Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm: Psalm 22 – EG 709.1
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du
nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften,
halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Jesus Christus, mache uns schweigsam heute, aufmerksam für Leid und Schmerz, damit wir nicht wegschauen.
Wir blicken auf dein Kreuz, Zeichen der Not inmitten des Elends dieser Welt, Zeichen des Unrechts und des Todes. Und doch ist es nicht das Ende deines Weges. Es wird für uns und alle Welt zum Zeichen der Hoffnung, weil du lebst und wirkst in Ewigkeit. Amen
Lied: O Haupt,voll Blut und Wunden– EG 85,1.5
1.O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt,
sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!
o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt,
sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!
5. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen in meinem Arm und Schoß.
von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen in meinem Arm und Schoß.
Lesung des Predigttextes: Johannes 19,16ff
Pilatus überantwortete ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. ... Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Annette Stepputat
Viele Sterbegeschichten machen uns betroffen, aber auf eine kommen wir immer wieder zurück. Einer, der das Sterben Jesu mit den Augen der Liebe sah, ist der Evangelist Johannes gewesen. Detailgetreu erzählt er von dem Tod. Er will sich erinnern an das, was passiert ist. Er will nichts vergessen von dem, was sich unter dem Kreuz und am Kreuz ereignete. Zugleich aber deutet er alles als Willen Gottes, das Kreuz als Erhöhung und Verherrlichung Jesu. So spricht in seinem Buch der Gekreuzigte: „Es ist vollbracht.“ Diese drei Worte sind der Schlüssel zum Verständnis. Sie sind die Übersetzungshilfe, Jesu Tod als eine Tat der Liebe zu begreifen. „Es ist vollbracht“ - das meint nicht nur:
nun sind die Qualen überstanden, jetzt hat das schreckliche Leiden ein Ende. „Es ist vollbracht“ - dieser Satz bedeutet, dass die Erlösung wahr geworden ist. Der Tod und seine Macht über die Menschen sind überwunden - damals am Kreuz und bis zu dem heutigen Tag. Wenn man die Worte von der Lehre der Grammatik her betrachtet, dann ist die Zeitform des Perfekts eben keine abgeschlossene Vergangenheit. Das, was auf Golgatha geschah, dauert an, ist für unsere Gegenwart grundlegend und bestimmt unsere Zukunft.
Aber können wir das glauben - das Kreuz als Zeichen der Erlösung? Karfreitag hat jedes Jahr von neuem die Aufgabe, uns anzusprechen, uns zuzusprechen, dass es einen Weg gibt. Es gibt einen Ausweg, gerade, indem wir auf den Gekreuzigten schauen, indem wir die Finsternis aushalten. Der Evangelist hat uns mit seinem Bericht eine Hilfe gegeben, Spuren des Lichts zu entdecken im Leiden und Sterben Jesu. Das zeigt sich auch in der Schlussszene am Kreuz. Da schildert der Evangelist, wie Jesus seinen Lieblingsjünger und seine Mutter aufeinander verweist. Es ist eine Geste, die den Wunsch Sterbender wahr macht. Auch nach ihrem Tod sollen die ihnen Nahestehenden versorgt sein. Die Familie, die auseinander zu brechen droht, fügt sich wieder zusammen. In diesem Augenblick vergisst Jesus sich selbst und denkt nur an die anderen. Er hat nichts mehr zu verlieren, aber noch einmal alles zu geben. Er nimmt Blickkontakt auf. Zeichen des Lebens mitten im Tod. Zwei einzelne Menschen werden aufeinander bezogen. Frau, siehe, das ist dein Sohn! Siehe, das ist deine Mutter! Sie sollen füreinander sorgen und liebevoll miteinander umgehen. In dem Augenblick, indem es um die Rettung der Welt geht, kümmert sich Jesus um das Schicksal zweier Menschen, nimmt ihre Verlassenheit und ihren Schmerz ernst. Jesus redet nicht von allgemeiner Liebe, die sich an alle wendet und deshalb niemand ergreift. Er appelliert auch nicht an das Weltgewissen. Er setzt im Leben zweier Menschen an und macht einen für den anderen verantwortlich. Die Liebe, die durch den Kreuztod Jesu in die Welt gegeben worden ist, beginnt mit der Bereitschaft, sich auf einen ganz kleinen Bereich zu beschränken, einem oder wenigen Menschen seine Kraft zu geben und ihn oder sie ernst zu nehmen im Leid. Diese Liebe erwacht zum Leben in vielen bis auf den heutigen Tag. Amen
Lied: Herzliebster Jesu – EG 81,1-2.4
1. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen,
dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?
Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist du geraten?
dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen?
Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist du geraten?
2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet,
ins Angesicht geschlagen und verhöhnet,
du wirst mit Essig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenket.
ins Angesicht geschlagen und verhöhnet,
du wirst mit Essig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenket.
4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe!
Der gute Hirte leidet für die Schafe,
die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte.
Der gute Hirte leidet für die Schafe,
die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte.
5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt,
der Böse lebt, der wider Gott gehandelt;
der Mensch verdient den Tod und ist entgangen, Gott wird gefangen.
der Böse lebt, der wider Gott gehandelt;
der Mensch verdient den Tod und ist entgangen, Gott wird gefangen.
Fürbitten und Vaterunser:
Herr Jesus Christus, unter deinem Kreuz stehen wir.
Wir bitten dich für diejenigen, die sich von Gott und der Welt verlassen fühlen, die unter Unrecht und Gewalt leiden, die weder Sinn noch Ausweg sehen. Hilf ihnen, dass sie von deiner Liebe erfüllt werden und neu Mut fassen. Wir bitten dich für diejenigen, die mit trüben Augen und bedrückten Herzen durch ihre Tage gehen. Lass sie Güte erfahren und menschliche Nähe. Herr Jesus Christus, unter deinem Kreuz stehen wir. Bleibe du uns alle Tage nahe. In der Stille bitten wir zu dir - Stille -
Wir beten: Vater unser, …
Lied: Jesu, meines Lebens Leben – EG 86,1.8
1.Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod,
der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennot,
in das äußerste Verderben, nur dass ich nicht möchte sterben:
Tausend-, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür.
der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennot,
in das äußerste Verderben, nur dass ich nicht möchte sterben:
Tausend-, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür.
8.Nun, ich danke dir von Herzen, Herr, für die gesamte Not:
für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod;
für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Plagen,
für dein Angst und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein.
für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod;
für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Plagen,
für dein Angst und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
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