Sonntag Zuhause - Letzter Sonntag nach Epiphanias

Gottesdienst zum 31. Januar 2021

von Dekan Rainer Becker
Wochenspruch:
Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60, 2b)
Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm 97 – EG 751
Der Herr ist König; des freue sich das Erdreich
und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind.
Wolken und Dunkel sind um ihn her,
Gerechtigkeit und Gericht sind seines Thrones Stütze.
Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit,
und seine Herrlichkeit sehen alle Völker.
Zion hört es und ist froh,
und die Töchter Juda sind fröhlich,
weil du, Herr, recht regierest.
Denn du, Herr, bist der Höchste über allen Landen,
du bist hoch erhöht über alle Götter.
Die ihr den Herrn liebet, hasset das Arge!
Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen;
aus der Hand der Gottlosen wird er sie erretten.
Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen
und Freude den frommen Herzen.
Ihr Gerechten, freut euch des Herrn
und danket ihm und preiset seinen heiligen Namen!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist
wie es war im Anfang jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet:
Gott, du lässt dein Licht immer wieder neu über uns aufgehen.
So machst du dich uns begreifbar und bleibst doch unergründlich.
Du zeigst dich uns und bleibst dennoch verborgen.
Du tröstest uns wunderbar und lässt uns doch oft zweifeln.
Lass uns nicht den Mut verlieren, wenn wir dich wenig spüren,
und bewahre uns vor allem Übermut, wenn wir deine Nähe erleben. Amen.
Lied: Morgenglanz der Ewigkeit – EG 450
1. Morgenglanz der Ewigkeit, / Licht vom unerschaffnen Lichte,
schick uns diese Morgenzeit / deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht / unsre Nacht.
2. Deiner Güte Morgentau / fall auf unser matt Gewissen;
lass die dürre Lebens-Au / lauter süßen Trost genießen
und erquick uns, deine Schar, / immerdar.
3. Gib, dass deiner Liebe Glut / unsre kalten Werke töte,
und erweck uns Herz und Mut / bei entstandner Morgenröte,
dass wir, eh wir gar vergehn, / recht aufstehn.
Lesung: 2. Petrus 1, 16-19
Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.
Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.
Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.
Predigtgedanken:
Es gibt viele Erzählungen aus der Bibel, die uns durch unser Leben begleiten, bewegen und anrühren:
Die Weihnachtsgeschichte, die Segnung der Kinder, der verlorene Sohn, der barmherzige Samariter, der Zöllner Zachäus uvam.
Als Kirche sind wir eine Erzählgemeinschaft. Hätten wir nicht Geschichten, die aufrütteln, Mut machen und Impulse geben, wäre es schwer, uns und andere dafür zu begeistern, im Vertrauen auf Gott immer wieder neu auf unser Leben und auf die Welt zu schauen.
Doch wenn uns solche Geschichten prägen, braucht es Kriterien, die unterscheiden und bewerten. Der Briefeschreiber unterscheidet zwischen Fabeln und Worten, die durchs Leben tragen – Worte, die strahlen wie Licht in der Dunkelheit.
Ausgeklügelte Fabeln haben einen hohen Unterhaltungswert, aber leben kann man von ihnen nicht. Heute würden wir vielleicht von „Fake News“ oder „alternativen Fakten“ sprechen, die nur das Ziel verfolgen, Menschen zu verwirren und sie für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren.
Eine „wahre“ Geschichte erkennt man dagegen daran, dass ich meine Lebensgeschichte in sie hineinschreiben oder in ihr entdecken kann.
Die Weihnachtsgeschichte: Im Kind in der Krippe berühren sich Himmel und Erde. Gott wird Mensch und berührt auch mein Herz. Im Dunkeln, in den Tiefen des Lebens kann ich Gott finden.
Die Kindersegnung: Wenn Jesus die Kinder segnet, dann wünsche ich mir das auch für meine Kinder. Sagt Gott nicht in der Taufe: Du bist mein geliebtes Kind?
