Votum
Psalm 27
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?
HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und antworte mir!
Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der HERR nimmt mich auf.
HERR, weise mir deinen Weg
und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.
Harre des HERRN!
Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet:
dass ich mir nicht selbst genüge
dass ich auf mehr hoffe, als meine Augen sehen
und mit mehr rechne, als mit meiner eigenen Kraft,
dass ich vertraue: Dein Wort geschieht auch an mir
und wage, trotz Ungewissheit zu handeln,
dass ich nicht vergesse:
Es steht noch etwas aus für mich, für die Welt. Amen.
Lied: Du siehst mich (Wo wir dich loben… 130)
auch wenn mein Blick nur suchen kann, bist du, bist du, bist du mein Gott.
2. Du hörst mich, wo ich geh, wo ich steh, wo auch immer ich bin,
auch wenn mein Mund nur stammeln kann, bist du, bist du, bist du mein Gott.
3. Du liebst mich, wo ich geh, wo ich steh, wo auch immer ich bin,
auch wenn mein Herz nur Zweifeln kann, bist du, bist du, bist du mein Gott.
Lesung: Jeremia 31, 31-34
Gedanken zum Bibelwort von Pfarrer Jörg Herbert
Warten ist schwer. Ob es den Menschen in Israel, 600 Jahre vor Christus auch so schwerfiel? Auch sie mussten damals warten. In einer harten Krisenzeit nach einer folgenschweren Niederlage. Jerusalem war verwüstet, der Tempel zerstört. Leben gab es nur in der Fremde oder zwischen Trümmern. Die Aussichten waren unklar, die Hoffnung klein. Erinnerungen waren noch da: „Wisst ihr noch, wie Gott unser Volk damals errettete aus der Sklaverei? Wisst ihr noch, wie er uns durch die Wüste führte? Wisst ihr noch, dass er uns in das Land brachte, wo wir gut leben konnten?“ Und bei machen weckten die Erinnerungen auch Wehmut: „Und wie haben wir’s ihm gedankt? Abgewandt haben wir uns. Wollten unsere eigenen Herren sein. So weit haben wir’s getrieben, dass Gott selbst mit uns nichts mehr zu tun haben wollte. Was wir erleben, ist sein Zorn, seine Strafe. Sein abgewandtes Angesicht.“ So dachten sie.
„Siehe, es kommt die Zeit…“ so beginnt der Prophet Jeremia Gottes Hoffnungsbotschaft diesen Menschen zuzusprechen: „Es kommt die Zeit, da könnt ihr gut sein lassen, was hinter euch liegt. Weil Gott es auch tut. Es muss euch nicht mehr beschweren. Weil Gott euch nicht mehr damit beschwert.“
Siehe, es kommt die Zeit, da steht es nicht bloß auf Steintafeln oder in Büchern, da geht es euch nicht nur durch den Kopf, da bleibt es nicht ein Lippenbekenntnis - Gottes Wort wird in euren Herzen brennen: „Ich bin dir nah. Ich bleibe bei dir. Du bist mein. Wir sind verbunden. Was immer auch geschieht.“
Mit dieser Verheißung im Ohr konnten sie warten. Denn glauben heißt warten. Erwarten, dass es noch Möglichkeiten gibt für uns, das ganze Volk. „Siehe es kommt die Zeit…“: Das blieb ihre Zuversicht. Das blieb ihr Glaube.
Warten bleibt schwer. Und es fordert auch meinen Glauben heraus. Weil ich mir wünsche, dass alles gut ist. Und es ist noch nicht gut. Das Leben ist eingeschränkt und oft ungerecht. Und die Ungeduld steigt. Wo bist du, Gott? Und warum hilfst du nicht? Jetzt sofort?
Dann fühle ich mich diesen Menschen vor gut zweieinhalbtausend Jahren ganz nah. Uns verbindet das Warten. Und der Zuspruch: „Siehe, es kommt die Zeit...“ Es kommt etwas, das jetzt noch nicht da ist. Vieles steht noch aus. Auch für uns. Auch für mich.
„Siehe, es kommt die Zeit…“ Ich glaube, dass ein Stück dieser Zeit schon geschehen ist. Als Gott sich ganz fest an uns gebunden hat in Jesus Christus. Damit wir nie mehr vergessen, dass sein Bund mit uns steht und sein Gesicht uns zugewandt bleibt in Alltag und Krise, in Freude und Leid, hier und überall. Und ich erinnere mich an Jesu Versprechen, das er gab, als er sich auf dem Berg von seinen Freunden in den Himmel verabschiedete: „Ich sende auf euch den Geist, den mein Vater verheißen hat.“
Und mit dieser Verheißung im Blick bete ich:
Mach in mir deinem Geiste Raum – damit ich das Warten aushalten kann. Lass mich Wurzel treiben im festen Grund - im Glauben, der mich hält in allen Fragen, Zweifeln und aller Ungeduld.
Segne meinen Geist, lass es Pfingsten in mir werden, damit auch in meinen Herzen dein Wort brennt: „Ich will dein Gott sein. Ich bin bei dir alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Amen.
Lied: Geh aus mein Herz… (Evangelisches Gesangbuch 503)
13. Hilf mir und segne meinen Geist / mit Segen, der vom Himmel fleußt, /dass ich dir stetig blühe; / gib, dass der Sommer deiner Gnad /in meiner Seele früh und spat / viel Glaubensfrüchte ziehe.
14. Mach in mir deinem Geiste Raum, / dass ich dir werd ein guter Baum, / und lass mich Wurzel treiben. / Verleihe, dass zu deinem Ruhm / ich deines Gartens schöne Blum / und Pflanze möge bleiben.
Fürbitten
Gott, du willst uns alle in deine heilvolle Nähe ziehen.
Darum bitten wir dich für alle, die sich leer und ohne Halt fühlen. Gib ihnen Zeichen deiner Liebe und Menschen, die sich ihnen zuwenden.
Wir bitten dich für alle die einsam sind oder den Halt verloren haben. Schicke ihnen Menschen, die ihnen zuhören, zu einer neuen Perspektive verhelfen, neuen Lebensmut schenken.
Wir bitten dich für die Menschen, die sich vor der Zukunft fürchten. Stärke ihr Vertrauen und zeige ihnen Wege, die sie gehen können.
Wir bitten dich für die Menschen, deren Herzen leer sind, die nichts und niemandem mehr glauben können. Sende deinen Geist und belebe sie, erfülle sie mit deiner Nähe, Wärme und Liebe.
In der Stille, vertrauen wir dir die an, um die wir uns ganz persönlich sorgen und die deine Nähe jetzt besonders brauchen:…
So nah wie ein guter Vater bist du uns, darum beten wir jetzt voll Vertrauen mit Jesu Worten weiter: Vaterunser
Lied: O komm, du Geist der Wahrheit (Evangelisches Gesangbuch 136)
1. O komm, du Geist der Wahrheit, / und kehre bei uns ein, /verbreite Licht und Klarheit, / verbanne Trug und Schein. / Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, / dass jeglicher Getreuer den Herrn bekennen kann.
7. Du Heilger Geist, bereite / ein Pfingstfest nah und fern; / mit deiner Kraft begleite / das Zeugnis von dem Herrn. / O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, / dass wir in Freud und Schmerzen / das Heil ihr machen kund.
Segen
Herr, segne uns und behüte uns, Herr, lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, Herr, hebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.
Zum Ausdrucken und Weitergeben:
Quelle: Jörg Herbert, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim
