Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk! Gründe nun dein ew’ges Reich. Hosianna in der Höh’ Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!
Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild! Ewig steht dein Friedensthron, du, des ew’gen Vaters Kind. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!
Gebet:
Lasst uns beten
Herr unser Gott, Danke, dass Du auch bei mir/uns einziehst –
dorthinein, wo ich/wir gerade lebe – in mein Haus, in meine Wohnung,
hinein aber auch in alle Sorgen und Ängste.
Lass mich in Deiner Gegenwart zur Ruhe kommen.
Segne Du dieses Zusammensein mit Dir Gott und untereinander.
Lass uns bei Dir neue Kräfte schöpfen.
Amen
Das Evangelium des Palmsonntages nach Johannes 12
Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9):»Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.
Gedanken:
Liebe Gemeinde
Hochstimmung war in Jerusalem. Jesus wurde als der König gefeiert. Kein Wunder, denn was wäre das für ein König, der mit 5 Broten 5000 Menschen satt machen kann und Tote zum Leben erweckt. Die Menschen liefen ihm nach, feierten ihn bereits als einen König und erhofften sich von ihm alles – vielleicht auch, dass sie ein wenig Glanz von seinem Königsein für ihr Leben abbekommen. Sie vertrauten sich ihm an, sangen das Hosianna, mehr noch bekannten sich zu ihm und sagten: Du bist mein König.
Und Jesus er zieht ein – und das, obwohl er wußte, dass dieser Einzug zugleich der Einzug in sein Sterben und Tod war. Er hat der Wahrheit ins Gesicht geschaut – und er hat sogar davon gesprochen. Da heißt es im Predigttext von diesem Sonntag aus Markus 14,3-9
Und als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.
Diese Frau wollte Jesus zum König salben. Sie hatte keine Geduld mehr, wollte nicht warten, nicht abwarten und dann hat sie dafür alles gegeben. Sie hat das teuerste Öl gekauft, goß es ihm über sein Haupt – das war die Königssalbung - und dann hat sie sogar noch das Gefäß zerbrochen – als ob sie ihr Herz aufbricht und sich diesem Jesus ganz anvertraut, mit ihrem ganzen Sein.
Und dann geht dieser Königsweg so ganz anders weiter als erhofft. Jesus spricht nicht nur von seinem Begräbnis. Er geht diesen Weg durch Sterben und Tod hindurch und erst als der Auferstandene wird er uns zum König – zum König über Leben und Tod. Er verfällt nicht der Versuchung, sein Königsein vorwegzunehmen. Er geht den Weg, der ihm zum Kreuzweg wurde. Und er geht ihn alleine – und das Gott sei Dank. Denn seither dürfen wir wissen: Wir sind nie mehr alleine, selbst nicht auf den schwersten und einsamsten Wegen, die wir zu gehen haben. Denn da ist einer, der für uns da ist – eben dieser Gott, dieser König, der sein Herz bei den Menschen hat.
Diesem König können wir unser Herz anvertrauen, erst recht in diesen Tagen, die so ganz anders sind als sonst. Diesen König dürfen wir empfangen – ja eben genau dieser König ist es, der einzieht in unsere Häuser und Herzen.
Mit ihm können wir der Wahrheit ins Gesicht schauen, selbst Sterben und Tod. Mit ihm können wir durch Krisen gehen – ja selbst durch Sterben und Tod. Er steht uns als Bruder zur Seite. Empfangen wir ihn – wie die Menschen einst in Jerusalem oder eben diese Frau in Betanien. Vertrauen wir uns ihm an, in dem wir unseren Glauben bekennen und uns damit auch mit denen verbinden, die mit uns auf dem Weg sind.
Glaubensbekenntnis
Psalmgebet und Fürbitten:
Himmelhochjauchzend – so war einst die Stimmung in Jerusalem – und dann dieses Gewahrwerden – der Weg Jesu geht durch Scheitern hindurch, durch Sterben und Tod. Viele waren zu Tode betrübt – verzweifelt - fassungslos
Es brauchte Zeit – dies zu verstehen – und auch wir brauchen Zeit, um manches zu verstehen.
Daher vertrauen wir uns Gott an und beten wir mit den Worten des 69. Psalm – der Psalm dieses Sonntages. Worte, die vielleicht in diesen Tagen Worte von so manch einem unter uns sind.
Gott, hilf mir!
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist;
ich bin in tiefe Wasser geraten,
und die Flut will mich ersäufen.
Ich habe mich müde geschrien,
mein Hals ist heiser.
Meine Augen sind trübe geworden,
weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.
…
Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade;
Gott, nach deiner großen Güte
erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.
Erhöre mich, HERR,
denn deine Güte ist tröstlich;
wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit
und verbirg dein Angesicht nicht vor deinem Knecht,
denn mir ist angst; erhöre mich eilends.
Herr unser Gott – manch einer erlebt diese Worte in dieser Stunde an seinem eigenen Leib oder in seiner Seele.
Sei Du ihnen nahe –
Wir bitten Dich für
all den Menschen, die krank sind, die Angst haben,
die im Sterben liegen oder um einen ihnen lieben Menschen trauen.
Sei denen nahe, die Furcht haben vor den wirtschaftlichen Folgen,
die zweifeln an all diesen Maßnahmen, die wir in diesen Tagen zu leben haben.
Sei nahe den Menschen, die auch in dieser Stunde auf der Flucht sind,
die mitten in Hunger, Krieg und Gewalt, auch häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.
Komm Du Ihnen zur Hilfe und mache Du uns zu Werkzeugen Deiner Liebe und Deines Friedens.
In alledem, lass uns aber auch nicht das Danken vergessen
Danke für Deine herrliche Schöpfung, die wir in diesen Tagen erleben.
Danke, dass wir dennoch mehr als genug zu essen haben,
Danke für alle, die sich in diesen Tagen für andere einsetzten –
das öffentliche Leben auftrecht erhalten und sich um die Menschen kümmern, die ihre Sorge anvertraut sind.
Herr Sei Du bei allen, die Entscheidungen zu treffen haben –
Stehe Du ihnen bei und schenke ihnen Weisheit und Kraft – ja Deinen Segen.
In der Stille bringen wir alles das vor Dich, was uns bewegt an Freud und Leid.
Vater Unser im Himmel…..
Bitten wir Gott um seinen Segen – mit dem
Lied EG 171
1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, / sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot, / sei um uns mit deinem Segen, 2X
2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, / sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht, / sei nahe in schweren Zeiten, 2X
3. Bewahre uns Gott, behüte uns Gott/sei mit uns vor allem Bösen./
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen,2X
4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, / sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, / sei um uns auf unsern Wegen, 2X
Segen
Der Herr segne Euch und behütet Euch, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Euch und sei Euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke uns Frieden. Amen
Eine gesegnet Karwoche Ihre Henriette Gilbert, Pfarrerin Kippenheim
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Quelle: Henriette Gilbert, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim
