Sonntag Zuhause - Ewigkeitssonntag

Gottesdienst am 22. November 2020

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm: Psalm 126 - WW 962
Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, *
so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens *
und unsre Zunge voll Rühmens sein.
Da wird man sagen unter den Völkern: *
Der HERR hat Großes an ihnen getan!
Der HERR hat Großes an uns getan; *
des sind wir fröhlich.
HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, *
wie du die Bäche wiederbringst im Südland.
Die mit Tränen säen, *
werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen *
und tragen guten Samen
und kommen mit Freuden *
und bringen ihre Garben.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Du Gott des Lebens und des Todes,
viele Tränen weinen wir,
um den Tod eines lieben Menschen,
um das, was uns das Leben schwer macht,
um das, wo wir uns selbst im Weg stehen.
Vor dich Gott bringen wir alles -
unsere ganze Hilflosigkeit, unsere Wut, unsere Trauer.
Wir brauchen dich und deine Hoffnung -
jetzt um so mehr, jeden Tag neu.
Enttäusche uns nicht! Amen
Lied: Vorbei sind die Tränen – WW 207
1. Vorbei sind die Tränen, das Weinen, der Schmerz,
vorbei sind das Elend, der Hass und der Streit,
das Neue wird sein, gibt uns neue Kraft, es ist da im Hier und im Jetzt.
Kehrvers:
Himmel und Erde werden neu, nichts bleibt wie es ist.
Himmel und Erde, Himmel und Erde bekommen ein neues Gesicht.
2. Vorbei ist die Herrschsucht, die fressende Macht,
die drohenden Fäuste sind nicht mehr geballt,
das Neue ist da, gibt uns neue Kraft, es ist da im Hier und im Jetzt.
3. Gott wohnt bei den Menschen, die Zeit ist erfüllt,
Gott wischt ab die Tränen, er. tröstet, er lacht,
Gott macht alles neu, gibt uns neue Kraft, ist bei uns im Hier und im Jetzt.
Lesung des Predigttextes: Offbarung 21, 1-7 (Übertragung: J. Zink)
Und wieder schaute ich: Da sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der erste Himmel und die erste Erde, sie waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, wie sie herabkam vom Himmel her, von Gott in unsere Welt. Schön war sie, schön und geschmückt wie eine Braut, die ihrem Mann entgegengeht. Ich hörte eine große Stimme sagen – von Gottes Thron her: „Sieh her! Hier wohnt Gott bei den Menschen. Er wird bei ihnen bleiben, sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott, wird ihnen nahe sein. Er wird abwischen alle Tränen aus ihren Augen. Der Tod wird nicht mehr sein, kein Leid, keine Klage, kein Schmerz, denn was war, ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Sieh! Ich mache alles neu!“ Und weiter sprach er: „Schreibe, denn all dies ist wahr. Dies alles kommt gewiss. Es ist alles erfüllt. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich gebe den Durstigen zu trinken, Wasser aus der Quelle des Lebens reiche ich ihnen als ewiges Geschenk. Die durchhalten bis zum Sieg, werden dies alles gewinnen. Ich werde ihr Gott und sie werden meine Töchter und Söhne sein.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Wir Menschen brauchen Nähe und wenn sie fehlt, ist das für die meisten sehr schmerzlich. In den letzten eigenwilligen Monaten ist uns das besonders bewusst geworden. Kein stärkender Händedruck mehr, keine tröstende Umarmung, kein aufmunterndes Schulterklopfen – seit Mitte März ist Abstand geboten.
Für alle, die in dieser Zeit einen lieben Menschen verloren haben, wirkt sich das doppelt und dreifach aus. Da ist der Abstand zu dem Menschen, der nicht mehr da ist – was ja eigentlich allein schon ausreicht. Dazu kommt bei vielen noch, dass Trauerfeiern im kleinen Kreis sein mussten, manche also nur in Gedanken - eben „auf Abstand“ - daran teilhaben konnten. Kondolenzbesuche blieben aus – Gesten, die sonst selbstverständlich sind, waren nicht möglich.
Das war und ist nun einfach so. Ändern können wir daran gerade nichts. Um Trost weiter zu geben, braucht es momentan eben andere Wege: Telefonate, Briefe, Gespräche an der Haustür oder über den Gartenzaun – ja und vielleicht auch noch mehr als sonst „Hilfe von oben“.
