Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm 68 – EG 735
Die Gerechten freuen sich und sind fröhlich vor Gott
und freuen sich von Herzen.
Singet Gott, lobsinget seinem Namen!
Macht Bahn dem, der durch die Wüste einherfährt;
er heißt Herr. Freuet euch vor ihm!
Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen
ist Gott in seiner heiligen Wohnung,
ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt,
der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe.
Gelobt sei der Herr täglich.
Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
Wir haben einen Gott, der da hilft,
und den Herrn, der vom Tode errettet.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist
wie es war im Anfang jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet:
Gott, du Kraft des Lebens, auf deinen Geist hoffe ich.
Denn Furcht umschließt mich und engt mich ein,
Sorge umklammert mich und lastet schwer,
Angst nimmt mich gefangen und schnürt mich ab.
Stärke du mich, Gott, damit ich wieder atmen kann.
Schenke du mir Halt, damit ich wieder leben kann und die Weite deiner Welt entdecke. Amen.
Lied: Ich lobe meinen Gott – EG 628
1. Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe.
Halleluja. / Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin. Halleluja.
Kehrvers: Ehre sei Gott auf der Erde / in allen Straßen und Häusern, / die Menschen werden singen, / bis das Lied zum Himmel steigt. / Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, / Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, / Frieden auf Erden.
2. Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.
Halleluja. / Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede. Halleluja. Kehrvers
3. Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache.
Halleluja. / Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme. Halleluja. Kehrvers
Predigtgedanken zu 2. Tim. 1, 6-10 von Dekan Rainer Becker
Wer schwarz sieht, kommt nicht voran. Kein Weg ist zu sehen und erst recht kein Ziel, für das es lohnt, sich zu engagieren. Schwarzseher, Untergangspropheten und Verschwörungstheoretiker versetzen die Menschen in Panik. In diesen Wochen kann man erleben, wie Präsident Trump in den USA die Angst vor Chaos und Revolution anheizt. Wenn wir uns nicht wehren, werden die anderen uns wegnehmen, was wir hart erarbeitet haben, hämmert er seinen Wählern ein. Hier in Deutschland haben viele Angst vor den vielen Menschen mit ausländischen Wurzeln, die eine neue Heimat und sichere Existenz bei uns suchen. Die deutsche Kultur geht dabei verloren, sagen sie, bald sind wir Fremde im eigenen Land. Und wegen Corona fürchten viele den wirtschaftlichen Totalzusammenbruch und den Verlust demokratischer Rechte in Deutschland.
Wer so denkt und schwarz sieht, der sucht verzweifelt nach Auswegen. Schwarz sehen macht einen ganz verrückt. Schwarzsehen lähmt.
Zur Zeit der ersten Christen war es Thimotheus, der das erlebt hat. Die winzig kleine Schar der Christen hatte kaum Aussichten auf ein gutes Leben im riesigen römischen Reich. Und ausgerechnet er als junger Mann sollte nun Gemeindeleiter werden. Kein Wunder, dass Timotheus Angst hat, die Leitung einer Gemeinde zu übernehmen.
Da schreibt ihm Paulus - oder eher einer seiner Schüler - einen Brief:
Aus diesem Grund möchte ich dich an etwas erinnern: Fach doch das Feuer der Gabe Gottes wieder an. Es brennt in dir, seit ich dir die Hände aufgelegt habe. Denn der Geist, den Gott uns geschenkt hat, lässt uns nicht verzagen. Vielmehr weckt er in uns Kraft, Liebe und Besonnenheit. Schäme dich also nicht, als Zeuge für unseren Herrn aufzutreten. Und schäme dich auch nicht für mich, weil ich seinetwegen in Haft bin. Sondern sei bereit, mit mir für die Gute Nachricht zu leiden. Gott gibt dir die Kraft dazu. Er hat uns gerettet, und er hat uns berufen durch seinen heiligen Ruf. Das geschah nicht etwa aufgrund unserer Taten, sondern aus seinem eigenen Entschluss –und aus der Gnade, die er uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt hat. Aber jetzt wurde diese Gnade offenbar durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus. Er hat den Tod besiegt. Und er hat durch die Gute Nachricht unvergängliches Leben ans Licht gebracht.
Timotheus war wie gelähmt, weil er sich vor der Aufgabe gefürchtet hat, die vor ihm stand. Da erinnert ihn dieser Brief an das Evangelium: Gott ist stärker, sogar stärker als der Tod. Verlass dich auf seinen Geist. Der bewahrt nicht vor allem Bösen. Aber er begleitet dich. Mit Gottes Geist kannst du tapfer der Zukunft entgegen gehen.
Kraft, Liebe und Besonnenheit – die hast du. Vertrau darauf. Verlass dich darauf. Dann musst du keine Angst haben vor großen Aufgaben. Timotheus kriegt nicht einfach gesagt: Hab keine Angst. Reiß dich mal zusammen! Sondern: Verlass dich auf Gott und seinen Geist. Der beflügelt dich. Der inspiriert dich. Der gibt dir, was du brauchst. Kraft, Liebe, Besonnenheit.
Gottes Geist gibt Kraft: Das griechische Wort, das Paulus benutzt hat, ist Dynamis. Gottes Geist macht dynamisch. Bringt wieder in Bewegung, was vor Angst starr geworden ist. Gottes Geist bringt Bewegung ins Denken. Man kann raus aus den Befürchtungen, die einen einengen. Die Resignation hört auf. Man kann neue Ideen entwickeln, wenn Gottes Geist einen beflügelt. Auf einmal sieht man die Chancen, die da sind. Und man traut sich, mitzuarbeiten an einem neuen Weg. Raus aus dem alten Trott, neue Ideen, aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten – das schenkt Gottes Geist. Darauf soll sich der junge Timotheus verlassen. Und ich vertraue darauf bis heute. Das gilt für Ehekrisen, für persönliche Misserfolge, für die großen Probleme, die uns in unserem Land Sorgen machen. Gottes Geist ist nicht der Geist der Furcht. Gottes Geist bringt in Bewegung!
