Votum:
Im Namen Gottes - des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm 68 - EG 735
Die Gerechten freuen sich und sind fröhlich vor Gott und freuen sich von Herzen. Singet Gott, lobsinget seinen Namen! Macht Bahn dem, der durch die Wüste einherfährt; er heißt Herr. Freuet euch vor ihm! Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung, ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlergehe. Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet:
Herr Jesus Christus, wir warten auf dein Kommen: viele von uns sehnsüchtig und hoffnungsvoll, manche auch ungeduldig oder zweifelnd.
Herr, komm du nun in unserer Mitte. Lass uns zur Ruhe kommen aus aller Hast, Not und Eile. Nimm alle belastenden Gedanken dieser uns bedrängenden Zeiten von uns und lass uns schon jetzt deinen Frieden in unseren Herzen spüren. Herr, schenke uns deine Liebe und Geborgenheit am heutigen Morgen. Dir vertrauen wir uns nun an. Öffne unsere Herzen für dein Wort. Amen.
Lied: O Heiland reiß die Himmel auf - EG 7, 1.4-7
1. O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.
4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.
5. O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein.
6. Hier leiden wir die größte Not, vor Augen steht der ewig Tod. Ach komm, führ uns mit starker Hand vom Elend zu dem Vaterland.
7. Da wollen wir all danken dir, unserm Erlöser, für und für; da wollen wir all loben dich zu aller Zeit und ewiglich.
Predigtwort: Jakobus 5, 7-8
So seid nun geduldig, Brüder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.
Predigt von Prädikantin Mirjam Gronbach
Liebe Gemeinde, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Ich bin auf jeden Fall keine Weltmeisterin in Sachen Geduld: Im Puzzeln bin ich eine Niete, an der Kasse im Supermarkt stehe ich nur ungerne lange in der Schlange und Staus auf der Autobahn finde ich ganz furchtbar.
Oft bin ich in unserem hektischen Alltag mit diesem Gefühl der Ungeduld aber nicht alleine: Vielen fällt es schwer, in den durch die Corona-Abstandsregeln bedingten, gefühlt kilometerlangen Schlangen vor der Post, dem Bäcker oder Einkaufszentrum zu warten. Vielen Gewerbetreibenden droht der Geduldsfaden zu reißen - warten sie in diesen Tagen doch erneut darauf, endlich ihren Betrieb wieder öffnen zu dürfen. Wir warten auf mildere Lockdown-Regeln und nicht zuletzt auf einen Impfstoff, der uns endlich ein Gefühl von Normalität und Sicherheit zurückgeben könnte, nach dem wir uns schon so lange sehnen, damit unser Warten ein Ende hätte.
Doch Zeit fürs Warten hat selten jemand. Uns fehlt dafür die Kraft und das Verständnis. Warten bedeutet für uns zumeist vergeudete Zeit, anderen ausgeliefert zu sein, gar hilflos. Viele wollen das, was sie brauchen, möglichst gleich und auf der Stelle. Zeit ist Geld – diese Maxime hat in allen Lebensbereichen Einzug gehalten. Geduld und warten können? Fehlanzeige!
Und nun heißt es hier im Jakobusbrief: »So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn« und wartet, wie der Bauer auf die kostbare Frucht der Erde und seid dabei geduldig.
Geduld haben mit uns selbst, mit anderen, mit den unvollkommenen Zuständen, in denen wir leben - Geduld haben, das fällt schwer. Doch wenn wir uns an diesem 2. Advent den Luxus leisten und einen Schritt zur Seite treten und uns selbst aus der Distanz beobachten, können wir feststellen, was wir für unser Leben gewinnen, wenn wir tatsächlich einmal aus den vielfältigen Hamsterrädern unseres Lebens herausspringen und uns für die Nachricht des Jakobusbriefes begeistern lassen - ein Leben "in Geduld, bis zum Kommen des Herrn".
Für Jakobus ist dieses Leben in Geduld nämlich ein Leben, das geprägt und bestimmt ist von der Hoffnung auf das "Kommen des Herrn". Weil wir diese Hoffnung haben, können wir geduldig warten und mit einem starken, festen Herzen unser Leben meistern. Was genau ist aber mit dieser Hoffnung auf das "Kommen des Herrn" gemeint?
Es ist die auch heute noch aktuelle Verheißung des Weihnachtsfestes: Jesus Christus kommt in unsere Welt! So, wie er es vor 2000 Jahren tat, will er auch heute zu jedem von uns kommen und bei uns einkehren. »Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht« (Lk. 21,28) fordert uns der Wochenspruch für diese Woche auf. Jesus Christus ist es, der uns Erlösung schenkt von aller Ungeduld, von aller Belastung, von allem Bösen. Diese Erlösung können wir uns aber nicht erarbeiten. Sie kommt von Gott, der die Welt, durch seinen Sohn Jesus Christus, mit sich versöhnt hat. Er schenkt uns diese Erlösung, die nötige Zeit und Geduld, die wir brauchen.
So können wir leben. In dieser Gewissheit können wir unsere Arbeit tun und Entscheidungen treffen. Weil das Ziel gewiss ist und der Herr kommt, deshalb können wir geduldig sein. Weil das Ziel gewiss ist und der Herr kommt, können wir auch akzeptieren, dass diese Welt unvollkommen, nicht perfekt ist und dass es langsam zugeht, dass vieles sehr mühsam ist und seine Zeit braucht. Und vielleicht gelingt uns dann auch das Schwerste: zu akzeptieren, dass wir auf viele Fragen gerade in diesen einschränkenden und bedrohlichen Zeiten keine richtige Antwort finden, dass wir auf den Trost der ganzen Welt noch warten. Warten auf den, der diese arme, geschundene, kranke, kaputte Welt auch letztlich verwandeln und neu machen will.
»O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf …« Dass wir so zu Gott schreien können, dass wir ihn so bitten können zu uns zu kommen, das ist Zeichen unserer Hoffnung. Im Singen der Adventslieder üben wir Geduld ein. Geduld, die nie das Leiden und das Elend dieser Welt verschweigt. Geduld, die sich aber dem Leiden und Elend stellt, auch entgegenstellt. Im Singen und Beten stärken wir unsere Hoffnung und lernen so Geduld. Auch die Geduld mit den eigenen Schwächen und den Schwächen anderer. Wir können darin zu einer Stärke finden, die nicht aufgesetzt ist, sondern von innen heraus gewachsen ist. Der lange Atem ist Kennzeichen der Hoffnung, die auch Rückschläge aushalten und ertragen kann.
Geduldige Menschen sind stark. Sie leben aus einer inneren Gewissheit. Geduldige Menschen leben in der Zeit, aber lassen sich nicht von der Zeit beherrschen. Geduldige Menschen wissen: der Herr kommt. Das Kind in der Krippe ist schon da. Und deshalb gibt es Grund zur Hoffnung in dieser verrückten Welt und unseren bedrängenden Zeiten. Deshalb kann man leben, ohne darin zu verzweifeln. Deshalb können wir unseren Kopf heben und neu Ausschau halten. Deshalb können und dürfen wir geduldig sein, geduldig und gewiss in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus. Amen.
Lied: O komm, o komm du Morgenstern - EG 19, 1-3
1. O komm, o komm, du Morgenstern, lass uns dich schauen, unsern Herrn. Vertreib das Dunkel unserer Nacht durch deines klaren Lichtes Pracht. Freut euch, freut euch, der Herr ist nah. Freut euch und singt Halleluja.
2. O komm, du Sohn aus Davids Stamm, du Friedensbringer, Osterlamm. Von Schuld und Knechtschaft mach uns frei und von des Bösen Tyrannei. Freut euch, freut euch, der Herr ist nah. Freut euch und singt Halleluja.
3. O komm, o Herr, bleib bis ans End, bis dass uns nichts mehr von dir trennt, bis dich, wie es dein Wort verheißt, der Freien Lied ohn Ende preist. Freut euch, freut euch, der Herr ist nah. Freut euch und singt Halleluja.
Fürbitten und Vaterunser:
Herr, unser Gott, du schenkst uns Hoffnung, du bist uns Licht in dunklen Stunden. So bitten wir dich heute für diejenigen, die müde und ausgebrannt, mutlos in unseren eingeschränkten Zeiten geworden sind. Richte ihren Blick auf dich aus, Herr, und schenke ihnen Kraft und Stärke, neues Vertrauen auf dich.
Wir bringen diejenigen vor dich, die an Krankheit, Corona und Schmerzen leiden. Schenke ihnen Geduld, Trost und Zuversicht, Heil und Heilung.
Wir denken an die Sterbenden. Gib ihnen ein festes Herz und erhalte ihnen die gewisse Hoffnung auf dein ewiges Reich.
Wir bitten dich für unsere Gemeinde, Herr, lass unseren Glauben wachsen und uns spüren und erfahren, dass du bei uns bist.
Wir bitten dich für alle Entscheidungsträger in Politik und Kirche. Gib ihnen Weisheit und Weitblick in unseren Zeiten für unser Land und unsere Welt.
Uns allen, Herr, stärke unsere Hoffnung auf dein Kommen, damit wir den vielfachen Anforderungen und Aufgaben unserer Zeit gelassen entgegen treten können und gegen alle Anfechtung bestehen.
Miteinander und füreinander beten wir: Vater unser...
Lied: Komm, o mein Heiland Jesu Christ - EG 1,5
Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.
Segen:
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.
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