Sonntag Zuhause - 14. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst am 13. September 2020

Votum:
Im Namen Gottes - des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Psalm: Psalm 146 - EG 774
Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele!
ich will den Herrn loben, solange ich lebe,
und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.
Verlasset euch nicht auf Fürsten;
sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.
Denn des Menschen Geist muss davon,
und er muss wieder zu Erde werden;
dann sind verloren seine Pläne.
Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist,
der seine Hoffnung setzt auf den Herrn, seinen Gott,
der Himmel und Erde gemacht hat,
das Meer und alles, was darinnen ist;
der Treue hält ewiglich,
der Recht schafft denen, die Gewalt leiden,
der die Hungrigen speiset.
Der Herr macht die Gefangenen frei.
Der Herr macht die Blinden sehend.
Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind.
Der Herr liebt die Gerechten.
Der Herr behütet die Fremdlinge
und erhält Weisen und Witwen;
aber die Gottlosen führt er in die Irre.
Der Herr ist König ewiglich,
dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet:
Herr, unser Gott, wir kommen nun vor dich, so wie wir sind:
geprägt von der vergangenen Woche, froh nach getaner Arbeit, dankbar für alles, was wir tun konnten und was gelungen ist; belastet von manchem Versagen, enttäuscht von Rückschlägen, beschwert mit dem, was uns Sorge macht. Das alles bringen wir vor dich.
Herr Jesus Christus, du suchst und du findest, was sich verloren hat, du befreist, die sich quälen, du schenkst Kräfte des Lebens, du machst uns frei und froh. Das lass uns jetzt erfahren. Rede zu uns und segne dein Wort an unser aller Herzen. Amen.
Lied: Herr, ich komme zu dir - WW 51
Herr, ich komme zu dir, und ich steh vor dir, so wie ich bin. Alles, was mich bewegt lege ich vor dich hin. Herr ich komme zu dir, und ich schütte mein Herz bei dir aus. Was mich hindert, ganz bei dir zu sein, räume aus!
Meine Sorgen sind dir nicht verborgen, du wirst sorgen für mich. Voll Vertrauen will ich auf dich schauen. Herr, ich baue auf dich!
Gib mir ein neues, ungeteiltes Herz. Lege ein neues Lied in meinen Mund. Fülle mich neu mit deinem Geist, denn du bewirkst dein Lob in mir.
Lesung des Predigtwortes: Lukas 19,1-10
Und Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Gedanken zum Predigtwort von Prädikantin Mirjam Gronbach
Das heutige Predigtwort berichtet von einer Einladung. Und auch wenn wir aktuell in der Corona-Zeit nicht allzu oft oder nur eingeschränkt Einladungen aussprechen oder erhalten, wissen wir von vergangenen Erfahrungen: e
ine Einladung zu einem Fest kann Freude oder Enttäuschung hervorrufen. Freude, wenn man eingeladen wird oder Enttäuschung, wenn man merkt dass andere eingeladen werden und man selbst leer ausgeht. Ganz klar ist auf jeden Fall die Rollenverteilung: Der Gastgeber lädt ein und der Gast wird eingeladen. In unserem heutigen Predigtwort erzählt der Evangelist Lukas von einer Einladung, bei der sich der Gast selbst einlädt.
Wie steht es hier mit Freude und Enttäuschung über die Einladung? Wer ist Gast und wer der Gastgeber? Wie reagieren die Zaungäste? Wenden wir uns den verschiedenen Personen der Geschichte zu:
Da ist zum einen Zachäus, der reiche Oberzöllner. Eingeladen wird dieser in Jericho weder zu gesellschaftlichen noch zu privaten Festen. Denn er gilt, entgegen der eigentlichen Bedeutung seines Names Zachäus - zu Deutsch "der Gerechte" - als korrupt. Er wird missachtet und niemand will sich freiwillig mit ihm an einen Tisch setzen. Hinzu kommt seine kleine Statur, die ihm in seinem Beruf als Oberzöllner nicht gerade zum Vorteil gereicht. Die Gesamtsituation macht Zachäus einsam und betrübt. Und dennoch gibt Zachäus seine Sehnsucht und Neugier nicht auf: Er hörte Geschichten über Jesus, den Mann, der mit seiner Liebe Grenzen überschreitet - Menschen so annimmt, wie sie sind und ihnen hilft. Diesen möchte er sehen und daher steigt er auf einen Maulbeerbaum.
Jesus ist die zweite namentlich genannte Person in unserer Geschichte. Er bleibt an jener Stelle stehen, wo Zachäus auf dem Baum sitzt. Jesus scheint Zachäus geradezu gesucht und gefunden zu haben. Er sieht ihn an und erkennt seine innere Not. Er spürt seine Hoffnung und - er lädt sich bei ihm ein! Der eigentliche Gast spielt den Gastgeber und Zachäus freut sich. Zachäus bittet Jesus nun in sein Haus und bewirtet ihn. Als Gastgeschenk hat Jesus Zeit und ein besonderes Gespür für Zachäus' Situation mitgebracht. Er lässt sich von der aufgebrachten Menge der Zaungäste nicht beirren. Jesus ist bei Zachäus. Durch seine vorbehaltlose Zuwendung durchbricht Jesus die Isolation des Zachäus und da geschieht das Wunder: Zachäus kann eine neue Lebensperspektive gewinnen. Das geschieht vermutlich nicht blitzartig, sondern eher nach einem längeren Gespräch und Zusammensein mit Jesus - doch davon ist hier nicht die Rede. Dafür das Andere: Zachäus macht seinerseits ein Gastgeschenk: Er gibt es Jenen, die sich über Jesu Besuch ärgern und aufregen. Zachäus zahlt von ihm zugefügten Schaden überreich zurück. Die Zaungäste werden zu Beschenkten - Freude greift über. Der Evangelist Lukas resümiert: "Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist."
Wo finden wir uns in der Geschichte wieder? In der jubelnden Menschenmenge zu Beginn der Geschichte? Als verärgerte und dennoch reich beschenkte Zaungäste? Oder fühlen wir uns wie Zachäus - mit großer Sehnsucht nach Harmonie und Geborgenheit, nach Heil und Zufriedenheit in uns - aber äußerlich zerrissen in den Zwängen unseres Berufes?
Besonders in Corona-Zeiten zeigen sich uns viele Parallelen zur Situation des Zachäus: Menschen fühlen sich ausgegrenzt aus gesellschaftlichen Zusammen-hängen, nicht eingeladen, klein und einsam. Die Geschichte des Zachäus ermutigt uns jedoch dazu, uns gerade nicht in der Einsamkeit oder in Sorgen zu verkriechen, sondern
mutig Wege nach draußen zu finden, wo Begegnung und Hilfe möglich sind. Zachäus erfuhr, dass Gottes Liebe menschliche Grenzen überwindet. Das kann auch uns zu ähnlichen Grenzüberschreitungen aus christlicher Nächstenliebe führen. Auch wir können als Gastgeber und Gastgeberinnen der Liebe Gottes wirken. Überlegen wir uns: Wie können wir anderen liebenswert begegnen? Was können wir anderen schenken? Was können wir wieder in Ordnung bringen? Lassen wir uns von Zachäus Freude über die Liebe Gottes, anstecken und erleben, wie Gottes Liebe Leben verändert und lebenswerter macht! Amen.
Lied: Komm, sag es allen weiter - EG 225, 1-3
Refrain:
Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein! Komm, sag es allen weiter: Gott selber lädt uns ein.
1. Sein Haus hat offne Türen, er ruft uns in Geduld, will alle zu sich führen, auch die mit Not und Schuld.
2. Wir haben sein Versprechen: Er nimmt sich für uns Zeit, wird selbst das Brot uns brechen, kommt, alles ist bereit. 
3. Zu jedem will er kommen, der Herr in Brot und Wein. Und wer ihn aufgenommen, wird selber Bote sein.
Fürbitten und Vaterunser:
Guter Gott, wir danken dir, dass du in deinem Sohn Jesus Christus
zu uns Menschen kommst. Du suchst uns und siehst unsere Not, auch im Verborgenen. Du liebst uns, so wie wir sind und willst uns helfen. Du lädst dich bei uns ein, um unser Leben mit deiner Liebe zu verändern.
Wir bitten dich für uns ganz persönlich und für uns alle als christliche Gemeinde, dass wir bereit sind, dich in unser Leben einzulassen, dass wir offen sind, umzukehren und uns zu ändern, dass wir aufeinander zugehen und Wege finden, Ausgrenzungen und Einsamkeit zu überwinden. Dafür bitten wir um deine Kraft, deine Liebe und deinen Heiligen Geist.
Miteinander und füreinander beten wir: Vater unser, ...
Segenslied: Der Herr segne dich - WW 118
Refrain:
Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir, und der Herr sei dir gnädig! Er erhebe sein Angesicht über dich und erfülle dein Herz mit seinem Licht, tiefer Friede begleite dich.
1. Ob du ausgehst oder heimkommst, ob du wach bist oder schläfst, sei gesegnet und gestärkt durch seinen Geist. Ob du in das Tal hinabgehst oder Berge vor dir stehn, mögest du den nächsten Schritt in seinem Segen gehn!
2. Ob die Menschen, die du liebst dies erwidern oder nicht, sei ein Segen durch die Gnade deines Herrn. Ob die Träume, die du träumtest, noch verheißungsvoll bestehn oder längst schon nicht mehr für dich wie ein Traum aussehn. Refrain
 
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Quelle: Mirjam Gronbach, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim

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