Gottes Geist befeuert die Liebe: Und er hilft, lieben zu können. Wer liebt, stellt nicht sich und seine Ängste, sondern den anderen in den Mittelpunkt. Wer liebt, will, dass es auch dem anderen gut geht. Nicht nur den Familienangehörigen und Freunden, hat Jesus gesagt. Sondern auch den Fremden, ja sogar, denen, die man als Feinde fürchtet. Denen soll es gut gehen. Dann hört nämlich die Feindschaft und das Fremdsein auf. Verstehen, was der andere sagt. Warum er sich verhält, wie er sich verhält. Verstehen, was der andere will. Und vielleicht auch Verständnis aufbringen. Ist es nicht verständlich, dass mein Partner auch Zeit für sich selber braucht und für sein Hobby – obwohl ich mich immer ein bisschen allein gelassen fühle? Ist es nicht verständlich, dass Menschen sich zu uns flüchten, die in ihrer Heimat kein Auskommen finden? Ist es nicht verständlich, dass Menschen gern die Welt sehen möchten und deshalb Flugreisen machen?
Wer liebt, schreit den anderen nicht nieder, sondern hört zu. Kann dann sein eigenes Denken, seine Befürchtungen daneben setzen. Und schließlich können wir hoffentlich gemeinsam Lösngen finden.
Ich glaube, das kann man schaffen, wenn Liebe einen antreibt und nicht Hass und nicht Angst. Dass wir das schaffen, das schenke uns Gottes Geist.
Gottes Geist schenkt auch Besonnenheit: Ich finde schön, dass das Wort „Sonne“ in Besonnenheit steckt. Wo einer besonnen handelt, da kann sich der finstere Hass nicht ausbreiten. Wo eine besonnen redet, da wird es hell. Da kann man sehen, was eigentlich los ist. Da sieht man, was wahr ist und was Lüge. Besonnenheit macht den Kopf klar. Wo andere einen umnebeln wollen mit Panik und Furcht und sagen: „Früher war alles besser!“, da hilft Gottes Geist zur Besonnenheit. Da kann man klar sehen, was los ist. Was besser geworden ist. Daraus Mut zu schöpfen, dazu hilft Gottes Geist.
Man wird nicht panisch. Sondern man kann besonnen abwägen. Was kann ich tun? Was vielleicht andere? Mit wem sollte ich reden? Ich muss ja nicht alles allein machen. Auch das zeigt Gottes Geist. Solche Besonnenheit würde uns auch heute guttun: Ideen und Hoffnung und Optimismus für die Zukunft.
Der Geist Gottes kann der Angst und den Sorgen einen Riegel vorschieben. Er bringt in Bewegung und schenkt neue Ideen und Hoffnung. Mit Gottes Geist kann man tapfere Schritte in die Zukunft wagen. Der junge Timotheus. Und wir heute. Wir sollten weniger schwarz sehen und vielleicht öfter bitten: Komm, du Geist, kehr bei uns ein! So kann man auch die gegenwärtigen Krisen durchstehen. Amen.
Lied: Atme in uns, Heiliger Geist – NL 105
Refrain: Atme in uns, Heiliger Geist, / brenne in uns, Heiliger Geist, /
wirke in uns, Heiliger Geist, / Atem Gottes, komm!
1. Komm, du Geist, durchdringe uns. / Komm, du Geist, kehr bei uns ein. / Komm, du Geist, belebe uns, / wir ersehnen dich! Refrain
2. Komm, du Gesit der Heiligkeit, / komm, du Geist der Wahrheit. /
Komm, du Geist der Liebe, wir ersehnen dich! Refrain
3. Komm, du Geist, mach du uns eins, / komm, du Geist, erfülle uns. / Komm, du Geist und schaff uns neu, wir ersehnen dich! Refrain
Fürbitten
Herr, unser Gott, dein Heiliger Geist lädt ein zum Leben.
Wir bitten dich für alle, die sich sorgen um einen lieben Menschen, die sich einsetzen in der der Pflege zu Hause, in Kranken- oder Pflegeheimen.
Schenke ihnen deinen Geist der Kraft, dass sie nicht mutlos werden,
dass sie den liebenden Blick für die ihnen anvertrauten Menschen bewahren und mit ihren Kräften haushalten.
Wir bitten dich für alle, die traurig und einsam sind:
Schenke ihnen deinen Geist der Liebe, dass sie getröstet werden,
dass sie den Kontakt zu anderen Menschen suchen und finden und Gemeinschaft erfahren.
Wir bitten dich für alle, die Verantwortung haben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: Schenke ihnen deinen Geist der Besonnenheit, dass sie ihr Herz öffnen für die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen, die ihnen anvertraut sind, dass sie sich einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit.
In der Stille, vertrauen wir dir die an, was uns bewegt: ……
So nah wie ein guter Vater bist du uns,
darum beten wir jetzt voll Vertrauen mit Jesu Worten weiter:
Vater unser
Lied: Gottes Segen behüte dich nun – NL 146
Gottes Segen behüte dich nun, / Gottes Frieden in all deinem Tun. / Geh gesegnet, getröstet, gestärkt und geliebt / in der Freude, die Gott dir heut gibt.
Segen
Herr, segne uns und behüte uns; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen.
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