Sonntag Zuhause - 3. Sonntag nach Epiphanias

Gottesdienst zum 24. Januar 2021

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm: Psalm 86 - WW 938
HERR, neige deine Ohren und erhöre mich; *
denn ich bin elend und arm.
Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu. *
Hilf du, mein Gott, deinem Knechte,
der sich verlässt auf dich.
Denn du, Herr, bist gut und gnädig, *
von großer Güte allen, die dich anrufen.
Vernimm, HERR, mein Gebet *
und merke auf die Stimme meines Flehens!
In der Not rufe ich dich an; *
du wollest mich erhören!
Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern, *
und niemand kann tun, was du tust.
Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen *
und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,
dass du so groß bist und Wunder tust *
und du allein Gott bist.
Weise mir, HERR, deinen Weg, *
dass ich wandle in deiner Wahrheit;
erhalte mein Herz bei dem einen, *
dass ich deinen Namen fürchte.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Gebet:
Gott, du sprichst uns gute Worte zu und überschreitest Grenzen. Du siehst und hörst uns Menschen. Und wir brauchen dich, in dieser unübersichtlichen Welt, damit wir uns nicht ganz verloren fühlen, damit wir wissen, worauf wir uns verlassen können, dass wir Geduld üben und selber unsere Grenzen überschreiten lernen. Weise uns deinen Weg und geh ihn mit uns.
Amen.
Lied: Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all – EG 293, 1+2
1. Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all, / lobt Gott von Herzensgrunde, /
preist ihn, ihr Völker allzumal, / dankt ihm zu aller Stunde, /
dass er euch auch erwählet hat / und mitgeteilet seine Gnad /
in Christus, seinem Sohne.
2. Denn seine groß Barmherzigkeit / tut über uns stets walten,
sein Wahrheit, Gnad und Gütigkeit / erscheinet Jung und Alten
und währet bis in Ewigkeit, / schenkt uns aus Gnad die Seligkeit;
drum singet Halleluja.
Lesung des Predigttextes: Ruth 1, 1-19a
Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.
Gedanken zur Lesung von Pfarrer Jörg Herbert:
Es ist die Zeit der Entscheidungen. Lockdown verlängern oder lockern? Schulen und Kindergärten öffnen oder geschlossen halten? Mehr auf die Virologen hören oder auf die Psychologen? Gottesdienste zu Hause oder in der Kirche feiern? Ganz zu schweigen von den unzähligen kleinen Entscheidungen des Alltags, die mir sonst noch abverlangt oder auferlegt werden. Mit manchen kann ich gut leben. Manche sind eine harte Nuss. Manche wecken meinen Widerspruch. Und über manche kann ich nur den Kopf schütteln.
Die Geschichte von Rut im Alten Testament ist eine Entscheidungsgeschichte. Da wird von ganz verschiedenen Entscheidungen erzählt – und manche davon haben so einige Leser und Hörer der Geschichte schon mit den Kopf schütteln lassen:
In Bethlehem ist eine Hungersnot ausgebrochen. Ein Mann, Elimelech, flüchtet deshalb zusammen mit seiner Frau Noomi und seinen beiden Söhnen Machlon und Kiljon nach Moab – ausgerechnet nach Moab – eine fremde, karge Gegend. Mit einem Volksstamm, der den Israeliten eher feindlich gesinnt war. Kopfschütteln…
Die Familie bleibt nicht nur dort und wird sesshaft, ihre beiden Söhne heiraten auch noch moabitische Frauen – nach dem Gesetz waren solche Mischehen eigentlich verboten. Kopfschütteln…
Machlon und Kiljon (zu Deutsch übrigens: Schwächlich und Gebrechlich) sterben jedoch früh. Der Vater war schon vorher gestorben. Die drei Frauen bleiben allein zurück. Fast möchte man sagen: Das habt ihr nun davon! – Aber die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende. Im Gegenteil, sie nimmt nun erst Fahrt auf.
Denn Noomi, die Schwiegermutter, trifft nun die erste vernünftige Entscheidung der Geschichte. Sie will selber in ihre Heimat zurückkehren und gibt ihre Schwiegertöchter frei, damit diese wieder in den Schoß ihrer moabitischen Familien aufgenommen werden können. So wären alle sicher. Eine Schwiegertochter, Orpa, nimmt das Angebot auch dankend an.
Die andere jedoch, Rut, entscheidet sich dafür, bei ihrer Schwiegermutter zu bleiben und mit ihr mitzugehen. Ein törichter Gedanke – denn das ist für sie ein Weg in die Fremde, in die Unsicherheit, in die Rechtlosigkeit. Kopfschütteln deshalb, auch bei Noomi.
Doch dann spricht Rut die wohl stärksten Worte, die je eine Schwiegertochter zu einer Schwiegermutter gesagt hat:
Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Und Noomi lässt sie gewähren. Die beiden machen sich auf in eine ungewisse Zukunft.
Noch so manche Entscheidung treffen sie im weiteren Verlauf der Geschichte. Manche waghalsig, mache lebensgefährlich.
Und Gott? Wo ist der eigentlich in der Geschichte? Außer in den wenigen Worten Ruts und Noomis kommt er nicht vor. Jedenfalls nicht als Himmelsstimme oder im Traum oder als einer, der direkt eingreift. Und doch ist am Ende klar, dass er dabei war. Und sich selbst entschieden hat. Für Rut. Diese mutige Frau aus dem fremden Land, die so treu ist und auch die schweren Wege nicht scheut. Ausgerechnet sie wird die Ahnfrau des großen Königs David. Damit allen Kopfschüttlern klar wird: Gottes Herz ist weiter, als ihr euch vorstellen könnt und seine Wege verlaufen anders, als ihr sie euch ausmalen könnt.
Und ich bete darum, dass Gott auch mich stärkt und mir hilft, die Entscheidungen meines Lebens zu tragen. Die, die ich selber treffe und die für mich gefällt werden.
Und, dass er auf meinen Wegen an meiner Seite bleibt. Den geraden und die krummen, den leichten und die schweren. Amen.
 
Lied: Dir, Gott, will ich vertrauen WW 22
1. Dir, Gott, will ich vertrauen in schwerer Zeit. /
Ich will auf Hoffnung bauen trotz Traurigkeit; /
will weinend doch klar spüren, wie du Kraft gibst. /
Du wirst durch Dunkles führen, weil du uns liebst./
Du wirst durch Dunkles führen, weil du uns liebst.
2. Dir, Gott, will ich Dank sagen für schöne Zeit, /
für Glück in guten Tagen, für Leichtigkeit. /
Ich möchte nie vergessen, was uns gelang:
so reiche Interessen, so viel Gesang, /
so reiche Interessen, so viel Gesang.
3. Dir, Gott, will ich auch klagen vertane Zeit, /
die ungestellten Fragen und manchen Streit. /
Nimm auf in dein Erbarmen versäumtes Tun. /
Birg uns in deinen Armen, sei nahe nun, /
birg uns in deinen Armen, sei nahe nun.
Fürbitten und Vaterunser:
Du Gott, bist gehst mit uns auf allen Wegen, durch alle Entscheidungen.
Wir bitten dich für alle, die einen langen Weg vor sich haben:
Gib ihnen Ausdauer und Durchhaltevermögen, ihn bis ans Ende zu gehen.
Wir bitten dich für alle, die einen schweren Weg vor sich haben:
Lass sie den Mut nicht verlieren gib ihnen Kraft.
Wir bitten dich für alle, die den letzten Weg vor sich haben:
hilf ihnen versöhnt zurück und getrost nach vorne zu schauen auf deine offene Tür.
Wir bitten dich für jede und jeden von uns,
welchen Weg wir auch immer vor oder hinter uns haben –
in der Stille sagen wir uns, was uns gerade bewegt - Stille -
Sei und bleibe bei uns, wie du es immer gewesen bist.
Darauf vertrauen wir, wenn wir mit Jesu Worten beten:
Vater unser, …
Lied: Lass uns in deinem Namen Herr… WW 172
Lass uns in deinem Namen Herr, die nötigen Schritte tun.
Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln.
Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr, heute die Wahrheit zu leben.
Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr, heute von vorn zu beginnen.
Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, mit dir zu Menschen zu werden.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.
Amen
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
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