Paul Gerhard nimmt uns mit seinem Lied hinaus in die Schöpfung Gottes – bis hin zu den Schafen und ihren Hirten
Lied: Geh aus, mein Herz – EG 503, 1.2.5
an deines Gottes Gaben; Schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.
2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.
5. Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich an ihrem Rand mit schattenreichen Myrten; die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten.
Psalm: Psalm 23 (EG 710)
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal,
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Lasst uns weiter beten:
Herr unser Gott, Danke, dass Du auch mein/unser Hirte bist.
Du bist mir Trost in meinem/unserem Leben.
Du salbest meine Wunden und schenkst mir Hoffnung.
Du öffnest mir die Quelle der Freude
und lässt mich ruhen in Deiner Gegenwart.
Du deckst mir den Tisch inmitten einer bedrohlichen Welt,
du begleitest mich mit Deiner Liebe –
selbst im finsteren Tal, im Todesschattental.
Lass mich in Deinen Armen Halt finden.
Sei Du mir Zuflucht und Heimst. Amen
Gedanken zu Psalm 23 von Pfarrerin Henriette Gilbert:
Liebe Gemeinde
Das Bild des Guten Hirten umfasst unseren ganzen Glauben – alles können wir da hineinlegen – unser ganzes Leben. Und nun, wo stehen bleiben in diesen Tagen? Ich möchte Sie mithineinnehmen in den Psalm, der schon so viele Leben getragen hat. Und dann lese in einem Buch eines Schäfers, dass in diesem Psalm ein ganzes Hirtenjahr zur Sprache kommt. Der Hirte führt im Frühjahr seine Schafe auf die grünen Wiesen und zum frischen Wasser. Wir alle wissen, wie saftig grün die Weisen im Mai sind – das erste Gras, voller Kraft. Der Hirte führt seine Herde von einer Aue zur anderen. Er kennt seine Weideplätze, er weiß, wo es gut ist.
Dann kommt der Sommer. Die Hitze trocknet die Wiesen aus. Es ist die Zeit, wo der gute und tüchtige Hirte seine Herde auf die Sommerweide treibt und sie liegt ganz oben, dort, wo es nicht so heiß ist. Die Schafe müssen durch tiefe Schluchten gehen, um dorthin zu gelangen: „und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir.“ Die Schafe müssen steil bergauf. Sie vertrauen sich dem Hirten an und gelangen nach oben. Für den Hirten heißt es, dass er nun für lange Zeit mit seinen Schafen Zeit zusammen sein wird. Er kann nicht mehr jeden Tag nach Hause. Es ist wohl nicht Zufall, dass genau an dieser Stelle im Psalm das „Er“ zu einem „Du „wird. Die Beziehung zwischen Schaf und Hirt wird immer enger –
Der Hirte verbringt den Sommer mit seiner Herde auf der Hochebene. Sie wird in manch Sprachen auch der Tisch genannt. Eine solche heißt in Kapstadt/Südafrika der Tafelberg. Und dann heißt es da im Psalm: „Er bereitet mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.“ Für das Schaf war der Feind der Sommer, die Hitze, die unten im Tal alle Wiesen hat austrocknen lassen, erst recht in den heißen Ländern des Nahen Ostens, wo dieses Gebet entstand. Der andere Feind - das waren die Fliegen, die um die Köpfe der Schafe surrten. Der Hirte wußte darum. Daher tat er, was dem Schaf gut tat: „du salbest mein Haupt mit Öl“, denn Öl wehrt die Fliegen ab. Das Schaf konnte nun in Ruhe fressen, und wie lecker waren die Gräser auf den Hochebenen, wahrlich ein „bereiteter“ Tisch – „du schenkest mir voll ein.“
Und als es wieder Herbst wurde, ging der Hirte mit seinen Schafen wieder hinunter, hinein in den Stall.
So hat das Schaf rückblickend erlebt: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar“ – bleiben bei diesem Hirten, der mich versorgt, bleiben bis zum nächsten Jahr; ja bleiben zu allen Jahreszeiten, auch zu allen Jahreszeiten meines Lebens – auch in diesen Zeiten - Amen.
Als Glaubensbekenntnis EG 652
1. Weil ich Jesu Schäflein bin, freu' ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten, der mich wohl weiß zu bewirten, der mich liebet, der mich kennt und bei meinem Namen nennt.
2. Unter seinem sanften Stab geh' ich aus und ein und hab' unaussprechlich süße Weide, dass ich keinen Mangel leide; Und sooft ich durstig bin, führt er mich zum Brunnquell hin.
3. Sollt' ich denn nicht fröhlich sein, ich beglücktes Schäfelein?
Denn nach diesen schönen Tagen werd' ich endlich heimgetragen
in des Hirten Arm und Schoß: Amen, ja mein Glück ist groß!
Dank- und Fürbittgebet
Herr unser Gott, Hab Dank dass Du uns guter Hirte bist
und so vertrauen wir uns Dir an und bitten Dich.
Wir bitten Dich für
all den Menschen, die krank sind, die Angst haben, die im Sterben liegen
oder um einen ihnen lieben Menschen trauern.
Sei denen nahe,
die Furcht haben vor den wirtschaftlichen Folgen,
die zweifeln und verzweifeln an all diesen Maßnahmen,
die wir in diesen Tagen zu leben haben.
Sei du bei den Landwirten und allen, die auf Regen warten.
Sei nahe den Menschen,
die auch in dieser Stunde auf der Flucht sind,
die mitten in Hunger, Krieg und Gewalt, auch häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.
Stärke Du alle, die Entscheidungen zu treffen haben –
Stehe Du ihnen bei und schenke ihnen Weisheit und Kraft –
ja Deinen Segen.
Komm Du Ihnen zur Hilfe und mache Du auch uns zu Werkzeugen Deiner Liebe und Deines Friedens.
In alledem, lass uns aber auch nicht das Danken vergessen
Danke für Deine herrliche Schöpfung,
die wir in diesen Tagen erleben.
Danke, dass wir dennoch mehr als genug zu essen haben,
Danke für alle, die sich in diesen Tagen für andere einsetzten –
das öffentliche Leben aufrecht erhalten und sich um die Menschen kümmern, die ihre Sorge anvertraut sind.
In der Stille bringen wir alles das vor Dich, was uns bewegt an Freud und Leid.
Vater Unser im Himmel…
Bitten wir Gott um seinen Segen
Der Herr segne Euch und behütet Euch, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Euch und sei Euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke uns Frieden. Amen
Zum Ausdrucken und Weitergeben: Quelle: Henriette Gilbert, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim
Wer die Woche über sich noch mit dem Psalm 23 beschäftigen möchte:
Unter der Treppe des Pfarrhauses in Kippenheim – Gartenstraße 1 – liegt zum Mitnehmen das Heft zum Hirtenweg von der Landesgartenschau.
