Votum:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm 127 – WW: 963
Wenn der HERR nicht das Haus baut,
so arbeiten umsonst, die daran bauen.
Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,
so wacht der Wächter umsonst.
Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht
und hernach lange sitzet
und esset euer Brot mit Sorgen;
denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet
Reicher Gott,
du beschenkst uns mit der Fülle deiner Gaben. Durch dich haben wir, was wir zum Leben brauchen. Du belebst uns. Du nährst uns. Du begabst uns. Hilf uns, unsere Gaben gut einzusetzen, hilf uns, verantwortlich mit dem umzugehen, was du uns geschenkt hast. Damit alle Menschen sich daran freuen können, damit wir ein Segen für deine Schöpfung sind und deinem Auftrag gerecht werden. Amen.
Lied: Solang es Menschen gibt auf Erden – EG 427
1.Solang es Menschen gibt auf Erden, solang die Erde Früchte trägt,
solang bist du uns allen Vater; wir danken dir für das, was lebt.
- Solang die Menschen Worte sprechen, solang dein Wort zum Frieden ruft,/ solang hast du uns nicht verlassen. In Jesu Namen danken wir.
- Du nährst die Vögel in den Bäumen, du schmückst die Blumen auf dem Feld;/du machst ein Ende meinem Sorgen, hast alle Tage schon bedacht.
Lesung: 1. Mose 2, 4b-9+15
Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.
Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.
Predigtgedanken von Pfr. J. Herbert
Am Anfang, erzählt die Bibel, am Anfang der Schöpfung fehlt Gott etwas.
Kein Busch ist auf dem Feld. Kein Kraut aufgeschossen. Eine graue nackte Erde liegt da, karg, abweisend, lebensfeindlich – nur Steine und Sand wie in den Wüsten der Umwelt Israels oder wie die modernen versiegelten Flächen aus Teer und Beton. Und Gott kann diesen Anblick nicht aushalten. Es fehlt ihm etwas.
Er hat es noch nicht regnen lassen: Es fehlt der Kreislauf von Sonne, Wind und Regen, der Wachsen und Reifen erst möglich macht und von dem alles, was lebt, abhängig ist. Immer noch. Und so setzt Gott diesen Kreislauf in Gang, tränkt das Land, damit es fruchtbar wird.
Aber das ist noch nicht alles. Gott fehlt immer noch etwas. Er hält Ausschau. Keiner ist da, der das Land bebauen könnte. Gott sucht Mitarbeitende, Leute, die helfen, die sich um seiner guten Sache willen nicht zu schade sind, zu dienen, und sich auch mal die Hände schmutzig machen! Und wer könnte das besser als einer, der selber Teil dieser Erde ist. Und so bildet Gott, wie ein Töpfer, aus der Erde, die auf hebräisch Adamah heißt, einen Adam, einen Erdling und blästs in seine Nasenlöcher den Hauch des Lebens. Aus dem Erdling wird ein Mensch.
Und um diesen Menschen pflanzt Gott, wie ein Gärtner, einen Garten. Ein üppiges Land. Mit Bäumen und Sträuchern, Blumen und Früchten. Er begnügt sich nicht damit, dass etwas Nahrhaftes und Nützliches wächst. Er hat Freude am Schönen, am frischen Grün, an der zarten Blüte, am verlockenden Duft der reifen Früchte und an ihrem einladenden Farbspiel.
Ein Paradies. Im wahrsten und eigentlichen Sinne des Wortes. Eden, Wonne, nennt Gott diesen Ort, wo es für seinen Erdling „Mensch“ gut zu leben ist, sicher, ruhig, sorglos, in Fülle. Einfach nur zugreifen und nicht finden müssen. Er stellt ihm Tiere zur Seite, lässt ihnen Namen geben, formt den Menschen als Mann und Frau, als Gegenüber, das sich entspricht. Und gibt die eine Aufgabe: Bebauen und bewahren sollt ihr den Garten und was darin lebt. Und der Mensch hat Atem, hat Leben, hat Willenskraft und genug Liebe dafür. Nun fehlt es an nichts mehr.
Das könnte das Ende einer wunderbaren Geschichte sein. Aber es ist erst der Anfang.
Denn den Menschen drängt es hinaus. Das Wandeln im Garten reicht ihm nicht. Er beginnt über sich hinaus zu denken. Es drängt ihn an die Grenzen, er will wissen, schaffen und gestalten, sein eigener Herr sein. Und Gottes Liebe zu seinem Menschen ist so groß, dass er ihm auch dafür Raum gewährt: Jenseits von Eden – eine Welt, mit paradiesischen Schönheiten, aber auch mit größeren Herausforderungen für den Menschen: dem Wissen um Gut und Böse, dem Erleben von Schuld, von Glück und Unglück, von Schmerzen und Freude, von Sorgen und Mühe, der Erfahrung von Leben und Tod.
Wir haben mit ihr leben gelernt, mit dieser Welt. Und erleben, dass sie oft kein Paradies ist, kein Garten Eden, kein Ort der Wonne: wenn Wälder brennen und Fische und Vögel im Meer an der Verschmutzung verenden. Wenn Flüchtlingslager überquellen und Männer und Frauen und Kinder auf offener See ertrinken. Wenn Menschen Menschenleben scheinbar egal sind und die Parole ausgegeben wird: Wir zuerst!
Die biblische Geschichte vom Anfang, sie hält in mir die Sehnsucht wach, nach dem Ort an dem nichts fehlt.
Sie erinnert mich an den Auftrag: Bebaut, bewahrt, dient der Erde. Setzt euch ein, dass sie ein guter Ort für euch bleibt, es ist eure Herausforderung und eure Verantwortung.
Und die Geschichte vergewissert mich, dass mir auch jenseits von Eden all das geschenkt ist, was ich zum Leben brauche: Der Atemhauch, der mich lebendig macht, der Kreislauf der Natur, der Wachsen und Gedeihen lässt, Pflanzen, Tiere, die mir nützen, mich nähren, mir Auge und Herz erfreuen, Menschen als Gegenüber, die mit mir Leben teilen und gestalten und einen Schöpfer, der in seiner Liebe zu mir über sich hinausgeht.
Eigentlich fehlt es an nichts. Eigentlich. Amen.
Lied: Gott gab uns Atem – EG 432
- Gott gab uns Atem, damit wir leben, / er gab uns Augen, dass wir uns sehn. / Gott hat uns diese Erde gegeben, / dass wir auf ihr die Zeit bestehn. /Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
- Gott gab uns Ohren, damit wir hören. /Er gab uns Worte, dass wir verstehn. / Gott will nicht diese Erde zerstören. / Er schuf sie gut, er schuf sie schön. /Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
- Gott gab uns Hände, damit wir handeln. / Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. / Gott will mit uns die Erde verwandeln. / Wir können neu ins Leben gehen. / Gott will mit uns die Erde verwandeln. / Wir können neu ins Leben gehen.
Fürbitte
Gott, du hast uns diese Erde gegeben, damit wir auf ihr die Zeit bestehn. Ginge es nach deinem Willen, wäre sie gut genug, schön genug und reich genug, dass alle leben könnten.
Wir bitten dich, öffne uns die Augen und die Herzen.
Lass uns erkennen und tun, was notwendig ist,
dass es gut wird in und mit dieser Welt.
Lass Hilfsbereitschaft einkehren, wo Eigensinn und Habgier herrschen.
Lass gegenseitige Achtung einkehren, wo Überheblichkeit und Geringschätzung herrschen.
Lass Freiheit einkehren, wo Unterdrückung und Mauern herrschen.
Lass Mut einkehren, wo Ohnmacht und Verzweiflung herrschen.
Lass Frieden einkehren, wo Gewalt und Terror herrschen.
Lass deine Kraft und Hilfe einkehren, bei allen, die wir dir jetzt in der Stille nennen:…
Auf dich vertrauen wir, wenn wir jetzt mit Jesu Worten weiterbeten:
Vater unser im Himmel…
Lied: Gib uns Ohren, die hören - WW 42 (Kanon)
Gib uns Ohren, die hören und Augen, die sehn / und ein weites Herz, andre zu verstehn. / Gott, gib uns Mut, unsre Wege zu gehen.
Segen:
Der Herr, segne uns und behüte uns. Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr, hebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.
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