Sonntag Zuhause - Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

Gottesdienst zum 8. November

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm: WW 937.2 - Psalm 85
Könnte ich doch hören, *
was Gott der HERR redet,
dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, *
auf dass sie nicht in Torheit geraten.
Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, *
dass in unserm Lande Ehre wohne;
dass Güte und Treue einander begegnen, *
Gerechtigkeit und Friede sich küssen;
dass Treue auf der Erde wachse *
und Gerechtigkeit vom Himmel schaue;
dass uns auch der HERR Gutes tue *
und unser Land seine Frucht gebe;
dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe *
und seinen Schritten folge.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Du willst Gutes für uns und unser Leben, Gott.
Eigentlich ist das so einfach – eigentlich.
Aber es ist schwer, das in der Fülle des Alltags zu hören.
Es ist schwer, es im Trubel des Lebens zu verinnerlichen.
Es ist schwer in der Vielfalt der Nachrichten darauf aufmerksam zu werden.
Schärfe mir Augen, Ohren und den Verstand, Gott,
dass ich Deine Wohltaten wachsen sehe,
deine Güte flüstern höre
und die Spuren Deine Treue in meinem Leben spüre.
Amen
Lied: Da wohnt ein Sehnen – WW 116
Kehrvers:
Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.
1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.
In Sorge, im Schmerz, sei da, sei uns nahe, Gott.
2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir.
In Ohnmacht, in Furcht, sei da, sei uns nahe, Gott.
3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir.
In Krankheit, im Tod, sei da, sei uns nahe, Gott.
4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir.
Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe, Gott.
Lesung des Predigttextes: 1. Thessalonicher 5, 1-11
Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Bisher hat es nicht so viel ausgemacht, aber in den letzten Tagen ist es immer deutlicher geworden: Die Tage werden kürzer – die Zeiten der Dunkelheit länger. Da tut es mir richtig gut, die Worte des Apostels Paulus an die Gemeinde in Thessaloniki zu lesen. Und Dank dieser Worte steht mir wieder klar vor Augen: Nicht die Finsternis sondern das Licht bestimmt unser Leben.
Natürlich ist sie auch da, die Finsternis. Die Finsternis der länger werdenden Nächte und auch die Finsternis, die sich um uns herum breit macht. Politische Unruhen und Terrorakte nehmen zu - auch die Sorge vor finanzieller Not und die Angst, sich mit dem SARS-CoV-2-Virus anzustecken.
Genauso aber nimmt die Not einzelner zu. Die Unterstützung pflegebedürftiger Menschen wird wieder schwieriger. Kinder und Jugendlichen fehlen die so wichtigen Bildungsmöglichkeiten in Arbeitsgemeinschaften und Vereinen. Für junge Erwachsene ist es schwer, in eine Ausbildung oder ein Studium hinein zu kommen – wenn sie überhaupt durchgeführt werden können. Alleinstehende Menschen vereinsamen zunehmend, weil es nur noch wenige offene Möglichkeiten zur Begegnung gibt.
Die Dunkelheit ist da – sie lässt sich nicht wegreden. Aber Gott ist auch da – im Licht und in der Finsternis. Paulus erinnert uns daran: Jesus Christus ist für uns gestorben, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben.
Für mich heißt das: Selbst in der Finsternis leben wir im Licht, weil Gottes Licht bis in die Finsternis, bis in die Tiefen des Todes reicht. Nicht die Finsternis sondern das Licht bestimmt unser Leben.
Wir können beruhigt schlafen und uns ausruhen, wenn es nötig ist, aber wir brauchen die Augen vor der Wirklichkeit nicht verschließen, brauchen uns nicht einlullen zu lassen von Parolen wie „Friede und Sicherheit“, die das Dunkle im Grunde nur verdecken und Menschen mit falschen Versprechen schläfrig machen.
„Denkt selbst!“, fordert uns Paulus auf. Haltet die Augen offen. Seht mit klarem Blick das an, was um Euch herum geschieht. Ihr braucht Euch nicht mit falschen Sicherheiten einlullen lassen. Ihr könnt das aushalten, denn „der Panzer des Glaubens und der Liebe“ und der „Helm der Hoffnung auf das Heil“ schützen und stärken Euch.
Im römischen Reich, in dem Paulus lebte, sollten die Soldaten Frieden und Sicherheit garantieren. Sie taten das weitestgehend, aber viele Menschen zahlten einen hohen Preis dafür: sie mussten Gewalt und Unterdrückung erleiden. Heute ist es der „Kampf gegen das Virus“ der alles rechtfertigt oder die „wirtschaftliche Schlagkraft“.
Paulus hält daran fest: Nicht die Finsternis sondern das Licht bestimmt unser Leben. Er stellt gegen die herrschende Kriegsrethorik eine Haltung, die sich nicht panzert, sondern dafür sorgt, dass Menschen in Beziehung zueinander kommen: Glaube, Liebe und Hoffnung.
Der Glaube, das Vertrauen in Gott, schenkt uns einen festen Grund für unser Leben, denn Gott hat uns die klare Hoffnung gegeben: Nicht die Finsternis sondern das Licht bestimmt unser Leben.
Das ermutigt mich, auch die Dunkelheit um mich herum wahr zu nehmen, mit wachen Augen unsere Situation zu betrachten und den Menschen um mich herum mit einem offenen, mit Liebe gefüllten Blick zu begegnen.
Das ist nicht gerade bequem, es macht verletzlich und berührbar, aber es ist sicher menschlicher.
Amen
Lied: Wen Glaube bei uns einzieht – WW 213, 1-3
1. Wenn Glaube bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont.
Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.
2. Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont.
Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.
3. Wenn Hoffnung bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont.
Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.
Fürbitten und Vaterunser:
Da ist viel Finsternis um uns Gott,
aber Du bestimmst mit Deinem Licht unser Leben.
Wir danken Dir dafür.
Unser Glauben soll uns tragen und so bitten wir Dich:
Hilf uns, Dir und Deiner Güte zu vertrauen.
An der Liebe wollen wir festhalten und so bitten wir Dich:
Lass uns auch in dieser schwierigen Situation offen für andere Menschen sein und aufeinander zugehen.
Unsere Hoffnung soll nicht aus unserem Blick geraten
und so bitten wir Dich:
Schenke den Regierenden dieser Welt Weisheit,
dass sie nicht nur den Wohlstand für ihr eigenes Land suchen.
Schenke uns den Mut, für das Leben einzutreten.
Hilf uns, dass nicht die Angst unser Handeln leitet.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser, …
Lied: Wir warten dein, o Gottes Sohn – EG 152
1. Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen. / Wir wissen dich auf deinem Thron und nennen uns die Deinen. / Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen; / du kommst uns ja zum Segen.
2. Wir warten deiner mit Geduld in unsern Leidenstagen; / wir trösten uns, dass du die Schuld am Kreuz hast abgetragen; / so können wir nun gern mit dir uns auch zum Kreuz bequemen, / bis du es weg wirst nehmen.
4. Wir warten dein, du kommst gewiss, die Zeit ist bald vergangen; / wir freuen uns schon überdies mit kindlichem Verlangen. / Was wird geschehn, wenn wir dich sehn,wenn du uns heim wirst bringen, / wenn wir dir ewig singen!
Segen:
Der Herr, segne dich und behüte dich,
Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
Der Herr, hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Zum Ausdrucken und Weitergeben:

Quelle: Ev. Kirchengemeinde Ettenheim