Sonntag Zuhause - 6. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst zum 11. Juli 2021

Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm: Psalm 139 I – WW 966.1
HERR, du erforschest mich *
und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; *
du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich *
und siehst alle meine Wege.
Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, *
das du, HERR, nicht alles wüsstest.
Von allen Seiten umgibst du mich *
und hältst deine Hand über mir.
Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, *
ich kann sie nicht begreifen.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, *
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da; *
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte *
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen *
und deine Rechte mich halten.
Spräche ich: Finsternis möge mich decken *
und Nacht statt Licht um mich sein –,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, /
und die Nacht leuchtete wie der Tag. *
Finsternis ist wie das Licht.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Es tut gut, zu wissen, dass Du mich kennst, Gott.
Doch manchmal ist es auch unheimlich.
Da fühle ich mich nackt und klein vor Dir.
Hab Dank, dass Du meine Hilflosigkeit nicht ausnutzt
und mich annimmst, wie ich bin. Amen
Lied: All Morgen ist ganz frisch und neu – EG 440, 1-4
1. All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu;
sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag.
2. O Gott, du schöner Morgenstern, gib uns, was wir von dir begehrn:
Zünd deine Lichter in uns an, lass uns an Gnad kein Mangel han.
3. Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis,
vor Blindheit und vor aller Schand und reich uns Tag und Nacht dein Hand,
4. zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag,
wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt.
Lesung des Predigttextes: Matthäus 28, 16-20
Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen:
Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Wie geht es weiter?
Vieles geht bei uns gerade wieder weiter und doch ist es eben nicht mehr so wie früher. Und ob es wieder so wird? Wer weiß.
Vielleicht ist es ja bei manchem auch ganz gut, wenn es anders wird, wenn sich neue Möglichkeiten auftun.
Wie geht es weiter? - Das ist die große Frage am Ende des Matthäusevangeliums.
Jesus ist gestorben, ja, auch auferstanden, aber es ist einfach nicht mehr wie früher. Eine große Unsicherheit ist da. „Einige der Jüngerinnen und Jünger zweifelten“, erzählt das Evangelium.
Wie werden sie ohne Jesus klar kommen? Wie miteinander? Wie wird das, was in den letzten Jahren entstanden ist, weiter gehen?
Die letzten „irdischen“ Worten Jesu, die auch die letzten Worte des Matthäusevangeliums sind, sind da ein einziges Mutmachprogramm.
Klar wird es weitergehen, heißt es dort. Nun seid eben ihr dran.
Gebt weiter, was ihr von und mit Jesus erfahren habt. Erzählt die Geschichten, die er euch erzählt hat, erzählt von unseren Streitgesprächen, davon, wie uns das gemeinsame Essen gestärkt hat. Erzählt von den vielen Menschen, deren Leben sich durch unsere Begegnungen verändert hat, die wieder hinsehen, wieder hinstehen konnten, die wieder leben konnten ...
Und wenn dann jemand sagt: „Ja, da will ich dabei sein“, dann bekräftigt das mit dem Zeichen der Taufe. Es ist egal, wer da kommt. Macht keine Unterschiede. Es kommt nicht darauf an, zu welchem Volk dieser Mensch gehört – alle sind eingeladen. Die Taufe, die Verbindung zu Gott, ist das, was uns auch untereinander verbindet – nicht die Herkunft, nicht irgendwelche besonderen Eigenschaften oder Fähigkeiten. Die Taufe verbindet uns untereinander, weil sie mit Gott verbindet, in dem alle verbunden sind. Es ist der Gott, von dem die Israeliten schon so viel erzählt haben. Der Gott, der Euch in Jesus begegnet ist und Euch heute mit seinem Heiligen Geist neuen Schwung gibt.
Ihr werdet sehen: So ist Jesus auch weiterhin bei Euch – anders, aber nicht weniger.
Es ist ein einziges Mutmachprogramm, aber keines, das die Wirklichkeit einfach ignoriert und von uns Supermanfähigkeiten fordert.
Im Gegenteil: Dieses Mutmachprogramm entlastet uns, weil es uns zugesteht, einfach Mensch unter Menschen zu sein.
Wir müssen nicht sein wie Gott. Die Macht über Himmel und Erde haben Gott und mit ihm Jesus. Wir brauchen diese Verantwortung nicht tragen. Wie die Jüngerinnen und Jünger damals dürfen wir einfach seine Macht anerkennen und dabei auch zweifeln.
Wir dürfen Menschen sein mit allem, was wir können und was uns geschenkt ist, aber auch mit all unseren Fragen und Zweifeln. Wir dürfen Menschen sein mit unserem Vertrauen ins Leben und auch mit all unseren Sorgen und Fehlern.
Trotz aller Unsicherheiten weiter zu gehen, sich einzusetzen für das Leben, obwohl so vieles unklar ist, Ohnmacht und Hilflosigkeit aushalten, wo es nicht anders geht und Fehler nicht zu vertuschen – die Kraft dafür steckt in der Verbindung mit Gott.
Nun sind wir dran. Amen
Lied: Ich sage Ja – WW 158, 1-2.(3).4
1. Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf. Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf, zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt, und der auch mich in seinen Händen hält, und der auch mich in seinen Händen hält.
2. Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt und aus dem Tod zum Leben auferstand und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist für uns zum Freund und Bruder worden ist.
4. Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot, Wegzehrung, Zeichen, Zuspruch in der Not. Ich sage Ja und Amen, weil gewiss ein andres Ja schon längst gesprochen ist.
Fürbitten und Vaterunser:
Barmherziger Gott,
du ermutigst uns für unsere Zukunft.
Für alle, die keine Zukunft sehen, bitten wir dich:
schenke ihnen Hoffnung.
Du gibst uns eine Aufgabe, Gott.
Für alle, die ratlos sind, bitten wir dich: zeige ihnen deinen Weg.
Du führst uns in deine Gemeinschaft, Gott.
Lass uns allen Einsamen begeistert von dir erzählen.
Du begleitest uns durch Höhen und Tiefen des Lebens,
Lass alle, die Schweres erleben, deine Nähe spüren
und stärke uns alle, Gegen Unrecht aufzustehen.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser, …
Lied: Herz und Herz vereint zusammen – EG 251, 1.4.5
1. Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht und wir der Schein,
er der Meister, wir die Brüder, er ist unser, wir sind sein.
4. Halleluja, welche Höhen, welche Tiefen reicher Gnad,
dass wir dem ins Herze sehen, der uns so geliebet hat;
dass der Vater aller Geister, der der Wunder Abgrund ist,
dass du, unsichtbarer Meister, uns so fühlbar nahe bist.
5. Ach du holder Freund, vereine deine dir geweihte Schar,
dass sie es so herzlich meine, wie's dein letzter Wille war.
Ja verbinde in der Wahrheit, die du selbst im Wesen bist,
alles, was von deiner Klarheit in der Tat erleuchtet ist.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen
 
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
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