Sonntag Zuhause - Ostern

Gottesdienst am 12./13. April 2020

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm 118.I (EG 763.I) Dies ist der Tag, den der Herr macht
Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.
Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:
Die Rechte des Herrn behält den Sieg!
Die Rechte des Herrn ist erhöht;
die Rechte des Herrn behält den Sieg!
Ich werde nicht sterben, sondern leben
und des Herrn Werke verkündigen.
Der Herr züchtigt mich schwer;
aber er gibt mich dem Tode nicht preis.
Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,
dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.
Das ist das Tor des Herrn;
die Gerechten werden dort einziehen.
Ich danke dir, dass du mich erhört hast
und hast mir geholfen.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom Herrn geschehen
und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet:
Unser guter Gott,

an diesem Morgen lass uns froh werden, denn es ist Ostermorgen.
Nicht der Tod hat gesiegt, der uns Angst macht.
Du, Gott, hast dem Leben zum Sieg verholfen.
Das lässt uns neu hoffen und fröhlich werden.
Dein Sohn Jesus Christus ist vom Tod auferstanden.
Dafür danken wir dir.
Wir bitten dich: Lass uns das ganz fest glauben,
damit wir unsere Angst verlieren.
Lass uns das neue Leben erfahren. Amen.

Lied: Wir wollen alle fröhlich sein – EG 100, 1.2.4

1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; / denn unser Heil hat Gott bereit’. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.
2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, / dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.
4. Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis, / der uns erkauft das Paradeis. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Lesung des Predigttextes: Markus 16, 1-8

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. 2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. 3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. 6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Gedanken zur Bibellesung von Dekan Rainer Becker:

Ein Bote spricht zu den Frauen: „Entsetzt euch nicht! ER ist auferstanden, er ist nicht hier. Er wird vor euch hingehen nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen.“ Das versetzte die Frauen noch mehr in Schrecken, und voller Angst liefen sie weg.
So endet das Markusevangelium in seiner ältesten Überlieferung. Gar nichts von österlicher Freude, wie wir sie uns vorstellen! Nichts von Hoffnungsglück; kein Halleluja. Nichts Sichtbares. Sondern einzig dieses Wort: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“
Viele haben gerätselt, warum das Evangelium so enden kann – ohne große Wunder, ohne großes Aufsehen, ohne Berichte, wie der Auferstandene erscheint. Ich bin überzeugt: Das ist absichtlich so erzählt. Mehr ist vom Leben Jesu nicht zu berichten als das: Er ist gekreuzigt worden, gestorben und ins Grab gelegt. Aber er ist nicht im Tode geblieben. Er ist nicht hier. In der Welt der Gräber, der Welt zerstörter Hoffnungen und versteinerter Erinnerungen wird man ihn nicht finden. Er ist auferstanden, er lebt. „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten“, so wird den Frauen am Grabe gesagt. Aber hier in der Welt des Todes und der Gottverlassenheit, hier in der Welt des Gestern werdet ihr ihn nicht finden.
Wenn nicht hier – wo ist Jesus dann zu finden? Mit dieser Frage beginnt eine neue Geschichte. Es beginnen damit die Geschichten vom neuen Leben, wo Verzweiflung sich in Hoffnung verwandelt, Angst in Mut, Tod in Leben. Doch diese neuen Geschichten gehören nicht mehr in ein Buch wie das Markusevangelium, diese Geschichten geschehen im wirklichen Leben. Sie ereignen sich im Leben der Jünger Jesu, damals wie heute, in Ihrem Leben genauso wie in meinem.
Nur ein Hinweis wird uns dazu im Markusevangelium noch gegeben. Der Bote in der Grabkammer sagt den Frauen: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“ In Galiläa wird der Auferstandene erscheinen. Galiläa – das ist das Gebiet, wo die Frauen und die Jünger zu Hause waren. Galiläa, das ist dort, wo man sie kennt – den Petrus, den Jakobus und den Johannes ebenso wie die beiden Marias und Salome und wie sie alle heißen.
Galiläa – das ist also die Welt des Alltags, da wo man zusammen ist mit dem Partner, mit Eltern oder Kindern, mit freundlichen oder schwierigen Nachbarn; Galiläa, das ist da, wo man arbeitet und sich ausruht, wo man sich engagiert, wo man sich freut und traurig ist – einfach da, wo man lebt. So erzählen es die anderen Evangelien auch immer wieder: Jesus begegnet da, wo zwei Männer auf dem Heimweg nach Emmaus sind; da, wo Freunde zusammensitzen. Er erscheint da, wo seine Jünger längst wieder ihren alten Beruf aufgenommen haben und am See Genezareth Fische fangen. Dabei wird immer wieder erzählt, dass die Jünger und Jüngerinnen den Auferstandenen nicht erkennen, dass sie nicht glauben können. Es müssen ihnen erst die Augen geöffnet werden, dass sie es begreifen können: Er ist wahrhaftig auferstanden.
Wenn das so ist, dann ist Ostern auch für uns nicht eine Geschichte aus längst vergangener Zeit. Im Gestern werden wir den Auferstandenen ebenso wenig finden wie die Frauen. Ostern ereignet sich für uns in unserem Galiläa, also auch hier in unserer Gemeinde. Jesus ist auferstanden – das wird jede und jeder in seinem Alltag erfahren, in seiner Welt, oft auf ganz unscheinbare Weise. Es müssen uns nur die Augen geöffnet werden dafür. Solche Ostererfahrungen können sehr unterschiedlich sein, jede und jeder mag etwas anderes erleben, bei dem Sie plötzlich erkennen: Jesus lebt. Am Abend erklingt das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ in der Nachbarschaft. Ich stimme ein und mir wird warm ums Herz. Ich erhalte einen Anruf und spüre: Da denkt jemand an mich, wir bleiben verbunden, auch wenn wir uns nicht persönlich begegnen können. Ich finde einen Ostergruß im Briefkasten und mein Herz blüht auf.
Ostern, das sind Geschichten vom neuen Leben. Verzweiflung wandelt sich in Hoffnung, Angst in Mut. Auch die Coronakrise mit all ihren Einschränkungen wird zu Ende gehen. Es bleibt nicht alles beim Alten. Menschen stehen zusammen und sich gegenseitig bei. Das ist die österliche Freude, die uns oft eher sprachlos als vollmundig macht. Darum sagt der Engel zu den Frauen: „Entsetzt euch nicht. Er ist auferstanden.“ Ihr werdet das Leben finden! Amen.

Lied: Er ist erstanden, Halleluja – EG 116, 1-3

1. Er ist erstanden, Halleluja. / Freut euch und singet, Halleluja. /
Denn unser Heiland hat triumphiert, / all seine Feind gefangen er führt.
Kehrvers:
Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, / der uns erlöst hat vom ewigen Tod. /
Sünd ist vergeben, Halleluja! / Jesus bringt Leben, Halleluja!
2. Er war begraben drei Tage lang. / Ihm sei auf ewig Lob, Preis und Dank; /
denn die Gewalt des Tods ist zerstört; / selig ist, wer zu Jesus gehört.
3. Der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht! / Ihr suchet Jesus, hier ist er nicht. /
Sehet, das Grab ist leer, wo er lag: / er ist erstanden, wie er gesagt.«

Fürbitten und Vaterunser:

Der Herr ist auferstanden, er lebt und macht uns und alles Leben neu.
Lasst uns darum beten, dass das neue Leben unter uns wächst:
Verwandle uns durch deine Nähe, dass wir nicht in unseren Erinnerungen versteinern, sondern durch dich zu neuer Hoffnung erweckt werden.
Lass uns deine Zuwendung erfahren, dass wir ein offenes Ohr haben für die Nöte der Mitmenschen, auf andere zugehen und aus deiner Liebe das Leben finden.
Lass deinen Frieden unter uns wachsen, dass Hass und Gewalt, Hunger und Verfolgung, Corona-Pandemie und Tod ein Ende haben, und alle Menschen Gerechtigkeit erfahren.
Stecke uns an mit der Osterfreude, dass unsere Trauer sich wandelt in Zuversicht und unsere Angst in Hoffnung, dass wir lebendige Zeugen deiner Auferstehung werden.
In der Stille sagen wir dir, was wir auf dem Herzen haben: … Gott, wir vertrauen darauf, dass du hörst und siehst und hilfst. Mit diesem Vertrauen beten wir: Vater unser, …

Lied: Er ist erstanden, Halleluja – EG 116, 4.5

4. »Geht und verkündigt, dass Jesus lebt, / darüber freu sich alles, was lebt. /
Was Gott geboten, ist nun vollbracht, / Christ hat das Leben wiedergebracht.«
Kehrvers:
Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, / der uns erlöst hat vom ewigen Tod. /
Sünd ist vergeben, Halleluja! / Jesus bringt Leben, Halleluja!
5. Er ist erstanden, hat uns befreit; / dafür sei Dank und Lob allezeit. /
Uns kann nicht schaden Sünd oder Tod, / Christus versöhnt uns mit unserm Gott.

Segensbitte:

Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen

Zum Ausdrucken und Weitergeben:

Quelle: Rainer Becker, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim