Sonntag Zuhause - 8. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst am 02. August 2020

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes      Amen
Psalm: Psalm 48 - EG 728
Groß ist der HERR und hoch zu rühmen * in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge.
Schön ragt empor sein Gipfel, * daran sich freut die ganze Welt.
Wie wir‘s gehört haben, so sehen wir‘s * an der Stadt des HERRN Zebaoth,
an der Stadt unsres Gottes: * Gott erhält sie ewiglich.
Gott, wir gedenken deiner Güte * in deinem Tempel.
Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm * bis an der Welt Enden.
Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit. * Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit         Amen
Gebet:
Ewiger Gott,
manchmal bin ich müde, verstrickt in eigene Fehler und in die Fehler der anderen.
Manchmal lasse ich mich einfach überrollen von der Gegenwart,
habe keine Kraft, mich zu wehren,
und keinen Mut zu gestalten.
Manchmal fühle ich mich wie ein abgebrochener Zweig, wie ein geknickter Halm.
Barmherziger Gott,
lass mich nicht fallen aus deiner Hand,
aus dem Netz des Lebens, aus deinem Licht.
Stärke meinen Glauben, schenke mir Kraft
und Menschen, die es gut mit mir meinen.           Amen
 
Lied: Sonne der Gerechtigkeit – EG 262, 1.2.4
  1. Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr.
  2. Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, dass sie deine Stimme hört, sich zu deinem Wort bekehrt. Erbarm dich, Herr.
  3. Tu der Völker Türen auf; deines Himmelreiches Lauf hemme keine List noch Macht. Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr.
  4. Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut, und lass reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen sä'n. Erbarm dich, Herr.
Lesung des Predigttextes: Johannes 9, 1-7
Als Jesus vorüberging, sah er einen Menschen, der von Geburt an blind war. Und seine Jünger fragten ihn und sagten: „Rabbi, wer hat gesündigt, er oder seine Eltern, dass er blind geworden ist?“
Jesus antwortete: „Weder er hat gesündigt noch seine Eltern. Sondern lasst die Werke Gottes in ihm offenbar werden.
Wir müssen die Werke dessen, der uns gesandt hat, wirken, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, wenn niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.!
Indem er das sagte, spuckte er auf die Erde. Und Jesus machte einen Teig aus dem Speichel und legte ihm den Teig auf die Augen. Und er sagte zu ihm: „Geh hin, wasche dich im Teich Siloah“ - was übersetzt heißt Gesandter.
Da ging er weg und wusch sich und kam sehend.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Wer ist schuld?
Das war eine der ersten Fragen, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie diskutiert wurde.
Sind es DIE Chinesen, weil womöglich alles von einem Markt in Wuhan ausging oder doch eher DIE Amerikaner, weil die Viren in Wirklichkeit aus einem ihrer Forschungslabore stammen – so jedenfalls hörte man es dann aus China. Selbst wenn irgendwann wirklich klar sein sollte, wo alles seinen Ursprung nahm, - die Frage nach der Schuld wird wohl offen bleiben müssen. Sicher aber wird sie so pauschal nicht zu beantworten sein.
Wer ist schuld?
Auch zum 10. Jahrestag des Unglücks bei der Lovaparade in Duisburg stand diese Frage nun wieder im Raum. Natürlich: Es ist für die Angehörigen der Opfer kaum zu ertragen, dass das alles wohl eine Verkettung unglücklicher Umstände, einzelner Fehler und Fehleinschätzungen war; dass Personalmangel, chronische Unterfinanzierung von Behörden und damit Überforderung zu diesem furchtbaren Unglück beigetragen haben. Und, ja, womöglich gab es auch Fehler bei den Ermittlungen, beim Prozess. Aber kann die Schuld für so etwas wirklich bei einzelnen Menschen liegen?
Wer ist schuld?
Diese Frage stellen auch die Jünger Jesu sofort, als sie einen blindgeborenen Mann sehen. Wer ist schuld? - Seine Eltern oder er?
Schon die Frage macht deutlich: Es geht nicht um Ursachenforschung. Es geht nicht darum, herauszufinden, was zu diesem Leid geführt hat, um beim nächsten Mal dann den Fehler zu vermeiden. Es geht auch nicht darum, jemandem deutlich zu machen: So fahrlässig, so unachtsam kannst Du nicht handeln, wenn es um Menschen geht.
Mir scheint viel mehr: Wir Menschen haben das Bedürfnis, jemanden für das Leid, das wir erleben, verantwortlich machen zu können.
Jesus lehnt das ganz klar ab: Keiner von beiden.
Jesus stellt nicht die Schuldfrage, sondern den Menschen, der das Leid tragen muss, in die Mitte: „Sondern lasst die Werke Gottes in ihm offenbar werden.“, sagt er.
Ich höre: Dieser Mensch und sein Leid sind eine Aufforderung an uns. Es fordert uns auf, ganz konkret zuzupacken und zu schauen, wie man Leid lindern kann. Wer das tut, trägt dazu bei, das Licht Gottes in dieser Welt leuchten zu lassen.
Es fordert uns auch auf, selbst die Augen aufzumachen und hin zu sehen. Zu sehen, dass es in unserer Welt viel zu viel Dunkelheit gibt und auch die Schatten im eigenen Leben wahrzunehmen.
Sünde, das ist nicht, wenn wir uns etwas zu schulden kommen lassen. Sünde, das ist, wenn ich mich gegen Gottes Licht stelle, wenn ich sein Licht verdunkle, nur weil ich Angst vor dem habe, was ich durch sein Licht sehen könnte – bei anderen oder auch bei mir selbst.
Dabei ist es ganz anders: Wer hinsieht, kann das nur im Licht - die ist also nicht in der Finsternis. Wer hinsieht, sieht die Welt und auch das eigene Leben im Licht Gottes. Und das tut gut!
         Amen
 
Lied: Wir haben Gottes Spuren festgestellt – EG 665, 1-3
  1. Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen, Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen.
Kehrvers: Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.
  1. Blühende Bäume haben wir gesehn, wo niemand sie vermutet,
Sklaven, die durch das Wasser gehn, das die Herren überflutet.
  1. Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz, hörten, wie Stumme sprachen, durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen, die die Nacht durchbrachen.
Fürbitten und Vaterunser:
Öffne unsere Augen, Gott,
dass wir die Menschen sehen, die in der Dunkelheit leben müssen.
Hilf uns, Licht in ihr Leben zu bringen.
Öffne unsere Augen, Gott, für unsere eigenen Schatten,
für das, was uns das Leben schwer macht,
für das, was uns einsam macht.
Öffne unsere Augen, Gott, für diese Welt,
für ihre Gefahren und Chancen.
Hilf uns, unsere Fähigkeiten einzubringen.
Öffne unsere Augen, Gott, für Dein Licht,
dass wir einander in Deinem Licht sehen‚ und uns gegenseitig mit Deinem Wort stärken,
dass wir selbst zum Licht für andere werden.
In der Stille bringen wir vor Dich, was uns persönlich bewegt.
 Stille
Miteinander und füreinander beten wir: Vater unser, …
Lied: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht – WW 147
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung und Zukunft gebracht; es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.
Segen:
Der Herr, segne dich und behüte dich, Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, Der Herr, hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen
 
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