Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm: Psalm 98 (EG 752)
Singet dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr lässt sein Heil verkündigen;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem Herrn, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen in die Hände klatschen,
und alle Berge seien fröhlich
vor dem Herrn; denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet:
Aus dem ohrenbetäubenden Lärm unseres Alltags, aus der bedrückenden Stille unseres Lebens kommen wir, Gott, zu dir. Wir danken dir, dass es Orte und Stunden gibt in denen Leib und Seele zur Ruhe kommen. Lass uns jetzt aufatmen in deinem Frieden und neue Kraft schöpfen für die kommende Woche. Amen.
Lied: Ich sing dir mein Lied (WW 56,1+3+5)
1. Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang hast du mir gegeben.
Von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.
Von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.
3. Ich sing dir mein Lied, in Ihm klingt mein Leben. Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben.
Von Nähe, die heil macht – wir können dich finden, du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
Von Nähe, die heil macht – wir können dich finden, du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
5. Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben. Die Töne den Klang hast du mir gegeben.
Von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
Von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.
Lesung: Lukas 19,37-40
Als Jesus schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.
Predigt von Vikarin Anja Kamper
Als faszinierender Zeuge einer anderen Zeit ragt ein Kirchturm aus dem Reschensee in Südtirol. Die Geschichte hinter diesem bekannten Postkartenmotiv „der Turm im See“ ist weit weniger idyllisch: Auf Antrag eines Großkonzerns sollte der See zur Energiegewinnung gestaut werden. Die Bevölkerung der beiden betroffenen Orte wurde dabei völlig übergangen. 1950 im Sommer war es dann soweit: Alle Gebäude im Tal, mit Ausnahme der Kirche, wurden gesprengt, die Schleusen wurden geschlossen. Beinahe 150 Familien, standen damit vor den Trümmern ihrer Existenz. Genauso wie ihrem Protest gegen den Stausee langsam die Luft ausgegangen war, konnten sie nun aus der Ferne zusehen, wie jetzt auch ihrer Kirche, langsam die Luft ausging. Über Tage hinweg sahen sie, wie das Wasser ihrer Kirche immer näherkam, in den Kirchenraum eindrang und ihn schließlich ganz flutete. Nur der Kirchturm blieb zurück.
Als ich noch ein Kind war, fuhren wir immer in den Urlaub nach Italien. Jedes Mal, wenn wir dabei am Reschensee vorbei kamen drückte ich mir beim Anblick des Kirchturms die Nase an der Autoscheibe platt. Die Geschichte zu dem Kirchturm im See kannte ich damals noch nicht. Trotzdem legte sich bei seinem Anblick immer eine gewisse Beklemmung auf meine Brust. Durch den Kirchturm im Reschensee begann ich zum ersten Mal zu ahnen: Nicht alle Steine sind stumm. In machen Steinen klingen die Geschichten der Menschen nach, die einmal mit ihnen verbunden waren.
So beredt manche Steine sein können so stumm sitzen wir hier seit nunmehr einem Jahr im Gottesdienst. Auch wenn wir statt unseres Gemeindegesangs immer sehr schöne Gesangsbeiträgen hören dürfen, so ist uns doch alles in allem auch in diesem Kirchenraum die Luft ausgegangen. Die Pandemie hat unser gemeinsames Singen, zum Verstummen gebracht, wie auch vieles andere, was vorher zu unserer Normalität gehört hat. An diese Leerstellen werden wir gerade heute besonders erinnert, weil der heutige Sonntag, Kantate, eigentlich dem gemeinsamen Singen und Loben gewidmet ist.
