Sonntag Zuhause - 5. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst am 12. Juli 2020

Liebe Schwestern und Brüder, seien Sie von Herzen gegrüßt von und mit dem, der uns bis heute mitten in unserem Alltag entgegenkommt und das an dem Ort, wo wir leben, unseren Alltag leben. Er ruft uns – beruft uns und stellt uns in seine Nachfolge. Be-rufung – so das Thema dieses Sonntages. Lassen wir uns rufen und heißen wir ihn willkommen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes – Amen
 
Lied: Halleluja, schöner Morgen  -  EG 572, 1.2.7

1. Halleluja, schöner Morgen, schöner als man denken mag.
Heute fühl ich keine Sorgen; denn das ist ein lieber Tag,
der durch seine Lieblichkeit recht das Innerste erfreut.

2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist,
heller Tag in dunkeln Höhlen! Zeit in der der Segen fließt!
Stunde voller Seligkeit: du vertreibst mir alles Leid.

7. Gib, daß ich den Tag beschließe, wie er angefangen ist.
Segne, pflanze und begieße, der du Herr des Sabbaths bist;
bis ich einst auf jenen Tag ewig Sabbath halten mag.
Beten wir mit Worten des Beters vom 73. Psalm:

Er erfährt oder hat wohl viel Leid erfahren:
Dennoch bleibe ich stets an dir;

denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Wenn ich nur dich habe,
so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte
und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN,
dass ich verkündige all dein Tun.

Herr, mein Gott, schenke Du mir immer wieder neu die Kraft, das DENNOCH zu leben.
Begegne mir, halte mich fest, wenn ich an Leib und Seele verschmachte.
Sei Du mir Trost, Hoffnung und Zuversicht. Amen.

Predigttext: Lukas 5, 1-11

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.


Predigtgedanken von Pfarrerin Henriette Gilbert:

Wir werden mit der Erzählung mittenhinein gestellt in den Arbeitsalltag am See Genezareth, einem Werktag. Die Fischer waschen und flicken ihre Netze nach der Arbeit in der Nacht, die zudem noch vergeblich war. Jeden Tag dasselbe: Hinausfahren, Netze auswerfen, den Fang einholen, an Land zurückkehren, den Fisch verkaufen, die Netze reinigen und flicken, ausruhen und wieder hinausfahren, Netze auswerfen usw. So sah der Alltag der Fischer aus mit seinem beständigen Auf und Ab, je nachdem, ob der Ertrag der Arbeit die Familie ernähren kann oder eben nicht. Sicher, die Arbeit der Fischer am See Genezereth hat sich geändert – und doch was bleibt: Es ist ein Alltag voller Routine und Selbstverständlichkeit, ein Alltag mit wenig Unterbrechungen. Wir alle kennen Alltag, ganz gleich wo wir arbeiten – zu Hause oder eben auch im Beruf – manches Mal grauer Alltag.
Und dann taucht Jesus auf und lässt nicht nur die Netze reißen. Er reißt den Alltag auf, den Himmel auf, das Leben auf. Plötzlich wird etwas ganz Anderes möglich. Der Tag bekommt eine neue Perspektive. Er erhält eine neue Farbe. Das, was im Alltag undenkbar war, ist nun denkbar, was im Alltag unmöglich war, wird möglich – durch Gott möglich. Es wird Gottes Tag, der Tag des Herrn.
An diesem Tag lässt sich Simon Petrus unterbrechen. Er fährt Jesus hinaus aufs Wasser, obwohl er gerade die Netze wäscht. Er hört ihm zu, hört sein Wort – oder anders gesagt: Hört die Predigt. Wenn Menschen sich für solche Begegnungen öffnen, wird Sonntag: der Tag der Auferstehung Jesu, der erste Tag der Woche, der unser ganzes Leben sogar unterbricht, selbst den Tod.
Der Tag bekommt Tiefe, sogar das Leben. „Fahr hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ so befiehlt es Jesus. Und dann wagt Simon Petrus auf Gottes Wort hin, seine Netzte auszuwerfen bis in die tiefsten Tiefen hinunter – oder sagen wir doch gleich: Er wagt seine leeren Hände Gott hinzuhalten und das mit allen Tiefen und Vertiefungen, die er kennt – allein schon mit dem Erlebnis der letzten Nacht. Er kam mit leeren Händen nach Hause, mit der Sorge, wie er die Familie satt bekommen soll, mit allem Ärger, allem Verdruß, und wer weiß, was da noch in seinen Händen war – an Streit, ja sogar an Schuld: „Herr geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch“ so sagt es Simon Petrus selbst und so erlebt er sich.
Und dann begegnet er genau in dieser Tiefe Gott selbst. Die Netze reißen, es reißt der Alltag auf, der Himmel, das Leben. Bis jetzt hatte Petrus immer nur an der Oberfläche gefischt, wagte immer nur an der Oberfläche zu fischen und nun erlebt er: Da ist ein Gott, der mich auch in den Tiefen des Lebens begleitet, ja der mich selbst noch dort unten auffängt, mich hineinholt in sein Netz, um mich hin zu sich zu tragen, hinein in seine Gegenwart – so wie sie die vollen Netze sicher aus Dank vor die Füße Jesu gelegt haben. Und mitten dahinein dieses Fürchte dich nicht, diese Erlaubnis meine Tiefen vor Gott zu bringen. Ein Geschehen, was den Alltag verändert, die Netze reißen lässt, in denen mich manches Mal der Alltag einsperrt oder auch meine Angst, meine Sorgen – all das was mich belastet, ja selbst die Tiefe von Tod und Sterben.

Und wer das erlebt, der wird nichts anderes tun können als eben von diesem Gott zu erzählen, von dem Gott, der mich befreit, der meine leeren Hände füllt, so voll, dass sie überfließen, dass ich abgeben kann an den, der nichts hat – ja mehr noch, ihn ermutigen kann: Fahre hinaus, wo es tief ist und werft eure Netze zum Fang aus! Und heute sind wir hinausgefahren und Gott füllt unsere Netze mit seinem Wort der Liebe, der Vergebung und des Segens. Halten wir ihm die leeren Hände hin – solange bis sie reißen – bis der Himmel aufreißt und ich weiß: Da ist ein Gott, der bei mir ist. Amen – so sei es
Sie sind eingeladen, das Glaubensbekenntnis zu sprechen

Lied: Wo Menschen sich vergessen  -  WW 93

1. Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

2. Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde …

3. Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden, und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde ...

Fürbittgebet

Herr, unser Gott, vor Dich bringen wir unsere leeren Hände:
Öffne Du sie für die Fülle des Lebens.
Fülle Du sie mit Gedanken des Friedens und der Gerechtigkeit.
Lege Du die Kraft Deiner Liebe und Deiner Güte hinein.
Mache sie stark, damit sie zu Werkzeugen Deines Friedens werden.
Das erbitten wir Dich für alle, die Verantwortung tragen, aber auch für die, die unsere Verantwortung anvertraut sind.

In der Stille bringen wir all die Menschen vor Dich, für die es uns aufgetragen ist, für sie zu beten …

Stille

Vater unser, ...

Segen

Der Herr segne Euch und behütet Euch,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Euch und sei Euch gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke uns Frieden.
Amen.

Weitere Gottesdienste finden Sie hier...