Sonntag Zuhause - 2. Sonntag im Advent

Gottesdienst zum Dezember 2021

Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm: Psalm 80 – WW 935
Du Hirte Israels, höre, der du Josef hütest wie Schafe! *
Erscheine, der du thronst über den Cherubim!
Erwecke deine Kraft *
und komm uns zu Hilfe!
HERR, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen *
beim Gebet deines Volkes?
Du speisest sie mit Tränenbrot *
und tränkest sie mit einem großen Krug voll Tränen.
Gott Zebaoth, wende dich doch! Schau vom Himmel und sieh, *
nimm dich dieses Weinstocks an!
Schütze doch, was deine Rechte gepflanzt hat, *
den Sohn, den du dir großgezogen hast!
So wollen wir nicht von dir weichen. *
Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.
HERR, Gott Zebaoth, tröste uns wieder; *
lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Wo Du nur bleibst, Gott?
Leid und Gewalt nehmen kein Ende in dieser Welt.
Wo sind die Zeichen, die mich sehen lassen:
Du bist da! Du kommst!
Ich bitte Dich: Fang meine Zweifel auf.
Komm mir nahe im Schein der Adventskerzen.
Lass mich deine Wärme und Deine Liebe spüren.
Ich erwarte Dich.
Amen
Lied: O Heiland, reiß die Himmel auf – EG 7, 1-4
1. O Heiland, reiß die Himmel auf, Herab, herab, vom Himmel lauf,
Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, Reiß ab, wo Schloß und Riegel für!
2. O Gott, ein' Tau vom Himmel gieß, Im Tau herab, o Heiland, fließ.
Ihr Wolken, brecht und regnet aus den König über Jakobs Haus.
3. O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, dass Berg und Tal grün alles werd.
O Erd, herfür dies Blümlein bring, O Heiland, aus der Erden spring.
4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, Darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal, Komm tröst uns hier im Jammertal.
Lesung des Predigttextes: Jesaja 63,15-64,3 (BasisBibel)
Schau doch vom Himmel herab, wo du in Heiligkeit und Pracht wohnst! Wo sind deine brennende Liebe und deine Macht? Dein großes Mitgefühl und deine Barmherzigkeit – wir merken nichts davon. Du bist doch unser Vater! Abraham weiß nichts von uns und Israel kennt uns nicht. Du, Herr, bist unser Vater, »unser Befreier« – das ist von jeher dein Name. Warum lässt du uns in die Irre gehen, sodass wir deinen Weg verlassen, Herr? Warum machst du unser Herz so hart, dass wir keine Ehrfurcht mehr vor dir haben?Wende dich uns wieder zu! Wir sind doch deine Knechte,wir sind die Stämme, die für immer dir gehören. Für kurze Zeit wurde dein heiliges Volk vertrieben, unsere Feinde traten dein Heiligtum mit Füßen. Es geht uns, als wärst du nie unser Herrscher gewesen. Es ist, als wären wir nicht nach deinem Namen benannt. Reiß doch den Himmel auf und komm herab, sodass die Berge vor dir beben! Komm wie ein Feuer, das trockene Zweige in Brand setzt und Wasser zum Kochen bringt! Zeig deinen Feinden, wer du bist. Völker sollen vor dir zittern. Denn du vollbringst furchtbare Taten, die all unsere Erwartungen übertreffen. Komm doch herab,sodass die Berge vor dir beben! Noch nie hat man so etwas vernommen,noch nie hat jemand davon gehört. Kein Auge hat jemals einen Gott wie dich gesehen: Du allein tust denen Gutes, die auf dich hoffen.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
Müde stapft Nico die Straße herunter.
Es muss doch jetzt endlich mal ein Ende haben. So kann es nun wirklich nicht weiter gehen. Die einen sind furchtbar genervt und gehen bei jeder Kleinigkeit hoch. Die anderen sind resigniert, haben sich in ihrem kleinen heimischen Paradies eingeschlossen und schauen kaum noch heraus.
Er spürt eine große Zerrissenheit um sich herum und auch in sich selbst. Das Schlimme ist, dachte er, diese Zerrissenheit lähmt mich.
Ich schaue nirgends mehr so richtig hin, interessiere mich für so vieles gar nicht mehr. - Ob es Gott auch so geht?
Was für ein verrückter Gedanke, schalt er sich sofort. Nico, wie kannst Du nur so über Gott denken! Er ist schließlich Gott und kein Mensch. Aber was hatte sein Freund Martin neulich gesagt? - Wir können über Gott nicht anders sprechen als mit unseren menschlichen Vorstellungen – wir haben ja keine anderen.
Das hatte ihm schon eingeleuchtet. Und dann hat Martin noch von den Propheten erzählt. Vor allem von Jesaja. Der muss Gott richtiggehend in den Ohren gelegen haben: Schau doch vom Himmel herab, wo du in Heiligkeit und Pracht wohnst!
Ob Gott einfach auch resigniert hat bei dem, was hier so alles läuft. Ob er sich einfach zurückgezogen hatte in sein gemütliches Wohnzimmer?
Dieser Jesaja, hatte Martin erzählt, hat Gott gedrängt: Wo sind deine brennende Liebe und deine Macht? ... Reiß doch den Himmel auf
Das wäre doch endlich mal eine gute Sache: Statt dieser inneren Zerrissenheit, reißt der Himmel auf.
Wenn Gott den den Himmel aufreißen würde, dann müsste er endlich mal hinsehen. Und dann, dann könnte er gar nicht mehr anders. Dann würde er endlich mal für Ordnung sorgen. Er würde dafür sorgen, dass alle Übeltäter zittern und nicht, die, die gerecht leben wollen. - „Jetzt ist es aber wirklich gut“, dachte Nico. „Ich muss meine Phantasien etwas im Zaum halten.“ Ja, vieles ist einfach nicht in Ordnung in dieser Welt. Aber mit Macht Gutes durchsetzen, das geht nun wirklich nicht. Auch wenn ich es mir noch so wünsche: das ist Gottes Sache, wie, wo und wann er das macht.
Wenn der Himmel aufreißen würde, dann könnten auch wir ja endlich mal wieder was von Gott sehen. Das wäre doch auch was.
Wie war dieser Jesaja-Text noch mal zu Ende gegangen? - Nico kramte nach seiner Bibel: Kein Auge hat jemals einen Gott wie dich gesehen: Du allein tust denen Gutes, die auf dich hoffen.
Nein, gesehen hatte er Gott wirklich noch nicht. Aber wenn er ehrlich war, hatte er schon oft Gottes gute Taten in seinem Leben gesehen. Damals, als … - ach, was wäre da gewesen, wenn nicht ...
Ja, wenn er ehrlich war, hatte Gott schon öfter mal den Himmel aufgerissen – für ihn - und sehr wohlwollend auf ihn herabgesehen. Und das letzte Mal war, das war nur gefühlt schon ganz lang her. - Dann wird das nächste Mal bestimmt auch bald kommen! Amen
Lied: O Heiland, reiß die Himmel auf – EG 7, 5-7
5. O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern;
O Sonn, geh auf, ohn' deinen Schein - in Finsternis wir alle sein.
6. Hier leiden wir die größte Not, vor Augen steht der ewig Tod.
Ach komm, führ uns mit starker Hand vom Elend zu dem Vaterland.
7. Da wollen wir all danken dir, unserm Erlöser, für und für;
Da wollen wir all loben dich Zu aller Zeit und ewiglich.
Fürbitten und Vaterunser:
Manchmal sagst Du einfach nichts, Gott.
Ich finde das befremdlich. Manchmal macht es mir sogar Angst.
Ich weiß: Du willst mir Zeit lassen,
willst, dass ich mir endlich mal Zeit nehme – für Dich und mich.
Ich bitte dich: Lass mich sehen, wo Du in meinem Leben schon gehandelt hast, was Du bewirkt hast – zum Guten.
Lass auch mich zum Guten wirken in dieser Welt,
trotz aller Zerrissenheit – oder eben gerade in aller Zerrissenheit.
Hilf mir und anderen, dass wir uns nicht resigniert in unsere gemütlichen Wohnzimmer zurückziehen,
dass wir hinschauen, was ist und tun, was Not tut.
Und, weißt Du: Wir schaffen das nicht allein.
Bitte fange Du damit an und geh uns voran.
Erhöre Gott, was wir in der Stille vor Dich bringen. - Stille -
In der Verbundenheit mit allen Christen beten wir: Vater unser, …
Lied: An dunklen kalten Tagen – WW 107, 1-2.(3-4).5-6
1. An dunklen, kalten Tagen beschleicht uns banges Fragen:
Was wird wohl morgen sein? Gott kommt und schafft die Wende,
macht Angst und Furcht ein Ende und lässt uns Menschen nicht allein.
2. Voll Sorgen sind die Zeiten, voll Krieg, Gewalt und Streiten,
wer weiß, was kommen mag? Gott kommt, verscheucht die Schatten,
die uns geängstigt hatten. Sein Licht geht auf zum neuen Tag.
5. Wenn nun die Kerzen glänzen: auf unsren Tannenkränzen
so leuchtend, hell und schön. Gott kommt auf diese Erde,
dass wahrer Friede werde, der nie mehr wird zu Ende gehn.
6. Ein Kind wird uns gegeben, als Hoffnung für das Leben:
In ihm bricht Zukunft an. Gott kommt, für uns geboren,
er gibt uns nicht verloren. Was Gott tut, das ist wohlgetan.
Segen:
Herr, segne uns und behüte uns,
Herr, lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,
Herr, hebe dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen
 
EG: Evangelisches Gesangbuch; WW: Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Zum Ausdrucken und Weitergeben:

Quelle: Severine Plöse, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim

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