Die Pandemie hat unserem gemeinsamen Lobgesang die Luft genommen. Wie wir vorher gehört haben konnten dagegen die Pharisäer den Lobgesang der Jünger nicht zum Schweigen bringen. Die Mahnung der Pharisäer: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ stieß bei Jesus auf taube Ohren. Jesus antwortete ihnen nur: „Ich sage euch: Wenn diese, meine Jünger, schweigen werden, so werden die Steine schreien.“
Nun sitzen wir, die Nachfolger und Nachfolgerinnen dieser Jünger, heute hier unter unserem Kirchturm und schweigen. Inmitten dieser Steine schweigen wir. Aber diese Steine schweigen nicht. Wie die Geschichte der Menschen vom Reschensee in den Mauern ihrer Kirche nachklingt, klingt auch in diesen Mauern alles nach, was je in ihnen geschehen ist, ja sogar was je in ihnen gedacht, gehofft, und gebetet wurde. Genauso wie diese Steine Zeugen unseres heutigen gemeinsamen Schweigens sind, setzen sie auch unseren früheren gemeinsamen Lobgesang fort. Heute wie damals umschließen uns diese Steine als Gemeinschaft und verbinden uns zugleich mit all denen, die vor uns hier geschwiegen und gesungen haben genauso wie mit denen, die nach uns hier in dieser Kirche wieder ihren Lobgesang anstimmen werden.
„Ich sage euch: Wenn diese, meine Jünger, schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Das Wort, mit dem Jesus den Lobgesang seiner Jünger einst gegen die Pharisäer verteidigte, wird in der Pandemie zum Trostwort für uns. „Wenn uns die Kraft nicht reicht, wenn uns die Luft ausgeht, dann fangen die Steine das Reden an. Um der Menschen willen. Um Gott zu ehren. Sein Lob ist nicht tot zu kriegen.“ Davon zeugt unser Kirchturm in Ettenheim genauso wie der Kirchturm im Reschensee.
Amen.
Amen.
Lied: Ins Wasser fällt ein Stein (EG 648)
1. Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise, und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wirkt sie fort, in Tat und Wort, hinaus in unsre Welt.
Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wirkt sie fort, in Tat und Wort, hinaus in unsre Welt.
2. Ein Funke, kaum zu sehn, entfacht doch helle Flammen; und die im Dunkeln stehn, die ruft der Schein zusammen.
Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt, da wird die Welt vom Licht erhellt, da bleibt nichts, was uns trennt.
Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt, da wird die Welt vom Licht erhellt, da bleibt nichts, was uns trennt.
3. Nimm Gottes Liebe an! Du brauchst dich nicht allein zu mühn, denn seine Liebe kann in deinem Leben Kreise ziehn.
Und füllt sie erst dein Leben und setzt sie dich in Brand, gehst du hinaus, teilst Liebe aus, denn Gott füllt dir die Hand.
Und füllt sie erst dein Leben und setzt sie dich in Brand, gehst du hinaus, teilst Liebe aus, denn Gott füllt dir die Hand.
Fürbitten und Vater unser
Ein frohes und dankbares Lied fällt uns nicht immer leicht. In unser Danken bricht oft die Klage, in unsere Freude die Sorge. Wir bitten dich, dass wir trotz allem, was unser Leben verdunkelt, deine Liebe wahrnehmen und deine Treue spüren.
Wir bitten dich für die Menschen, denen Leid und Sorgen den Mund verschlossen haben, dass sie nicht mehr singen, sondern nur noch seufzen können. Lass ihnen dein Licht leuchten, damit die Schatten aus ihren Herzen weichen.
Wir bitten dich für die Mutlosen und Einsamen, die Kranken und Trauernden,
die dich nicht mehr loben, sondern weinen. Trockne ihre Tränen und schenke ihnen wieder Hoffnung.
Wir bitten dich aber auch für alle, die sich trotz vieler Schwierigkeiten an der Musik erfreuen können, lass sie darin dein Rufen hören und sich deiner Liebe öffnen.
Hilf uns Gott, dass wir dir zu Ehren bald wieder singen, und dein Lob vor aller Welt verkündigen.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor dich bringen – Stille –
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser …
Lied: Du bist der Atem der Ewigkeit (WW 23,1+3+5+8)
Refrain: Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.
1. Du bist der Atem der Ewigkeit, du bist der Weg in die neue Zeit.
3. Du bist die Klage in Angst und Not, du bist die Kraft unser täglich Brot. Refrain
5. Du bist das Ohr, das die Zukunft hört, du bist der Schrei, der die Ruhe stört. Refrain
8. Du bist das Wort, das uns Antwort gibt, du bist ein Gott, der uns Menschen liebt. Refrain
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
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