kund.

Fürbitten und Vaterunser:

Gott, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist,
der uns in der Krise Mut macht zum Leben, der uns zueinander bringt,
der uns Kraft gibt für neue Schritte, der in uns Hoffnung weckt.

Gott, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist in unserer Kirche.
Stärke unsere Gemeinschaft untereinander.
Lass uns voller Freude und Begeisterung im Glauben leben.
Bring uns mit deinem Geist in Bewegung. Mach uns offen für Veränderungen.

Gott, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist,
dass das Verständnis unter den Völkern wächst;
dass immer wieder Wege zum Frieden gesucht werden;
dass Ungerechtigkeit, Hunger und Vertreibung ein Ende finden;
dass Macht und Weisheit zueinander finden.

In der Stille öffnen wir dir unser Herz für unsere persönlichen Bitten: …
Sende uns deinen Geist, der uns begeistert und tröstet.
Gemeinsam beten wir: Vater unser, …

Lied: Gottes Segen behüte dich nun (WW 146)

Gottes Segen behüte dich nun, / Gottes Frieden in all deinem Tun.
Geh gesegnet, getröstet, gestärkt und geliebt / in der Freude, die Gott dir heut gibt.

Segen:

Es segne und behüte uns der allmächtige und menschenliebende Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder

Zum Ausdrucken und Weitergeben:

Quelle: Rainer Becker, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim