Sonntag Zuhause - 4. Advent

Gottesdienst zum 20. Dezember 2020

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm: Psalm 102 – WW 949
Du, HERR, bleibst ewiglich *
und dein Name für und für.
Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen; *
denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist,
und die Stunde ist gekommen, /
dass die Völker den Namen des HERRN fürchten *
und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit,
wenn der HERR Zion wieder baut *
und erscheint in seiner Herrlichkeit.
Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen *
und verschmäht ihr Gebet nicht.
Denn er schaut von seiner heiligen Höhe, *
der HERR sieht vom Himmel auf die Erde,
dass er das Seufzen der Gefangenen höre *
und losmache die Kinder des Todes,
dass sie in Zion verkünden den Namen des HERRN *
und sein Lob in Jerusalem,
wenn die Völker zusammenkommen *
und die Königreiche, dem HERRN zu dienen.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Du hörst das Seufzen der Gefangenen,
Du befreist zum Leben.
Das fällt mir gerade schwer zu glauben, Gott.
Meine Situation ist eine andere.
Ich sehe Einschränkungen und Not.
Doch vielleicht hilft die Hoffnung,
die Hoffnung auf Dich und Deinen lebenschaffenden Geist.
Ich will es versuchen.
Amen
Lied: Wir sagen Euch an – EG 17, 1-4
1. Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die erste Kerze brennt!
Wir sagen euch an eine heilige Zeit. Machet dem Herrn den Weg bereit.
Kehrvers:
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr! Schon ist nahe der Herr.
2. Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die zweite Kerze brennt!
So nehmet euch eins um das andere an, wie auch der Herr an uns getan.
3. Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die dritte Kerze brennt!
Nun tragt eurer Güte hellen Schein weit in die dunkle Welt hinein.
4. Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet, die vierte Kerze brennt!
Gott selber wird kommen, er zögert nicht, auf, auf, ihr Herzen, und werdet licht!
Lesung des Predigttextes: 1. Mose 18, 1-2.9-15
Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde.
Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt! Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin? Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht –, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Lachen und Weinen liegen oft nah beieinander.
Wer herzhaft lacht, dem kommen schnell auch die Tränen, auch wenn es eigentlich nichts Trauriges ist – das Lachen geht dann einfach nur durch und durch.
Oft lachen und weinen wir auch abwechselnd bis gleichzeitig, wenn wir an unsere Verstorbenen denken: „Weißt Du noch, damals, als …“
Erinnerungen sind schmerzlich, weil wir merken: Da fehlt jemand. Gleichzeitig aber ist es auch schön an das zurück zu denken, was man miteinander erlebt hat, was einem verbindet und sich von schönen Begebenheiten zu erzählen, oder alte Schoten zum Besten zu geben.
Lachen und Weinen.
Für Sara und Abraham ist die Situation eigentlich zum Heulen. Alt und noch immer kein Kind. Ein lang gehegter Wunsch, ein altes Versprechen. Aber sie hatten sich längst abgefunden mit der Situation, hatten längst ihre Hoffnung darauf gesetzt, dass das Kind von Saras Magd sie im Alter mit versorgen würde.
Nun aber soll Sara doch noch ein Kind bekommen – behauptet zumindest ihr mysteriöser, aber wohl irgendwie göttlicher Besuch.
Da kann Sara nicht anders. Sie lacht. Nicht laut heraus, sondern in sich hinein. Sie kann nicht glauben, was sie da hört. Es ist absolut unrealistisch.
Das Gespräch, das jetzt folgt, kennen wir alle gut: Jemand lacht oder grinst aus irgendeinem Grund unwillkürlich. Die andere fühlt sich angegriffen und fragt: „Warum lachst Du?“- „Ich habe nicht gelacht.“ - „Doch, du hast gelacht!“
Oft geht es dann weiter mit: „Ich habe nicht über dich gelacht. Es war einfach nur die Situation, aber ich wollte dich nicht verletzen.“
Saras Lachen und ihr Leugnen „Nein, ich habe nicht gelacht!“, wurde oft als Unglaube kritisiert. Die Antwort Gottes: „Nein, du hast gelacht!“ dann als Tadel Gottes für diesen Unglauben gewertet.
Ja, Sara fürchtet sich – so steht es da. Natürlich will sie Gott nicht „verletzen“, will nicht den Eindruck erwecken, etwas gegen ihn zu haben. Abraham und Sara vertrauen Gott seit langem, gehen ihren Weg mit ihm. Aber vertrauen, glauben, das heißt ja nicht, dass man den Bezug zur Realität verlieren muss. Mir scheint eher: Hier wird ein gesunder Skeptizismus deutlich. Warum um alles in der Welt soll Sara so etwas Abstruses glauben? Warum soll sie ihre Hoffnung auf so eine unrealistische Lösung ihres Problems setzen? Warum weiter Träumen nachhängen, die sie vielleicht nur von ihrem Leben hier und jetzt abhalten?
„Nein, du hast gelacht!“ - Ich höre in Gottes Antwort hier mehr so etwas wie: Steh doch dazu. Du hast gelacht, Sara, weil Du es nicht glauben kannst. Ist in Ordnung. Aber nur weil Du es nicht glauben kannst, heißt es noch lange nicht, dass es nicht doch möglich ist.
Ich glaube, es wäre gut, auch wir würden nicht allen Heilsversprechen glauben, die wir in diesen Tagen mitbekommen. Ein gesunder Skeptizismus täte uns allen gut. Das heißt ja nicht, dass Gott nicht doch Unmögliches möglich machen kann. Und es heißt auch nicht, dass wir die Hoffnung aufgeben müssen.
Amen
Lied: O komm, o komm, du Morgenstern – EG 19, 1-3
1. O komm, o komm, du Morgenstern, lass uns dich schauen, unsern Herrn.
Vertreib das Dunkel unsrer Nacht durch deines klaren Lichtes Pracht.
Kehrvers:
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah. Freut euch und singt Halleluja.
2. O komm, du Sohn aus Davids Stamm, du Friedensbringer, Osterlamm.
Von Schuld und Knechtschaft mach uns frei und von des Bösen Tyrannei.
3. O komm, o Herr, bleib bis ans End, bis dass uns nichts mehr von dir trennt,
bis dich, wie es dein Wort verheißt, der Freien Lied ohn Ende preist.
Fürbitten und Vaterunser:
Dir dürfen wir vertrauen, Gott.
Du kommst in unser Leben,
machst es hell
und begleitest uns ein Leben lang.
Aber wir müssen nicht alles glauben,
dürfen zweifeln –
an Heilsversprechungen,
an bunten Bildern,
an Dir.
Wir bitten Dich für alle, die nicht vertrauen können:
Lass sie Deine Ruhe und Geborgenheit spüren.
Für alle, die zweifeln, bitten wir Dich: schenke ihnen Geduld.
Für alle, die Zweifel nicht zulassen wollen, bitten wir dich:
schenke ihnen Gelassenheit.
Du kommst mitten in diese Welt mit ihrem Zweifel hinein – das hilft.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser, …
Lied: Seht, die gute Zeit ist nah – EG 18
1. Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde,
kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde, kommt, dass Friede werde.
2. Hirt und König, Groß und Klein, Kranke und Gesunde,
Arme, Reiche lädt er ein, freut euch auf die Stunde, freut euch auf die Stunde.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.
Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
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