Sonntag Zuhause - Karfreitag

Gottesdienst zum 10. April 202

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm 22 (EG 709.I) Herr, sei nicht ferne
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Du aber bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet:
Jesus, du bist für uns diesen weiten,

dunklen Weg gegangen.
Einsam warst du.
Verspottet warst du.
In den Tod gedrängt.
Fragen hast du in den Himmel geschrien.
Das musste so sein.
Wenn es dunkel um uns herum ist,
tröste du uns.
Du kennst all die Wege, die wir gehen.
Du bist sie vor uns gegangen,
um für uns das Licht anzumachen.
Amen.

Lied der Woche: O Haupt voll Blut und Wunden – EG 85, 1.5.6

1. O Haupt voll Blut und Wunden, / voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden / mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gezieret / mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret: / gegrüßet seist du mir!

5. Erkenne mich, mein Hüter, / mein Hirte, nimm mich an.
Von dir, Quell aller Güter, / ist mir viel Guts getan;
dein Mund hat mich gelabet / mit Milch und süßer Kost,
dein Geist hat mich begabet / mit mancher Himmelslust.

6. Ich will hier bei dir stehen, / verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen, / wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen / im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen / in meinen Arm und Schoß.

Lesung des Predigttextes: 2. Korinther 5, 19-21

19 Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Gedanken zur Bibellesung von Dekan Rainer Becker

Lasst euch versöhnen mit Gott – das verstehe ich so: Es gibt unendlich viel, was wir Gott vorwerfen können: Unverständliches, ungerechtes, grausames Leiden wie das von Jesus am Kreuz. Persönliche Schicksalsschläge. So viele Menschen, die eben nicht bewahrt worden sind vor der Ansteckung mit dem Virus. Kinder, die von Vertrauenspersonen missbraucht worden sind. Frauen, die in Kriegen vergewaltigt werden. Menschen, die bei Terroranschlägen durch Bomben ums Leben kommen. Überall dort ist nicht zu sehen, wo Gott in solchem Leiden vorkommt. Gott scheint abwesend. Gott kümmert es anscheinend nicht.
„Stimmt nicht!“ hält Paulus dagegen. Gott war da: in Christus – in diesem tapferen Ausharren bis zum Schluss – da hat Gott selbst gehandelt. Gott überlässt der Gewalt und dem Terror nicht das Feld. Aber Gott schafft sie nicht einfach mit einer Handbewegung aus der Welt. ‚Steig doch runter vom Kreuz, wenn du wirklich Gottes Sohn bist’, haben die Umstehenden Jesus zugerufen. Er bleibt da – als Opfer. Nicht, weil Gott Opfer braucht – das wäre ein furchtbares Gottesbild -, sondern weil Menschen andere immer wieder zu Opfern machen.

Das ist die Sünde, von der in der Bibel die Rede ist. Selbst wenn wir versuchen, ein einigermaßen anständiges Leben zu führen, kommen wir da nicht raus. Es gibt so unendlich viel Grausames, das wir nicht verhindern können. So vieles, das wir nicht verhindern wollen, weil wir zu träge sind. So gibt es immer neue Opfer: Die Flüchtlinge an den Grenzen. Tiere, die aussterben. Menschen, die vereinsamen.
Paulus sagt: sogar das kann uns nicht von Gott trennen. Gott verurteilt es auf’s Schärfste, davon können wir ausgehen, doch er geht nicht weg. Gott bleibt da und eher stirbt Jesus am Kreuz, als dass Gott uns Menschen abschreibt.
Diese Versöhnungsbotschaft lässt Gott unter uns verkünden. Das ist es, was Paulus hier eindringlich predigt.
Wenn diese Botschaft bei uns angekommen ist, dann können wir auch von uns aus Gottes Nähe wieder suchen. Denn es fällt keineswegs leicht, das Vertrauen auf Gott zu bewahren, wenn man vor den Trümmern persönlicher Hoffnungen steht oder wahrnimmt, was alles an namenlos Schrecklichem auf der Welt passiert.
Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet! beschwört uns da Paulus. – Dann könnt ihr euch von Gott getragen wissen, wenn ihr selbst Schweres erlebt. Und ihr könnt dort dem Bösen entgegentreten, wo es euch in eurer Umgebung begegnet. Gottes Liebe und Vergebung könnt ihr weitertragen, damit sie sich ausbreitet und Jesu Botschaft überall bekannt wird.
Gottes Geist gebe uns dazu die Kraft und bewahre uns in einem Frieden, der höher ist als alle Vernunft, in Christus Jesus. Amen.

Lied: Kreuz, auf das ich schaue – WW 170 ??

1. Kreuz, auf das ich schaue, / steht als Zeichen da; /
Der, dem ich vertraue, ist in dir mir nah.
2. Kreuz, zu dem ich fliehe / aus der Dunkelheit; /
Statt der Angst und Mühe / ist nun Hoffnungszeit.
3. Kreuz, von dem ich gehe / in den neuen Tag; /
Bleib in meiner Nähe, / dass ich nicht verzag.

Fürbitten und Vaterunser:

„Gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben.“
So bekennen wir.
Sonntag für Sonntag. In jedem Gottesdienst.
Einer. Damals. Auf Golgatha.
Stellvertretend und Sinnbild für alle, die
-gestern, heute, morgen – leiden und sterben.
Opfer von Willkür und Gewalt, Terror und Krieg, Krankheit und Not.
Überall auf der Erde. Vor unseren Augen.
Scheinbar allein gelassen von Gott und der Welt.
Auch von uns.
In der Stille denken wir
-jede und jeder für sich – an den Einen. Auf Golgatha.
Und wir denken auch all die anderen.
Die Ungezählten. Die Unbekannten. Die Namenlosen.
Die Opfer der Corona-Pandemie. Die Menschen, die helfen.
Gott, wir bitten Dich: Lass niemanden allein.
Der Tod macht uns sprachlos. Jeder Tod.
Gott, höre unser Schweigen.
Und lies unsere Gedanken, für die wir keine Worte finden können.
Wir vertrauen darauf, dass du, Gott, da warst –
bei dem Einen. Auf Golgatha.
Und dass du da bist –
Bei allen, die leiden und sterben.
In ihrer Angst, in ihrem Schmerz, in ihrem Tod.
Gott, Dir vertrauen wir uns an, wenn wir beten: Vater unser, …

Lied: Meine Hoffnung und meine Freude – WW 180

Meine Hoffnung und meine Freude, / meine Stärke, mein Licht.
Christus, meine Zuversicht! / Auf dich vertrau ich, und fürcht mich nicht, /
auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Segensbitte:

Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen

EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder

Zum Ausdrucken und Weitergeben:

Quelle: Rainer Becker, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim