Sonntag Zuhause - Gründonnerstag

9. April 2020

Die andere Nacht…
Votum:
Wir feiern – in einer Gemeinschaft, die viel größer ist als in diesem Raum und die aufleuchtet, wenn wir uns unter Gottes Namen stellen:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm 111 (EG 759) Der Herr gedenkt an seinen Bund

Halleluja! Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen
im Rate der Frommen und in der Gemeinde.
Groß sind die Werke des HERRN;
wer sie erforscht, der hat Freude daran.
Was er tut, das ist herrlich und prächtig,
und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,
der gnädige und barmherzige HERR.
Er gibt Speise denen, die ihn fürchten;
er gedenkt auf ewig an seinen Bund.
Er lässt verkündigen seine gewaltigen Taten seinem Volk, dass er ihnen gebe das Erbe der Völker.
Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht;
alle seine Ordnungen sind beständig.
Sie stehen fest für immer und ewig;
sie sind geschaffen wahrhaftig und recht.
Er sandte Erlösung seinem Volk
und gebot, dass sein Bund ewig bleiben soll.
Heilig und hehr ist sein Name.
Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang.
Wahrhaft klug sind alle, die danach tun.
Sein Lob bleibet ewiglich.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet:

An diesem Abend, Jesus,
hast du dir Zeit genommen für die, die du liebst. 
Du hast sie beschenkt mit dem,
was Hoffnung macht und Kraft gibt.
Du hast ein Zeichen gesetzt gegen Tod und Vergessen.
Wir bitten dich: Schenk uns Vertrauen in deine Kraft,
die über Grenzen hinweg ins Leben führt.
Setz dich mit uns an den Tisch heute, egal, wo wir sind.
Und lass uns spüren: Du bist da. Wir sind nicht allein. Amen.

Lied des Tages: Das Wort geht von dem Vater aus– EG 223, 1-3

1) Das Wort geht vom Vater aus, / und bleibt doch ewiglich zu Haus,
und geht zu der Welten Abendzeit /das Werk zu tun, das uns befreit.
2) Da von dem eignen Jünger gar, /der Herr zum Tod verraten war,
gab er als neues Testament, / den Seinen sich im Sakrament.
3) gab zwiefach sich in Wein und Brot /sein Fleisch und Blut, getrennt im Tod, / macht durch des Mahles doppelt Teil / den ganzen Menschen satt und heil.

Lesung des Predigttextes: 2. Mose 12 (in Auswahl)

Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland:[…] Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus […] und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie's essen, und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. […] Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr's mit Feuer verbrennen. So sollt ihr's aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des HERRN Passa.[…] Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Gedanken zur Bibellesung von Pfarrer Jörg Herbert:

"Warum ist diese Nacht so anders als alle anderen Nächte?"
So fragt in allen jüdischen Häusern zu Beginn des Passahfestes der Jüngste am Tisch. Bis heute.
Die Ordnung des Festes braucht diese Frage - und die besonderen symbolischen Speisen des Abends, darunter gebratenes Lamm und Bitterkräuter, ungesäuertes Brot und Wein. Und dann beginnt das Erinnern und Erzählen. Eine lange Wanderung durch Geschichten und Geschichte: Geschichten gegen die Vergesslichkeit. Geschichten, die ins Danken führen und das Denken wecken. Geschichten, die von Rettung erzählen aus höchster Not. Geschichten, die von der Freiheit erzählen, nach einer langen Zeit der Gefangenschaft. Geschichten, die vom Aufbruch erzählen, den Blick nach vorne lenken in eine gute Zukunft. Geschichten, die den Glauben prägen.
Warum ist diese Nacht so anders als alle anderen Nächte?
Auch Jesus feiert diese Nacht der Erinnerung mit seinen Jüngern.
Was die zu Beginn noch nicht wissen: Dieser Abend wird denk-würdig werden. Für sie und die Generationen durch die Zeiten hindurch - eine Geschichte, die fortan den Glauben prägen wird. Jesus sprengt die feste Ordnung des Abends: Er bricht das Brot und gibt es den Jüngern und spricht: „Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Er nimmt den Kelch mit dem Wein und reicht ihn weiter und spricht: Dies ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Und er fordert sie auf: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ In diesen zwei Zeichen erzählt Jesus die Geschichte Gottes mit uns Menschen weiter. „Erinnert euch an mich bei Brot und Wein, erinnert euch daran was Gott in mir für euch tut: das Zerbrochene heilen, das vergossene Blut, die vergossenen Tränen sammeln und durch den Tod ins Leben gehen.“
Warum ist diese Nacht so anders als alle anderen Nächte?
In diesem Jahr werden wir nicht wie sonst in großer Runde diese denk-würdige Nacht feiern können. Und dennoch kann sie eine besondere Nacht sein, anders als alle anderen Nächte. Wenn wir uns - vielleicht bei einem Bissen Brot – erinnern an das was uns im Glauben stärkt und gut tut, an die Gemeinschaft mit denen die wir lieben – auch über Abstände hinweg. Und an die Gemeinschaft mit Jesus, der versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage.“ Dann sitzen wir nie allein am Tisch. Auch nicht in Krisen-Nächten.
Amen.

Lied: Bevor die Sonne sinkt EG 491

1) Bevor die Sonne sinkt, will ich den Tag bedenken.
Die Zeit, sie eilt dahin, wir halten nichts in Händen.
2) Bevor die Sonne sinkt, will ich das Sorgen lassen.
Mein Gott, bei dir bin ich zu keine Stund vergessen.
3) Bevor die Sonne sinkt, will ich dich herzlich bitten:
Nimm diesen Tag zurück in deine guten Hände.

Fürbitten und Vaterunser:

Wir danken dir, Gott
Wir danken für die Gemeinschaft, die uns miteinander verbindet,
auch über Grenzen hinweg.
Wir bitten für alle, die das tägliche Brot nicht haben,
und für die, die es aus Abfalltonnen suchen müssen.
Wir bitten für alle, die sich einsam fühlen
und ohne den Schutz einer Gemeinschaft leben müssen.
Wir bitten für die, die in dieser Zeit bis zum Umfallen arbeiten müssen, um uns zu versorgen mit dem was nötig ist.
Und wir bitten für die, die gerne arbeiten würden, es aber nicht können und Sorgen um ihre Existenz haben.
Wir bitten für die, die nun Verantwortung übernehmen und wichtige Entscheidungen treffen müssen und oft ratlos sind.
Wir bitten für uns und unsere ganz persönlichen Sorgen.
Erinnere uns daran, dass du uns nahe bist, in dieser Nacht und in allen Nächten des Lebens, wenn wir meinen, dich aus dem Blick verloren zu haben.
Lass uns zueinander finden und weitergeben von dem, was wir von dir empfangen haben.
Alle unser Bitten legen wir in das Gebet Jesu: Vater unser…

Segensbitte: (nach M.L. King)

Wenn unsere Tage verdunkelt sind
Und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte,
so wollen wir stets daran denken,
dass es in der Welt eine große, segnende Kraft gibt, die Gott heißt.
Gott kann Wege aus der Aussichtslosigkeit weisen.
Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln.
Zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.
Gott bleibe bei uns, jetzt und immer.
So segne uns Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

EG: Evang. Gesangbuch

Zum Ausdrucken und Weitergeben:

Quelle: Jörg Herbert, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim