Sonntag Zuhause - Altjahresabend

Gottesdienst zum 31. Dezember 2020

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm: Psalm 121 - WW 960
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. *
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN, *
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, *
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels *
schläft noch schlummert nicht.
Der HERR behütet dich; *
der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche *
noch der Mond des Nachts.
Der HERR behüte dich vor allem Übel, *
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang *
von nun an bis in Ewigkeit!
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet von Anja Kamper:
Herr, unser Gott. An diesem letzten Abend des Jahres brauchen wir deine Hilfe ganz besonders.
Wir wollen etwas Besseres hören, als das, was wir zu uns selbst sagen, denn davon können wir nicht leben. Sei jetzt hier mitten unter uns. Wir möchten dein Wort hören, deinen Trost, deinen Zuspruch. Gib uns Kraft und Ruhe unsere zerstreuten Gedanken zu sammeln.
Herr, unsere Hilfe kommt von dir. Gehe du uns voran auf unserem Weg, damit unser Leben fruchtbar wird für dich.
Amen
Lied: Weil Gott in tiefster Nacht erschienen – EG 54, 1-5
Kehrvers:
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!
1. Der immer schon uns nahe war,
stellt sich als Mensch den Menschen dar.
2. Bist du der eignen Rätsel müd? Es kommt, der alles kennt und sieht!
3. Er sieht dein Leben unverhüllt, zeigt dir zugleich dein neues Bild.
4. Nimm an des Christus Freundlichkeit, trag seinen Frieden in die Zeit!
5. Schreckt dich der Menschen Widerstand,
bleib ihnen dennoch zugewandt!
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht endlos sein!
Lesung des Predigttextes: 2. Mose 13, 20-22
Die Israeliten zogen aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Freiheit haben viele im vergangenen Jahr vermisst und ersehnen sie nun für das kommende Jahr ganz besonders.
Freiheit zum Feiern, Reisen, zum unkomplizierten und unbeschwerten Leben.
Freiheit vom Bangen um die finanzielle Existenz.
Freiheit von der Sorge um liebe Angehörige, von der Angst, selbst krank zu werden, oder Schuld daran zu sein, dass andere krank werden.
Der Weg zur Freiheit aber – so lässt es der Text aus dem 2. Buch Mose durchblicken – der Weg zur Freiheit führt durch die Wüste.
Die Israeliten sind aus Ägypten ausgezogen – frei geworden. Nun lagern sie am Rande der Wüste, atmen erst einmal durch nach dem langen Hin- und Her, ob sie nun wirklich ziehen dürfen.
Noch lagern sie am Rande der Wüste, aber Gott hat es schon angekündigt: Er wird sie nicht auf dem direkten Weg ins gelobte Land führen, sondern auf einem Umweg durch die Wüste. Zu viel Sorge hat er, dass sie sich von den starken Philistern beeindrucken lassen könnten und sich nach Ägypten zurück sehnen könnten.
Lagern am Rande der Wüste.
Vielleicht trifft das ja auch unsere Situation.
Das Weihnachtsfest brachte ein wenig Zeit zum Durchatmen. Wir haben auf die Frohe Botschaft gehört: „Es wird Licht im Dunkel! Fürchte dich nicht!“. Wir haben ein paar freie Tage genossen, gutes Essen, die ein oder andere Begegnung. Durch die Medien ging Hoffnung mit dem Beginn der Impfungen.
Aber wieder und wieder ist die Rede von der Verlängerung des Lockdowns. Und schon jetzt wird diskutiert, ob die Kitas wieder geöffnet werden können und ob in den Schulen nach den Ferien wieder Präsenzunterricht stattfinden soll.
Der Weg zur Freiheit, erzählt das 2. Buch Mose, führt durch die Wüste.
Dass auch wir wohl noch ein Stück weiter durch die Wüste müssen, gefällt mir nicht. So langsam bin ich müde. Aber es wird wohl so sein und so hoffe ich weiterhin auf den Gott, der mitgeht als Wolkensäule, die den Weg weist und als Feuersäule, die ein Licht ins Dunkel bringt – beides kann ich brauchen.
Und dann ist da ja auch noch der Gedanke an die Freiheit. Vielleicht hilft er ja, die Wüste zu ertragen.
Allerdings merke ich auch: Freiheit ist für mich ein schwieriger Begriff geworden. Mir scheint, Freiheit wird zwischenzeitlich von vielen als Recht verstanden. Als Recht, tun und lassen zu dürfen, was man will, hinzugehen, wo man will und mit wem man will, ja sogar, sich medizinisch begleitet das Leben zu nehmen, wenn man es nicht mehr will.
Ich glaube, die Freiheit, die die Israeliten hier erfahren, ist kein Recht, sondern eine Möglichkeit, in die sie erst noch hinein wachsen müssen, ein Geschenk, das man auch wieder verspielen kann, eine Lebensweise, die nicht leicht ist, aber leicht macht.
Diese Freiheit braucht Zeit und einen Schutzraum. Vielleicht kann ich ja die Wüste, die nun weiter vor mir liegt, als einen solchen Schutzraum nutzen. Als Zeit, in der ich schauen kann, was mich denn in meinem Leben gefangen hält. Oder wo es gut wäre, loszulassen, Neues in den Blick zu nehmen. Als Zeit, in der ich Menschen um mich herum neu wahrnehmen kann, sehen kann, wen ich in der Hektik des Alltags aus den Augen verloren habe.
Vielleicht gelingt es mir so, die Wüste zu ertragen – als Raum, um die von Gott geschenkte Freiheit zu erproben.
Amen
Lied: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude – EG 66, 1.2.8
1. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet's den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.
2. Jesus ist kommen, nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei. Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden; er, der Sohn Gottes, der machet recht frei, bringet zu Ehren aus Sünde und Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande.
8. Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben. Hochgelobt sei der erbarmende Gott, der uns den Ursprung des Segens gegeben; dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod. Selig, die ihm sich beständig ergeben! Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.
Fürbitten (von Anja Kamper) und Vaterunser:
Guter Gott, wir bitten für uns: Lass uns die Freiheit, die wir in all unserer derzeitigen Unfreiheit haben erkennen und annehmen.
Wir bitten für unsere Familien, Nachbarn und Freunde: Lass es bald wieder möglich sein, dass wir uns wieder umarmen können.
Gott wir bitten für unser Land, für Europa und für die ganze Welt:
Lass besonders die Schwachen, die Alten, Kranken und die Menschen ohne stabiles Umfeld immer wieder Zuwendung und Gemeinschaft erleben. Gib allen, die sich gerade um ihren Arbeitsplatz und ihr Einkommen sorgen Kraft und Durchhaltevermögen.
Wir bitten dich für den Frieden: Bewahre uns davor, dass angesichts der oftmals alarmistischen Berichterstattung Ängste gefördert werden und reaktionäre Strömungen die Oberhand gewinnen.
Herr, lass uns uns weniger um unsere eigenen Bedürfnisse sorgen, und richte stattdessen unseren Blick auf die Nöte und Sorgen der Anderen.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser, …
Lied: Von guten Mächten treu und still umgeben – EG 65, 1.2.(7)
1. Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.
2. Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.
Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
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