Sonntag Zuhause - 6. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst am 19. Juli 2020

Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
 
Psalm 139 – WW: 966.1
HERR, du erforschest mich
und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst alle meine Wege.
Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
das du, HERR, nicht alles wüsstest.
Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
ich kann sie nicht begreifen.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein –,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag.
Finsternis ist wie das Licht.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
 
Gebet
Gütiger Gott, du hast uns das Leben geschenkt. In der Taufe hast du dich mit uns verbunden. Du kennst uns mit Namen. Du wendest dich uns zu, immer wieder, selbst dann noch, wenn wir uns abwenden. Wir bitten dich: Lass uns immer wieder erkennen und spüren: Wir gehören zu dir, dir sind wir wichtig, auf dich ist Verlass zu allen Zeiten, du meinst es wahrhaft gut mit uns, heute und alle Tage und in Ewigkeit. Amen.
 
Lied: Ich bin getauft auf deinen Namen EG 200
1) Ich bin getauft auf deinen Namen, / Gott Vater, Sohn und Heilger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, / zum Volk, das dir geheiligt heißt; Ich bin in Christus eingesenkt, / ich bin mit seinem Geist beschenkt.
2) Du hast zu deinem Kind und Erben, / mein lieber Vater, mich erklärt; du hast die Frucht von deinem Sterben, / mein treuer Heiland, mir gewährt; / du willst in aller Not und Pein, / o guter Geist, mein Tröster sein.
4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite/ bleibt dieser Bund wohl feste stehn;
wenn aber ich ihn überschreite,/ so lass mich nicht verloren gehn;
nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, / wenn ich hab einen Fall getan.
 
Lesung: 5. Mose 7, 6-12
(Denn) du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern – , sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der Herr euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der Herr, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.
 
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrer Jörg Herbert
Das ist der Traum der Kleinen: Einmal auserwählt sein. Erste Wahl. Mal nicht übersehen, spöttisch belächelt, links liegen gelassen werden von den Großen und Starken und Angesehenen.
So wie bei der Wahl zur Völkerballmannschaft früher im Sportunterricht am Ende immer die übrig blieben, die zu langsam oder zu klein oder zu ungeschickt waren.
Nein, einmal in der ersten Reihe mitspielen! Und dann werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.
Das Volk Israel war so ein kleiner Fisch. Ein Spielball der großen Weltmächte. Kaum geachtet, links liegen gelassen, nicht ernstgenommen, überrannt. Lange Jahre hat es sich durch die Wüste gekämpft, nach einer harten Zeit der Knechtschaft in Ägypten. Nun steht es an der Grenze zu einem neuen Leben. Wenn sie erst das versprochene Land betreten, so träumten sie, dann würden sie unter Gottes Schutz endlich sesshaft werden. Dann hätte jeder ein eigenes Stück Land und könnte sich eine Zukunft aufbauen. Und dann würde aus dem heimatlosen Volk Israel endlich das Land Israel werden. Sie würden groß und mächtig werden und könnten es endlich mit den anderen Völkern aufnehmen. Ja, so träumten sie.
Und Mose hielt dazu eine flammende Rede. Worte, die im Herzen des kleinen Volkes süß schmeckten, wie Milch und Honig: „Du bist ein heiliges Volk, Israel. Gottes Eigentum. Erwählt aus allen Völkern. Weil Gott dich geliebt und sich mit dir verbündet hat. Und keiner soll es wagen, dir zu schaden.“ 
Der Traum des Volkes Israel bewahrheitete sich nur zum Teil.  Im neuen Land floss nicht Milch und Honig. Und Israel gewann nicht jeden Kampf gegen seine Gegner. Es wurde nicht einmal ein ernstzunehmender Konkurrent für die anderen Machthaber. Im Gegenteil: Es blieb der Spielball der Mächtigen. Und im Laufe der Jahrtausende machte das Volk Israel die Erfahrung, dass das Leben als Gottes auserwähltes Volk nicht immer das einfachere Leben ist. Und so manches Mal in ihrer Geschichte, nach Kriegen und Vertreibungen, nach Exilszeiten und Pogromen fragten sie sich, ob dieses Bekenntnis von Gottes Seite aus noch gilt: „Du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott.“ 
Aber aufgegeben haben sie ihn nie, den Glauben daran, dass Gottes Liebe sie – dieses kleine Außenseiter-Volk - zu Auserwählten macht.
Diese Liebe zu den Kleinen und den Außenseitern – das ist der Kehrvers, der die ganze Bibel durchzieht: Du, kleiner Hirtenjunge David, wirst König, weil Gott Dich liebt. Du, unbedeutendes Mädchen Maria, wirst den Christus zur Welt bringen, weil Gott Dich liebt. Du, unbeliebter Zöllner Zachäus, steige vom Baum herunter und iss mit mir, weil Gott Dich liebt. Die Liebe ist es, die die Kleinen zu Auserwählten macht.
Und der, den wir Gottes Sohn nennen, der ein Jude war, und der wie kein anderer von Gottes Liebe erzählte, er nahm uns mit hinein. Durch das Wasser der Taufe gezogen stehen wir plötzlich neben ihm und er flüstert uns zu: „Jetzt gehört ihr dazu! Zu denen, die Gott Vater nennen können, wie ein Kind. Zu denen, die Gott auserwählt hat aus Liebe.“
Ein Gottesvolk: Die Juden. Ein Gottessohn: Jesus Christus. Und ganz viele Gotteskinder: Wir alle, wer wir auch sind, ob wir Großes vollbringen oder uns armselig und klein fühlen, abgehängt, links liegen gelassen, nicht ernstgenommen. Wir sind Gottes Eigentum, Gottes Heilige, von ihm angenommen und erwählt aus Liebe.
Und in uns lebt der Traum weiter, dass bei Gott auch die Letzten noch einen Platz in der ersten Reihe haben. Amen.
 
Lied: Ich sage Ja – WW 158
  1. Ich sage Ja, zu dem, der mich erschuf./ Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf, / zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt / und der auch mich in seinen Händen hält.
  2. Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt / und aus dem Tod zum Leben auferstand / und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist / für uns zum Freund und Bruder worden ist.
  3. Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist, / zum Weg der Liebe, den er uns verheißt, / zu wagen Frieden und Gerechtigkeit / in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.
  4. Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot, /Wegzehrung, Zeichen, Zuspruch in der Not./ Ich sage Ja und Amen, weil gewiss / ein andres Ja schon längst gesprochen ist.
Fürbitte
Gott, der du für uns Vater und Mutter bist, wir bitten dich für uns und alle, deren Namen du kennst. Begleite unsere Wege, unsere Gedanken und Worte. Erinnere dich an deine Versprechen:
Erinnere dich daran, dass dein Liebe denen gilt, die sich klein fühlen. Mache sie mutig und stärke in ihnen das Vertrauen in deine Kraft.
Erinnere dich daran, dass die Schwachen deine Hilfe brauchen, die, die Angst leben, unterdrückt werden hilflos sind. Verwandele die harten Herzen Unterdrücker. Mach die Stimmen derer laut, die für Gerechtigkeit eintreten. Mach uns bereit zum Helfen in der Not.
Erinnere dich daran, dass die Schöpfung deinen Atem braucht. Belebe unsere Verantwortung für diese Erde, unseren Lebensraum. Fall uns in die Arme, wo wir verschwenden, verschmutzen, ausbeuten. Heile die Wunden, die wir schlagen.
Erinnere dich daran, dass wir deine auserwählten Kinder sind und höre auch unsere stillen Bitten…
Was für ein Geschenk, dich Vater nennen zu dürfen. Und so beten wir mit Jesu Worten weiter: Vater unser im Himmel…
 
Lied: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott - EG 171
  1. Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott,/ sei mit uns auf unsern Wegen./ Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.
  2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,/ sei mit uns in allem Leiden./ Voll Wärme und Licht im Angesicht, /sei nahe in schweren Zeiten.
  3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,/ sei mit uns vor allem Bösen. / Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,/ sei in uns, uns zu erlösen.
  4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,/ sei mit uns durch deinen Segen./ Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,/ sei um uns auf unsern Wegen.
 
Segen:
Der Herr, segne uns und behüte uns. Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr, hebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.
 
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