Sonntag Zuhause - Palmsonntag

Gottesdienst zum 28. März 2021

Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Christushymnus (Philipper 2) – NL 975
Christus Jesus, der in göttlicher Gestalt war,
hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
sondern entäußerte sich selber
und nahm Knechtsgestalt an,
ward den Menschen gleich
und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
Er erniedrigte sich selbst
und war gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn auch Gott erhöht
und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller deren Knie,
die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
und aller Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist,
zur Ehre Gottes des Vaters.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist
wie es war im Anfang jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet:
Gott, zu dir kommen wir.
Voller Hoffnung auf dein Wort und deine Kraft.
Gott, zu dir kommen wir. Mit kleinem Mut und großer Müdigkeit.
Gott, wir bitten dich: Lass uns schauen auf Jesus, der uns Mut macht. Lass uns sehen auf den Anfänger und Vollender des Glaubens und von ihm Lernen. Amen.
Lied: Dein König kommt in niedern Hüllen – EG 14
1. Dein König kommt in niedern Hüllen, / ihn trägt der lastbarn Es’lin Füllen, /
empfang ihn froh, Jerusalem! / Trag ihm entgegen Friedenspalmen, /
bestreu den Pfad mit grünen Halmen; / so ist’s dem Herren angenehm.
3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, / doch aller Erde Reiche werden /
dem, das du gründest, untertan. / Bewaffnet mit des Glaubens Worten /
zieht deine Schar nach allen Orten / der Welt hinaus und macht dir Bahn.
5. O Herr von großer Huld und Treue, / o komme du auch jetzt aufs neue /
zu uns, die wir sind schwer verstört. / Not ist es, dass du selbst hienieden /
kommst, zu erneuen deinen Frieden, / dagegen sich die Welt empört.
Predigtgedanken zu Hebräer 12, 1-3
Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.
 
Die Menschen, denen der Text des Hebräerbriefes gilt, werden an ihre Glaubensvorbilder erinnert. Sie sind anscheinend glaubens-müde geworden. Harthörig sind sie, übersetzt Luther, obwohl sie einmal eifriger waren im Glauben. Sie verlassen die Gottesdienste und sind träge geworden. Deshalb motiviert sie der Verfasser, dabei-zubleiben, auch wenn es manchmal schwerfällt. Ihm liegen die Men-schen und die Sache Jesu am Herzen. Deshalb versucht er, sie aus ihrer Müdigkeit herauszureißen. Ihre Gleichgültigkeit tut ihm weh.
Was der Verfasser an der jungen Gemeinde beobachtet, könnte er heute auch bei uns sehen. So richtig Stimmung mag im Gottesdienst in Coronazeiten ohne Gemeindegesang und auf Abstand oft auch nicht aufkommen. Wir vermissen die Begegnungen, die Gruppen, das fröhliche Feiern. Machen uns Sorge um unser Gemeindeleben. Und meine eigene Stimmung ist auch immer häufiger am Tiefpunkt. Ich fühle mich müde und ohnmächtig angesichts der Tatsachen, die ich auf dem Bildschirm sehe oder in der Zeitung lese.
Bei diesem Gefühl setzt der Predigttext an. Da heißt es: "Lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist." Da spricht mir einer aus der Seele. Liebend gern möchte ich alles von mir werfen, was mich runterzieht und mein Leben schwer macht. Das tröstet erst mal. Ich fühle mich verstan-den in meinem Empfinden, meinen Zweifeln und mit meinen Fragen.
Ich fühle mich verstanden. Aber zugleich fühle ich mich gefordert. "Lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und laufen mit Geduld." Ich bin angenommen mit meiner Mutlosigkeit. Aber ich sollte mich nicht darauf ausruhen oder in Selbstmitleid zerfließen. Lass los, ruft mir der Verfasser des Hebräerbriefes zu. Lass los, was dich runterzieht und passiv macht! Tue etwas Neues! Schau auf das, was auch da ist, dass du eingehüllt bist in eine Wolke von Menschen, die es anders machen. Diese Zeugen haben ihren Mut zusammen-genommen, um anders zu leben. Sieh sie dir an! Sie zeigen, wie Leben auch sein kann und welche innere Haltung sie trägt. Was lässt sich von ihrem Leben auf meines übertragen? Welche ihrer Eigen-schaften brauche ich am nötigsten als Kraftquelle auf meiner Lebens- und Glaubensreise?
Ermutigend finde ich dabei, dass viele von denen, die im 11. Kapitel des Hebräerbriefes genannt werden, alles andere als Heilige waren. Da ist Mose, der einen Menschen erschlagen hat, die Hure Rahab oder Sara, die Gott erst mal auslacht, als er ankündigt, dass sie im hohen Alter noch einen Sohn gebären wird. Sie alle sind sehr menschlich und dennoch oder gerade deshalb sind sie zu Vorbildern des Glaubens geworden. Um meinen Glauben zu festigen, darf ich mich also an mutige Menschen anlehnen, die ihrem Leben oder der Welt immer wieder eine positive Wendung gegeben haben. Vor allem aber waren es Menschen, die stets ihre Gottesbeziehung wachgehalten und ihrem Gott durch ihre Zweifel oder Krisen hin-durch die Treue gehalten haben. Diese Zeugen brauche ich, weil ihre Geschichten meinen Glauben stärken. Ich brauche sie, damit es mir in schweren Zeiten gelingt, mein Kreuz zu tragen, ohne mutlos zu werden.
"Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens." In der Wolke von Zeugen finden sich Menschen, an deren Glauben und Lebenserfahrung ich wachsen kann. Jesus ist dagegen ein Zeuge anderer Art. In ihm sammelt Gott die ganze Bandbreite menschlicher Erfahrung. Durch Jesus weiß Gott, was es bedeutet Mensch zu sein und wie es sich anfühlt, sein Kreuz zu tragen. In ihm erfährt er am Palmsonntag, wie Menschen begeistert von ihm sind und Gott loben. Und in ihm erfährt er auch, was es wenige Tage später bedeutet, wenn sich die meisten plötzlich gegen ihn wenden. Er wird verraten und er geht daran zugrunde. Jesus ist zum Zeugen dessen geworden, was es heißt, ein verletzlicher, angreifbarer Mensch zu sein. Damit hat er unser Empfinden Gott nahegebracht. Deshalb können wir uns heute auf beides stützen. Christi Zeugenaussage bringt uns Gott näher. Daher dürfen wir uns verstanden fühlen. Und eine Wolke von Zeugen spendet uns Kraft, weil ihre Lebens- und Glaubenserfah-rungen für uns Ermutigung sind. Wenn wir auf Christus vertrauen und uns von menschlichen Zeugen anregen lassen und Vertrauen wagen, hilft uns das, mutig unseren Weg zu gehen. Dann kann es irgendwann sein, dass auch andere uns als Zeugin oder Zeugen empfinden wer-den für ein Leben, das trotz aller Brüche getragen ist von der Liebe Gottes. Ich bin froh, dass ich mich auf diesen Zeugen verlassen kann.
Lied: Wer nur den lieben Gott lässt walten – EG 369
1. Wer nur den lieben Gott lässt walten / und hoffet auf ihn allezeit, / den wird er wunderbar erhalten / in aller Not und Traurigkeit. / Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, / der hat auf keinen Sand gebaut.
2. Was helfen uns die schweren Sorgen, / was hilft uns unser Weh und Ach? / Was hilft es, dass wir alle Morgen / beseufzen unser Ungemach? / Wir machen unser Kreuz und Leid / nur größer durch die Traurigkeit.
7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, / verricht das Deine nur getreu / und trau des Himmels reichem Segen, / so wird er bei dir werden neu. / Denn welcher seine Zuversicht / auf Gott setzt, den verlässt er nicht.
Fürbitten
Danke, Gott, für alles, was uns Mut macht.
Danke für das, was uns aufweckt aus unserer Müdigkeit:
Für andere Menschen, für Vorbilder, für gute Botschaften und Zeichen, besonders für Jesus, unser großes Vorbild.
Gib uns Geduld für unseren Lebens- und Glaubenskampf.
Lass uns jeden Tag neu anfangen.
Schenke Kraft, das abzulegen, was uns beschwert,
womit wir unser Leben beladen oder es anderen schwer machen.
Gib uns einen Blick für das, was hilft. Lass Geschichten und Worte lebendig werden. Im Geiste Jesu lass uns handeln.
Gib uns dafür jeden Tag neuen Mut, das Feuer der Liebe und Geduld mit uns und anderen.
In der Stille, vertrauen wir dir die an, was uns noch bewegt: ……
Voll Vertrauen beten wir mit Jesu Worten weiter:
Vater unser
Lied: Ach bleib mit deiner Gnade – EG 347
1. Ach bleib mit deiner Gnade / bei uns, Herr Jesu Christ,
dass uns hinfort nicht schade / des bösen Feindes List.
2. Ach bleib mit deinem Worte / bei uns, Erlöser wert,
dass uns sei hier und dorte / dein Güt und Heil beschert.
3. Ach bleib mit deinem Glanze / bei uns, du wertes Licht;
dein Wahrheit uns umschanze, / damit wir irren nicht.
4. Ach bleib mit deinem Segen / bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen / in uns reichlich vermehr.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.
Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Zum Ausdrucken und Weitergeben:

Quelle: Rainer Becker, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim

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