Im Buch der Offenbarung, wird so eine „Hilfe von oben“ angekündigt. Es soll einen neuen Himmel und eine neue Erde geben – ohne Leid, ohne Schmerz, mit der größten Nähe, die möglich ist: Gott wohnt mitten unter den Menschen. Als Mitbewohner ist Gott sehr eng mit uns verbunden. Er ist zum Greifen nah. Der Seher stellt sich vor: nichts kann uns dann mehr von ihm trennen, nicht einmal das Leben verschlingende Fluten („das Meer ist nicht mehr“, heißt es im Text) oder sonstige totbringende Mächte. Wenn Gott mitten unter uns wohnt, ist unser Leben ganz bei Gott geborgen.
Natürlich ist das Zukunftsmusik, von der der Seher Johannes hier erzählt. Doch Zukunftsmusik klingt nie nur in der Zukunft - immer lässt sie auch heute schon etwas in uns anklingen.
In mir bringen die Bilder von der Stadt aus dem Himmel ganz Unterschiedliches zum Schwingen: Einmal ist da das Leid und der Schmerz, von dem der Seher spricht. Es erinnert mich an die Tränen, die ich in meinem Leben schon vergossen habe, an das, was ich bereits ertragen habe, an das, was ich schon durchgestanden habe.
Was der Seher erzählt, erinnert mich auch an die Menschen, die für mich da waren, mir ein Taschentuch gereicht haben oder sogar die Tränen abgewischt haben.
Und dann ist da die Weite dieser neuen Stadt; einer Stadt, die frei macht, von allem, was bisher mein Leben begrenzt hat; einer Stadt, die neue Möglichkeiten eröffnet.
Besonders verlockend klingt für mich diese unglaubliche Nähe Gottes. Es reizt mich, nach ihr zu suchen. Sie muss auch in dieser Welt zu finden sein - schließlich hat Gott in Jesus mitten unter uns gelebt. Sicher: Es gibt sie nicht vollkommen und nicht so, dass es planbar wäre, aber doch so, dass sich Gott immer wieder finden lässt.
Das ist für mich „Hilfe von oben“ - hier, heute und jetzt.
Amen
Lied: Der Himmel, der ist – EG 153
1. Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt,
wenn einst Himmel und Erde vergehen.
2. Der Himmel, der kommt, das ist der kommende Herr,
wenn die Herren der Erde gegangen.
4. Der Himmel, der kommt, das ist die fröhliche Stadt
und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.
5. Der Himmel, der kommt, grüßt schon die Erde, die ist,
wenn die Liebe das Leben verändert.
Fürbitten und Vaterunser:
Vor Dich Gott, legen wir alles, was uns von Dir trennt:
alle Sorgen vor der Zukunft,
alle Ängste, allen Schmerz,
alle Trauer um verpasste Gelegenheiten und liebe Menschen.
Dir, Gott, legen wir die Menschen ans Herz,
die uns nahe stehen und die wir hier vermissen.
Lass sie und uns Deine Liebe spüren, die das Leben verändern kann.
Unsere Welt legen wir Dir ans Herz, Gott:
Die Kriesenherde und die Kriegstreiber.
Die Hungernden und die Übervollen.
Die Furchtsamen und die Übermütigen.
Wir bitten Dich: Bringe Du zurecht, was schief ist in unserer Welt.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir:
Vater unser, …
Lied: Dir, Gott, will ich vertrauen – WW 22
1. Dir, Gott, will ich vertrauen in schwerer Zeit.
Ich will auf Hoffnung bauen – trotz Traurigkeit;
will weinend doch klar spüren, wie du Kraft gibst.
Du wirst durch Dunkles führen, weil du uns liebst.
2. Dir, Gott, will ich Dank sagen für schöne Zeit,
für Glück in guten Tagen, für Leichtigkeit.
Ich möchte nie vergessen, was uns gelang:
so reiche Interessen, so viel Gesang,
3. Dir, Gott, will ich auch klagen vertane Zeit,
die ungestellten Fragen und manchen Streit.
Nimm auf in dein Erbarmen versäumtes Tun.
4. Dir, Gott, in Tod und Leben gehört die Zeit.
Gib Kraft, nun herzugeben, schenk Ewigkeit.
Du Zuflucht im Erschrecken, du Trost allein.
Du wirst uns wieder wecken zu neuem Sein.
Segen:
Der Herr, segne dich und behüte dich,
Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
Der Herr, hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
 
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