Der verlorene Sohn: Manchmal habe ich mich verrannt, komme mir ganz verloren vor, doch in Gottes Armen darf ich mich geborgen fühlen. Ich darf umkehren, Gott trägt mir nichts nach.
Der barmherzige Samariter: Mein Nächster ist der, der meine Hilfe braucht. Ganz einfach - auch wenn es ein Flüchtling ist.
Zachäus oben mit Distanz auf dem Baum: Abstand halten gilt nicht – Jesus lädt mich ein zu einem Leben mit ihm.
Der Verfasser des Petrusbriefes bedient sich der Autorität des Petrus und verweist auf die Erfahrungen, die Menschen mit Jesus gemacht haben. Jesus ist keine ausgedachte Kunstfigur. In der Begegnung mit ihm haben sie gespürt: In Jesus hat Gott sein Gesicht gezeigt. So greift er die Erzählung von der „Verklärung“ Jesu auf. Auf dem Berg hören sie Gottes Stimme: „Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“.
Ihm wollen wir vertrauen, auf seine Worte wollen wir hören, uns seine Taten zum Vorbild nehmen, denn durch ihn erkennen wir Gottes Willen. Damit sind sie mitten drin in der Geschichte Gottes mit uns Menschen.
Damals wie heute erweisen sich diese Geschichten als wahr, weil ich mich in dem Geschehen entdecken kann, von dem sie erzählen. Worte, Bilder, Geschichten, die hineinstrahlen in mein Leben und mein Herz anrühren.
Amen.
Lied: Du Morgenstern, du Licht vom Licht – EG 74
1.Du Morgenstern, du Licht vom Licht, / das durch die Finsternisse bricht, / du gingst vor aller Zeiten Lauf / in unerschaffner Klarheit auf.
2. Du Lebensquell, wir danken dir, / auf dich, Lebend’ger, hoffen wir; / denn du durchdrangst des Todes Nacht, / hast Sieg und Leben uns gebracht.
3. Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, / der du den Vater uns enthüllt, / du kamst herab ins Erdental / mit deiner Gotterkenntnis Strahl.
4. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, / führ uns durch Finsternis zum Licht, / bleib auch am Abend dieser Welt / als Hilf und Hort uns zugesellt.
Fürbitten
Christus, du Morgenstern, du Licht vom Licht,
wir bitten dich für die Menschen in unserer Gemeinde,
für die nahen und die fernen: Umsorge sie alle am Tag und in der Nacht.
Lass ihnen dein Licht hell und sicher leuchten.
Vertreib in ihnen und um sie alle Finsternis und Angst, Zweifel und Not.
Christus, du Morgenstern, du Licht vom Licht,
wir bitten dich für unser Dorf, unser Land und unsere Welt:
Schütze alle vor den nicht einschätzbaren Folgen des Corona-Virus,
schütze besonders die Schwächsten.
Lass immer mehr Vernünftige, Vertrauensvolle,
Friedfertige und Licht-Menschen da sein.
Die anderen lass leise werden.
Christus, du Morgenstern, du Licht vom Licht,
wir bitten dich für uns und unser Leben:
Erhelle auch unsere dunklen Stunden.
Lass uns als Gemeinde ein Ort sein,
an dem dein Wort lebendig wird und dein Licht aufbricht.
Nimm uns hinein in deine Geschichte mit der Welt.
Mach aus uns kleine und helle Lichtboten deiner Hoffnung.
In der Stille, vertrauen wir dir die an, was uns bewegt: ……
So nah wie ein guter Vater bist du uns,
darum beten wir jetzt voll Vertrauen mit Jesu Worten weiter:
Vater unser
Lied: Christus, dein Licht – WW 11
Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten, / lasse nicht zu, dass Dunkel zu uns spricht. / Christus, dein Licht erstrahlt auf der Erde, / und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.
Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
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