Sonntag Zuhause - 13. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst am 6. September 2020

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes      Amen
Psalm: Psalm 112 - WW 955
Halleluja! Wohl dem, der den HERRN fürchtet, * der große Freude hat an seinen Geboten!
 
Sein Geschlecht wird gewaltig sein im Lande; * die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.
 
Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein, * und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis, * gnädig, barmherzig und gerecht.
 
Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht * und das Seine tut, wie es recht ist!
 
Denn er wird niemals wanken; * der Gerechte wird nimmermehr vergessen.
 
Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; * sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN.
 
Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht, * bis er auf seine Feinde herabsieht.
 
Er streut aus und gibt den Armen; / seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. * Sein Horn wird erhöht mit Ehren.
 
Der Frevler wird‘s sehen und es wird ihn verdrießen; / mit den Zähnen wird er knirschen und vergehen. * Denn was die Frevler wollen, das wird zunichte.
 
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
 
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit         Amen
Gebet:
Gerechtigkeit, das ist ein großes Wort, Gott.
Ich tue mich schwer damit.
Ich tue mich schwer mit dem, was angeblich „gerecht“ sein soll.
Ich tue mich schwer damit, selbst gerechte Lösungen zu finden.
Und oft genug fällt es mir auch schwer, gerecht zu handeln.
Du Gott, begegnest uns mit Deiner Gerechtigkeit – anders, weitest den Horizont, veränderst den Blick. Verändere auch mich.          Amen
 
Lied: Wenn das Brot, das wir teilen – WW 86, 1-5
  1. Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.
  2. Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, dann hat Gott unter uns schon ...
  3. Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, dann hat Gott unter uns schon ...
  4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, dann hat Gott unter uns schon ...
  5. Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt, dann hat Gott unter uns schon …
Lesung des Predigttextes: Apg 6, 1-7
In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen. Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia. Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.
Gedanken zur Bibellesung von Pfarrerin Severine Plöse:
 
Wir schaffen das!
 
Dieser Satz Angela Merkels geht nun wieder durch die Medien.
Nicht als mutmachendes Wort für den uns bevorstehenden besonderen Herbst, sondern als Erinnerung an die vielen Menschen, die vor fünf Jahren auf ihrer Flucht zu uns kamen.
Ob wir es wirklich geschafft haben?
Dank Gruppen und Vereinen wie z.B. Neustart in Ettenheim und dem Engagement unzähliger Menschen ist es tatsächlich gelungen, dass viele der geflüchteten Menschen heute hier ihr Zuhause sehen. Das haben wir tatsächlich geschafft – auch deshalb, weil dieser Satz der Bundeskanzlerin viele Kräfte freigesetzt hat. Im Rückblick ist natürlich genauso klar: Da ist auch noch vieles, was wir nicht geschafft haben. Nicht alle haben Arbeit, fühlen sich wohl. Viele konnten erst gar nicht mehr kommen und werden aufgrund der nicht vorhandenen europäischen Flüchtlingspolitik in überfüllten Lagern zerrieben.
„Wir schaffen das!“ - solche Worte setzen Kräfte frei. Aber sie zeigen das, was nicht gelungen ist, um so deutlicher.
 
So ähnlich ist das auch mit der Erzählung aus der Apostelgeschichte. Hier ruft Lukas den Gemeinden zu: „Es geht!“ Auch wenn die Situation sich verändert, könnt Ihr Gemeinde, Kirche sein. Auch wenn alles ganz anders wird, könnt Ihr Gottes Wort stark machen in dieser Welt.
Natürlich ist das ein Idealbild, das Lukas hier zeichnet. Und bei solchen Idealbildern sehen wir eben immer sofort, was bei uns nicht so gut ist. Aber auch in der sogenannten Urgemeinde wird nicht alles glatt gelaufen sein. Man hört ja: Es gab Murren, es gab verschiedene Interessensgruppen und unterschiedliche Vorstellungen von dem, was richtig ist, davon, wie wir gut und richtig nach Gottes Wort leben.
 
In der Erzählung der Apostelgeschichte haben sie miteinander gute Lösungen für ihre Probleme gefunden – warum also soll uns das nicht auch gelingen?
Ja, die Lage ist gerade schwierig. Zu allem, was uns als Gemeinde, Kirche sowieso schon länger umtreibt, kommt nun noch die Sorge dazu, dass wir durch unser Miteinander eine Krankheit befördern. Das will keine/r! Und doch: Kirche, Gemeinde lebt eben vom Miteinander! Wie sonst soll das Wort Gottes in dieser Welt stark gemacht werden, wenn nicht dadurch, dass wir einander davon erzählen, dass wir uns darüber austauschen uns gegenseitig stärken und uns eben von Gott stärken lassen – mit seinem Zuspruch, mit seinem Geist und Segen, mit stärkendem Brot und Wein.
 
Damals müssen sie Wege gefunden haben. Schließlich gibt es bis heute christliche Gemeinden. Deshalb sind diese alten Geschichten nicht nur Idealbilder, sondern auch Bilder, die Mut machen.
Mal sehen, was uns so einfällt und wo Gott uns noch hinführt! Amen
 
 
Lied: Gott gab uns Atem – EG 432, 1-3
  1. Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
  2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
  3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.
Fürbitten und Vaterunser:
Für unsere Kirche bitten wir Dich, Gott.
Schenke Du Weisheit auch in all den schwierigen Entscheidungen, die nun bevorstehen.
Für unser Land bitten wir Dich.
Lass uns Wege miteinander finden – in und mit allen Unterschieden.
Hilf uns Teil dieser Welt zu sein.
Für die Menschen, die auf der Flucht sind, bitten wir:
Schenke ihnen Menschen, die sie unterstützen und aufnehmen.
Lass sie in allem nicht verzweifeln und resignieren.
Für uns bitten wir Dich:
Hilf uns die Sorge und die Anstrengungen um ein gutes Miteinander nicht nur als Last zu sehen, sondern als Teil des Lebens und als Aufgabe.
Schenke uns Mut für die Aufgaben, die vor uns liegen.
In der Stille bringen wir vor Dich, was uns persönlich bewegt.
 
 Stille
 
Miteinander und füreinander beten wir:
Vater unser, …
Lied: Wenn ein Mensch auf Gott – WW 212
Wenn ein Mensch auf Gott sein Leben baut, wenn er Tag und Nacht auf ihn vertraut, hat er Zukunft, Hoffnung, Lebenskraft, weiß bei Gott sich ganz geborgen. Er ist wie ein Baum, der am frischen Wasser steht und dessen weitgespanntes Blätterdach niemals mehr vergeht: Er wird leben, blühen, Farben sprühen, Früchte schenken ohne Zahl.
Segen: Der Herr, segne dich und behüte dich, Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, Der Herr, hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen