Votum:
Psalm: Psalm 42 - WW 918
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, *
so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Meine Seele dürstet nach Gott, *
nach dem lebendigen Gott.
Wann werde ich dahin kommen, *
dass ich Gottes Angesicht schaue?
Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, *
weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Daran will ich denken *
und ausschütten mein Herz bei mir selbst:
wie ich einherzog in großer Schar, *
mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes
mit Frohlocken und Danken *
in der Schar derer, die da feiern.
Was betrübst du dich, meine Seele, *
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, *
dass er mir hilft mit seinem Angesicht.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Ewiger Gott,
vieles zerrinnt uns zwischen den Fingern,
unsere Zeit, die Gesundheit, die Hoffnung auf Frieden,
Träume und Vorhaben.
Dein Wort bleibt – lass uns auf dich und deine Zukunft hoffen.
Wenn mich der Mut verlässt, stärke mich.
Wenn ich schuldig werde, vergib mir.
Wenn mich die Dunkelheit zu umfangen droht, sei Du mir Licht.
Erinnere mich: Du liebst uns! Amen
Lied: Komm in unsre stolze Welt – EG 428, 1.2.5
1. Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben. Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben.
Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.
2. Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache,
dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache.
Schaff aus unserm Überfluss Rettung dem, der hungern muss.
5. Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle;
dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle,
die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.
Lesung des Predigttextes: Römer 12, 17-21
Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Was will ich in meinem Leben Raum geben?
Will ich mich damit beschäftigen, wie ich es meiner Klassenkameradin heimzahlen kann? - „Es war bestimmt volle Absicht, dass sie meine Schultasche durch die Gegend gekickt hat! Sie tut nur so unschuldig.“
Will ich mich damit beschäftigen, wie ich meinem Nachbarn eins auswischen kann? - „Der will mich ärgern. Deshalb schneidet er seine Hecke nicht und sie wuchert zu mir herüber! Dem werde ich es zeigen!“
So was kostet viel Kraft und Zeit. Und was gewinnt man dabei? Vielleicht im ersten Moment ein befriedigendes Gefühl, aber dann kommt ja wieder die Rache des Nachbarn oder der Klassenkameradin, worauf ich mir wieder überlegen muss, was ich jetzt mache …
Eine Spirale von Hass beginnt und oft folgt auch Gewalt.
Paulus ist sich sicher: Man gewinnt damit nichts und empfiehlt uns deshalb allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht zu sein. Letztlich – da ist er sich sicher - bringt es viel mehr, dem Guten Raum zu geben. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse IM Guten – heißt es wörtlich. Statt zu überlegen, wie ich meinem Nachbarn schaden könnte, ist es besser, dort zu helfen, wo Not ist: Wenn dein Feind Hunger hat, gibt ihm zu essen; wenn er Durst hat, gibt ihm zu trinken.
Meine Zeit, meine Kraft und Energie sind hier deutlich besser investiert. Und wenn es gut geht, kommt mein „Feind“ durch solche Aktionen sogar zur Besinnung. Er besinnt sich seiner eigenen Taten und merkt auch, dass „Böses“ nicht weiter führt. Das ist gemeint, wenn Paulus das Buch der Sprüche zitiert und schreibt: du wirst feurige Kohlen auf dem Haupt des Feindes sammeln.
Das es so gehen könnte, das ist natürlich ein Ideal, vielleicht sogar eine Utopie. Und wenn es (mal wieder) nicht gelingt, dann stehen wir trotz aller guter Bemühungen da, müssen Attacken anderer ertragen und verstehen dazu Gott und die Welt nicht mehr.
Paulus macht sich da keine Illusionen und empfiehlt um so eindringlicher: „Gebt dem Zorn Gottes Raum.“
Der Zorn Gottes, dahinter steht genau diese Erfahrung, dass wir manchmal Gott und die Welt nicht mehr verstehen und uns fragen: Wo ist denn da Gott?
Es ist die Erfahrung der Leere, manchmal auch der Verzweiflung. Dieser Erfahrung Raum zu geben, bedeutet, sie auszuhalten; nicht vor ihr davon zu laufen und sie auch nicht zu überspielen, indem ich aus lauter Verzweiflung selbst Rache übe und es nicht Gott überlasse, Gerechtigkeit zu schaffen.
Hinter der Rede vom Zorn Gottes steht aber auch die kreative, schöpferische Kraft Gottes. Das braucht es ja manchmal: Eine Leere, damit etwas Neues wachsen kann; das etwas stirbt, damit neues Leben beginnen kann.
„Ist das nicht ein bisschen zu viel verlangt?“, könnte man fragen.
Paulus hat diese Vision, diese Utopie, aber er weiß auch: alles hat seine Grenzen und schreibt deshalb: Ist‘s möglich, soviel an Euch liegt, ...
Wir werden hier zu nichts Übermenschlichem aufgefordert, aber zu dem, was möglich ist, eben schon.
Amen
Lied: Meine engen Grenzen – WW 178, 1-4
1. Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.
2. Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich. Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.
3. Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.
4. Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.
Fürbitten und Vaterunser:
Weite meinen Raum, Gott.
Lass mich innehalten,
wenn mich Wut und Verzweiflung überkommen.
Lass mich aushalten, wenn es leer in mir ist.
Lass mich gerade dann meine Möglichkeiten sehen,
wenn nichts mehr möglich scheint.
Weite unseren Blick für diese Welt, Gott.
dass die Ängste sich in Grenzen halten
und die Ohnmacht nicht überhand nimmt,
dass Menschen Heimat finden
und Kraft, ihren Alltag zu bewältigen.
Hilf uns, Hass und Gewalt immer wieder neu Grenzen zu setzen
und Deiner Liebe für diese Welt Raum zu schaffen.
In der Stille bringen wir vor Dich, was uns persönlich bewegt.
Stille
Miteinander und füreinander beten wir: Vater unser, …
Lied: Verleih uns Frieden gnädiglich – WW 202
Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsren Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine, denn du, unser Gott, alleine.
Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich!
Segen:
Der Herr, segne dich und behüte dich,
Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
Der Herr, hebe sein Angesicht auf dich
und schenke dir Frieden. Amen
Zum Ausdrucken und Weitergeben:
Quelle: Ev. Kirchengemeinde Ettenheim
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