Votum:
Psalm 103 A – WW: 950.1
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den HERRN, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat
der dir alle deine Sünde vergibt und
heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht
und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht
allen, die Unrecht leiden.
Er hat seine Wege Mose wissen lassen,
die Kinder Israel sein Tun.
Barmherzig und gnädig ist der HERR,
geduldig und von großer Güte.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet
Gott, jeder Gottesdienst ist wieder eine neue Einladung, die du uns schenkst: Die Einladung, Ruhe zu finden und Abstand zu gewinnen von unserem Alltag. Die Einladung, durch dein Wort von dem zu erfahren, was uns hält und trägt, im Leben und im Sterben. Die Einladung, Kraft zu schöpfen und Hoffnung für den Weg nach vorn. Wir danken dir für all das, was du uns auch in der vergangenen Woche Gutes geschenkt hast.
Doch neben dem Dank bekennen wir dir auch, dass wir dir und unseren Mitmenschen manches schuldig geblieben sind. Und du weißt, wo unser Versagen und unsere Schuld uns anklagen und uns das Gewissen schwer machen. Herr, dies alles legen wir dir in deine Hand und bitten dich: Sei uns gnädig! Amen.
Lied: Dass die Sonne jeden Tag – WW 15
1. Dass die Sonne jeden Tag / wieder neu am Himmel steht, / dass in deinem Wissen, Gott, / das Geringste nicht verweht: Dafür danken wir dir, Gott, / der du alles mit uns teilst, / unsre Freude, unser Leid, / ja unser Leben.
2. Dass die Not, die uns bedrückt, / von dir selbst erlitten ist, / weil du, Gott, in deinem Sohn / uns ganz nah geworden bist. Dafür danken…
3. Dass das Werden und Vergehn / Wunder allen Lebens ist, / dass du allem seine Zeit / hier in dieser Welt bemisst. Dafür danken…
4. Dass du unser enges Herz / immer wieder öffnen willst, / dass du unsre leere Hand / immer neu mit Segen füllst. Dafür danken…
5. Dass du uns Gemeinschaft schenkst / immer wieder wie ein Fest, / dass du uns durch deinen Geist / ganz lebendig werden lässt. . Dafür danken…
Predigtgedanken zu Micha 7, 18-20 von Dorothee Moldenhauer
Im Erdkundeunterricht habe ich gelernt, dass die tiefste Stelle der Erde der Mariannengraben im Pazifischen Ozean ist. Das Meer ist dort über 11000 m tief. Elf Kilometer. Das ist etwa von Lahr bis Ettenheim. Es ist atem-beraubend, wie tief das Meer ist! Und es hat auch etwas Unheimliches. Ich stelle mir vor: wenn ich da was reinwerfen würde, dass würde niemals mehr auftauchen. Klar würde ich das aus Umweltschutzgründen unterlassen, aber ein verlockender Gedanken ist das schon: Was würde ich, was würden Sie gerne da im Mariannengraben versenken? So tief, dass es auf keinen Fall wieder an die Oberfläche kommen kann? Vielleicht die Ängste, die uns immer wieder einholen? Die bohrende Frage nach dem Warum? Die sich im Kreis drehenden Gedanken, die uns die Ruhe rauben? Aggression die sich gegen andere und gegen uns selbst richtet? Eine Schuld, die uns die Ruhe nimmt? Nun, so ein Mariannengraben irgendwo hier in der Nähe zu haben, wäre nicht schlecht. Ein See ginge vielleicht auch – doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein geübter Taucher da etwas von unseren „Altlasten“ wieder nach oben befördert, ist doch zu groß.
Im Predigttext, im Buch Micha 7,18-20, können wir folgendes lesen:
18 HERR, wo sonst gibt es einen Gott wie dich? Allen, die von deinem Volk übriggeblieben sind, vergibst du ihre Schuld und gehst über ihre Verfehlungen hinweg. Du hältst nicht für immer an deinem Zorn fest; denn Güte und Liebe zu erweisen macht dir Freude. 19 Du wirst mit uns Erbarmen haben und alle unsere Schuld wegschaffen; du wirst sie in das Meer werfen, dort, wo es am tiefsten ist. 20 Den Nachkommen Abrahams und Jakobs wirst du mit Liebe und Treue begegnen, wie du es einst unseren Vorfahren mit einem Eid zugesagt hast.
Der Prophet Micha sagt: Gott wird alle Schuld ins Meer werfen, an die tiefste Stelle. Kein Mensch kann sie da herausholen, und auch Gott wird das nicht tun. Unsere Schuld ist erledigt! Begraben! Ein für alle mal! Sie braucht uns nicht mehr belasten. Sie steht auch nicht mehr zwischen Gott und mir. Gottes Liebe ist so groß, dass wir nur staunen können. So wie Micha, der sagt: „HERR, wo sonst gibt es einen Gott wie dich? Allen, die von deinem Volk übriggeblieben sind, vergibst du ihre Schuld und gehst über ihre Verfehlungen hinweg.“
Güte und Liebe, oder wie es in der Lutherübersetzung heißt – Gnade, können die Menschen erfahren, die sich ihrer Schuld bewusst sind. Diejenigen, die durch ein Fehlverhalten oder eine Unachtsamkeit anderen schweren Schaden zugefügt haben. Z.B. wenn jemand einen Unfall mit Todesfolge verursacht hat. Die geplagt sind von seelischen Schmerzen, schlechten Gewissen und Alpträumen, weil die Folgen so schwerwiegend sind. Die von Menschen keine Gnade, kein Verzeihen erwarten können. Gerade für sie gilt: Gott wirft alle Schuld in die Tiefe des Meeres – und da bleibt sie.
Man kann Gott nur danken, dass einem solche Tragödien bisher erspart geblieben sind. Wir sind ja keine besseren Menschen. Wir alle sind mal unachtsam oder leichtsinnig.
Und wir alle laden auch immer wieder Schuld auf uns. Manche Schuld ist uns nicht bewusst, von daher haben wir auch nicht das Verlangen nach Gnade.
Andere Schuld ist für uns offensichtlicher und spürbarer. Sie beschäftigt uns in unseren Gedanken und spüren wir in unserm Herzen.
Sie lässt die Sehnsucht in uns wach werden, nach Erleichterung. Dass der innere Schmerz nachlässt, die bohrenden Fragen aufhören, das Gedankenkarussell zur Ruhe kommt.
HERR, wo sonst gibt es einen Gott wie dich? Der Schuld vergibt und über unsere Verfehlungen hinweggeht? So fragte Micha vor rund 2700 Jahren. Und auch im Jahr 2020 können wir das nur staunend fragen. Seine Zusage gilt auch uns als Nachkommen Abrahams und Jakobs. Seine Liebe und Geduld sind nicht menschlich, sondern göttlich. Von daher auch so unfassbar für uns, dass Gott uns wirklich vergibt.
Weil er Freude an der Vergebung hat. Und weil er weiß, wie Leid, Schmerz und Schuld sich anfühlen. Er hat es erfahren durch seinen Sohn Jesus Christus. Der all dies erlebt und erlitten hat. Die Verachtung und Schmach durch die Menschen, die Last und Schuld der Menschen auf seiner Schulter auf dem Weg nach Golgatha.
Gott wirft unsere Fehler in ein 11 km tiefes Meer und stellt am Strand ein Schild auf: „Angeln verboten!“ Welch ein Segen! Amen.
Lied: Vergiss nicht zu danken – EG 618
1. Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, / er hat dir viel Gutes getan. /
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern, / du kannst ihm so wie du bist nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, / viel mehr als ein Vater es kann. /
Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer. / Kommt, betet den Ewigen an!
2. Du kannst ihm vertrauen in dunkelster Nacht, / wenn alles verloren erscheint. / Er liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht, / ist näher, als je du gemeint. Barmherzig, geduldig und gnädig ist er…
Fürbitte
Du barmherziger, treuer Gott!
Wir danken dir für deine Liebe, die uns zu dir ruft, die uns aufatmen und glauben und hoffen lässt.
Wir danken dir, dass du uns nicht aufgegeben hast, obwohl wir Menschen oft Wege gehen, die dir nicht gefallen. Du kommst uns entgegen mit deiner Liebe und Fürsorge. Du blickst immer wieder gnädig auf jeden von uns.
Wir bitten dich: Schenke auch uns immer wieder einen gnädigen Blick auf unsere Mitmenschen und ihre Schuld. Gib uns immer wieder den Mut, ehrlich und aufrichtig zu unserem Fehlverhalten zu stehen.
Wir bitten dich: Öffne Herzen und Verstand, damit wir stets einen verantwortlichen Umgang mit der Pandemie pflegen. Schenke uns auch die Weitsicht, auf die Menschen zu schauen, denen es nicht vergönnt ist, in einem Land zu leben, mit ausreichend finanziellen und medizinischen Mittel der Pandemie zu begegnen.
Halte in uns das Wissen wach, dass es viele Menschen gibt, die derzeit große Sorgen haben: Die Krank sind, die im Streit leben, die finanzielle Sorgen haben, die sich einsam fühlen. Sei ihnen gnädig und erfülle sie mit Trost.
Vater unser im Himmel…
Lied: Mögen sich die Wege – WW 71
1. Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, / mögest du den Wind im Rücken haben, und bis wir uns wiedersehn, / möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
2. Möge warm die Sonne auch dein Gesicht bescheinen, / Regen sanft auf deine Felder fallen, und bis wir uns wiedersehn…
Segen
Der Herr, segne uns und behüte uns. Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr, hebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.
Zum Ausdrucken und Weitergeben:
Quelle: Dorothee Moldenhauer, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim
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