Der Anfangsvers von Psalm 98, der auch der Spruch dieser Woche ist, gibt den Ton an, auf den der Sonntag Kantate gestimmt ist.
Als Christinnen und Christen sollen wir Gott loben mit Psalmen und Lobgesängen. Mögen wir so etwas von der Liebe Gottes und dem Frieden Christi in unseren Herzen spüren.
Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Psalm 98 (EG 752)
Singet dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr lässt sein Heil kundwerden;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem Herrn, dem König!
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist…
Gebet:
Noch immer ist unser Kopf voll von Missklängen und Dissonanzen der letzten Woche. Wir bitten dich, Gott, bring zur Ruhe, was noch in uns lärmt. Komm zu uns, rühr eine Saite in uns an. Versetze uns in Schwingung. Bring dein Wort in unserer Seele zum Klingen.
Führ uns zur Harmonie mit dir, mit uns, mit der ganzen Schöpfung.
Amen.
Lied der Woche: Du meine Seele, singe – EG 302
1. Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön / dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn. / Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd; /ich will ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.
2. Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil! / Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil, / das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt; /sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig unbetrübt.
8. Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen seinen Ruhm; /der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum. / Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in sein Zelt, / ist’s billig, dass ich mehre / sein Lob vor aller Welt.
Lesung des Predigttextes: 2. Chronik 5, 2 – 5. 12 – 14
2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. 4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. (…) 12 Und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.
Gedanken zur Bibellesung von Dekan Rainer Becker:
Nie zuvor war im alten Israel eine prächtigere Musik erklungen. Nie zuvor war eine solche Menge an Aufführenden beieinander, die aufs Feinste abgestimmt miteinander musizierten. Nie zuvor war Gott auf diese Weise gepriesen worden. Wundert es da, wenn mit einem Mal die Wolke von Gottes Gegenwart den neu erbauten Tempel erfüllt?
Für den Chronisten war die Zeit der gottestreuen Könige David und Salomo und die Zeit des Tempelbaus das goldene Zeitalter.
Wie sieht es in unserer eigenen Lebensgeschichte aus? Gibt es da auch goldene Zeiten? Lebensabschnitte, die wir im Rückblick womöglich ein wenig schöner machen, als sie wirklich waren?
Vielleicht die Zeit der Kindheit. Als es noch richtige Winter mit Schnee und Schlittenfahren gab. Oder als man die Milch in der Milchkanne beim Bauern holte und mit dem Arm kreisen ließ. Vielleicht war auch die Zeit der Berufsausbildung oder des Studiums solch eine goldene Zeit, an die man gerne zurückdenkt. Oder die Jahre, in denen man den Partner kennenlernte und gemeinsam die Welt eroberte. Bei sehr alten oder kranken Menschen, wenn die Lebensmöglichkeiten jetzt sehr eingeschränkt sind, wirkt eine Gedankenreise in längst vergangene, goldene Zeiten oft Wunder. Plötzlich sind die alten Emotionen wieder da. In der Erinnerung erlebt man das Schöne noch einmal. Fühlt für kurze Zeit, wie sich Leben anfühlt, wenn es ganz ist und rund. Gut, wenn man in so einer Lage ab und an von einem interessiert nachfragenden Menschen in goldene Zeiten entführt wird!
Auch wenn wir Gott loben, erinnern wir uns an die goldenen Momente im Leben. Wer Gott dankt, macht sich klar, dass das, was man erlebt, nicht selbstverständlich ist. Etwa das Neugeborene, dieses Wunder des Lebens, das ich in meinen Armen halte. Oder die Fahrprüfung, die ich trotz manch brenzliger Situation bestanden habe. Im Lob breite ich diese Erinnerungen dankbar vor Gott aus. Das stimmt nicht nur positiver gegenüber dem Leben. Vor allem werden vor Gott viele von meinen Lebensgeschichten zu goldenen Zeiten. Mein Alltag wird zum Haus Gottes, zum fröhlich tönenden Tempel, in dem er sich in der Wolke seiner Gegenwart niederlässt.
Neben dem persönlichen Gotteslob braucht es stets auch den feierlichen Dank der ganzen Gemeinde. Bei der Einweihung des Tempels lobt eine enorme Anzahl Musiker Gott mit einer Stimme.
Gerade, wenn wir in diesen Zeiten noch nicht als Gemeinde zum Lob Gottes in der Kirche zusammenkommen dürfen, ist es umso wichtiger, dass in unseren Häusern oder abends auf den Balkonen, in den Gärten oder auf der Straße das Lob Gottes erklingt.
Gott loben, das vergoldet den Alltag. Es macht unser Leben zu einem fröhlich tönenden Raum Gottes, in dem er sich gerne niederlässt.
Auf dass durch uns auch andere den offenen Himmel erleben!
Amen.
Lied: Ich sing dir mein Lied – WW 56, 1-3
1. Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. / Die Töne, den Klang hast du mir gegeben / von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, / du Quelle des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
2. Ich sing dir mein Lied –in ihm klingt mein Leben. / Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben / von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst, / du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
3. Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. / Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben / von Nähe, die Heil macht – wir können dich finden, / du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
Fürbitten und Vaterunser:
Treuer Gott, du rufst uns beim Namen, du kennst unsere Stimme.
Du freust dich an unserem Lied, an unserm Lob, an unserem Dank.
Vor dir breiten wir die goldenen Momente in unserem Leben aus:
… jede und jeder für sich…
Hab Dank, Gott, für alle Bewahrung, für gute Freunde, für jedes kleine Glück, für deine Melodie, die in uns klingt.
Wir bitten dich für alle, denen nicht zum Loben zumute ist:
Menschen, die sich sorgen um den Zusammenhalt in unserem Land;
Menschen, die verunsichert sind, weil sie noch kein Ende der Coronakrise sehen; Menschen, die einsam sind oder krank;
Menschen, die auf der Fluch sind vor Krieg und Gewalt.
Lass Klänge und Melodien unter ihnen und uns wachsen, die von Hoffnung erzählen und miteinander verbinden.
Dich loben wir, wenn wir nun miteinander und füreinander beten:
Vater unser, …
Lied: Ich sing dir mein Lied – WW 56, 4-5
4. Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. /Die Höhen, die Tiefen hast du mir gegeben. / Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung, / du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
5. Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben. / Die Töne, den Klang hast du mir gegeben / von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen, / du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
Segen:
Es segne und behüte uns der allmächtige und menschen-liebende Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Zum Ausdrucken und Weitergeben:
Quelle: Rainer Becker, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim
