Votum:
Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, der uns Liebe und Frieden schenkt, im Namen des Sohnes, der für uns am Kreuz gestorben und wiederauferstanden ist und im Namen des Heiligen Geistes, der uns verbindet. Amen.
Lied: Dass die Sonne jeden Tag (WW 15, 1-5)
- Dass die Sonne jeden Tag wieder neu am Himmel steht, dass in deinem Wissen, Gott, das Geringste nicht verweht:
- Ref.: Dafür danken wir dir, Gott, der du alles mit uns teilst, unsre Freude, unser Leid, ja unser Leben.
- Dass die Not, die uns bedrückt, von dir selber erlitten ist, weil du, Gott, in deinem Sohn uns ganz nah geworden bist. Dafür danken wir dir, Gott, der du ...
- Dass das Werden und Vergehn Wunder allen Lebens ist, dass du allem seine Zeit hier in dieser Welt bemisst. Dafür danken wir dir, Gott, der du ...
- Dass du unser enges Herz immer wieder öffnen willst, dass du unsre leere Hand immer neu mit Segen füllst. Dafür danken wir dir, Gott, der du ...
- dass du uns Gemeinschaft schenkst, immer wieder wie ein Fest, dass du uns durch deinen Geist ganz lebendig werden lässt. Dafür danken wir dir, Gott, der du alles mit uns teilst, unsre Freude, unser Leid, ja unser Leben.
Psalm 145 (nach P. Spangenberg)
Ich will singen, lieber Gott, singen will ich von deiner Freundlichkeit,
die durch alle Zeiten über der Welt liegt.
Jeden Tag will ich davon singen; singen will ich davon, wie großartig du bist.
Alle Menschen, alle Menschenkinder und alle Generationen werden von dir erzählen, weil sie staunen über den Glanz deiner Wunder:
Wie gut du bist, wie zärtlich und wie wunderbar. Ja, du beschenkst unser Leben mit deiner Liebe, du hast viel Geduld mit uns Menschen, du erfüllst unsere Zeit.
Wie die Sonne alles bescheint, so ist deine Liebe für alle da.
Alle deine Geschöpfe werden dir dafür danken, und alle Menschen werden erkennen, wie glanzvoll du regierst.
Wir richten unsere Hoffnung auf dich, und du überschüttest uns mit Geschenken. Du öffnest dein Herz, und wir spüren deine Liebe
So begleitest du mit deinem Segen alle, die an dich glauben.
Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Gebet
Gott, auch heute Morgen siehst du mich an mit Augen deiner Liebe, fragst nicht danach, was ich geleistet habe, und bemisst deine Güte nicht nach menschlichen Maßstäben von Gelingen oder Versagen. Du rufst mich in deine Gemeinschaft, in die ich alles mitbringe, was jetzt zu mir gehört – Licht und Schatten, Freude und Trauer, was ich gerne von mir zeige und was ich als Schuld und Versagen lieber verstecke. Herr, gib meinem Herzen Nahrung und meinem Verstand Erkenntnis. Gib mir die Freude, die ich mir selber nicht geben kann. Mein Leben will ich bewusst in deine Hände legen, meine Hoffnung und meine Angst, mein Glück und genauso alles, was mir Mühe macht und womit ich oftmals zu kämpfen habe. Amen.
Lied: Wenn Glaube bei uns einzieht (WW 213)
- Wenn Glaube bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben,weil der Himmel bei uns wohnt. (2x)
- Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. (2x)
- Wenn Hoffnung bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. (2x)
Predigt (Lukas 18, 9-14) - Gedanken zum Bibeltext von Prädikantin Dorothee Moldenhauer
Es gingen zwei Menschen in die Kirche um zu beten. Der eine ein tadelloser Mensch, der andere ein selbstbezogener Mensch. Der tadellose, er wird von der Gesellschaft geachtet. Er erhält die Anerkennung aufgrund seiner Treue zur Gemeinde, der Einhaltung der gesetzlichen und religiösen Regeln, für sein soziales Engagement. Er hat was aus seinem Leben gemacht und hat dafür hart gearbeitet. Auch an sich. Er steht ganz vorne in der Kirche. Seine Haltung aufrecht. Sein Blick auf das Kreuz gerichtet.
Der selbstbezogene steht ganz hinten. Er fällt kaum auf. Er kann seinen Blick nicht auf das Kreuz richten. Seine Hände vergräbt er in seinen Taschen. Recht so. Seine Hände sind schmutzig. Er hat nichts vorzuweisen. Im Gegenteil. Durch seine Betrügereien und Korruption hat er Menschen in Not gebracht. Er war stets sich selbst am nächsten. Ja, reich ist er! Doch die Freude und die Freunde sind ihm schon lange abhanden gekommen.
Der Tadellose betet: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Diebe, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Betrüger, der da ganz hinten steht. Ich faste zweimal in der Woche und spende 10% von allem, was ich einnehme, für die Gemeinde und für soziale Projekte.
Er weiß, wem er sein Leben und das Erreichte zu verdanken hat. Deshalb dankt er Gott. Nicht nur heute.
Doch wer ist er? Er sagt nur: Ich bin nicht wie die andern Leute, Diebe, Ungerechte, Ehebrecher, oder Betrüger. Er gebraucht andere Menschen als Schreckfiguren, um sich davon absetzen zu können. Wozu dient solch eine Abgrenzung? Ein Mensch, der in sich keine Gewissheit findet, muss andere Menschen klein machen, damit er selbst groß erscheinen kann. Einen Blick auf das positive kommt erst, als er von seiner Person absieht und auf seine Werke zu sprechen kommt. Fasten und 10% seines Verdienstes abgeben. Doch was nützt das alles, wenn mit dem Schenken nicht auch menschliche Wärme verbunden ist?
Der Selbstbezogene betet: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ein Sünder ist er – vor Gott, dem Gesetz und nach den gesellschaftlichen Normen. Er hat keine guten Taten vorzuweisen und versucht erst gar nicht, sich vor Gott zu rechtfertigen. Er hat nur sein verkorkstes Leben. Sonst nichts. Er bekennt sich zu seinen Taten und bekennt sich dadurch zu sich selbst. Trotz aller Selbstbezogenheit findet er eine Gewissheit in sich. Er macht nicht andere schlecht, um sich selbst herauszustellen.
Klingt alles irgendwie bekannt? Stimmt schon. Es ist das bekannte Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner. Ich lese aus dem Lukas-Evangelium (Luk.18,9-14) und wir hören Jesu Antwort auf die Gebete der beiden:
Er (Jesus) sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Der Zöllner, der selbstbezogene Mensch, gelangt zu einer Einsicht über sich selbst. Er wird gerecht gesprochen, trotz seiner Taten. Und neben der Selbsterkenntnis kommt er auch zu einer Erkenntnis über Gott: Dass Gott gnädig und barmherzig ist.
Der Pharisäer, der tadellose Mensch, erlangt die Erkenntnis, dass Werke alleine nicht genügen, um vor Gott als gerecht da zustehen. Demut gegenüber Gott und den Mitmenschen gilt es für ihn neu zu lernen.
Der eine bekommt mehr als er erbittet; der andere erfährt etwas über sich, obwohl er nicht danach sucht.
Und wir? In uns schlummern beide: Der Pharisäer und der Zöllner. Der Tadellose und der Selbstbezogene. Das gehört zu unserer Existenz, zu unserem Mensch-sein. Aus dieser Doppelexistenz können wir uns nicht freikaufen, weder durch Gebet noch durch gute Werke. Kein Mensch kann sich selbst vor Gott gerecht machen, weil kein Mensch ohne Schuld und Fehler leben kann. Auch wenn wir versuchen, sie zu vermeiden. Selbstgerechtigkeit steht uns nicht – steht uns auch nicht zu. Wir sind bei Gott gerechtfertigt – durch seine Gnade und Barmherzigkeit freigesprochen, entschuldigt, entlastet. Gott sei Dank! Amen.
Lied: Meinen engen Grenzen (WW 178,1-4)
1. Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich.
Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.
Wandle sie in Weite: Herr, erbarme dich.
2. Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich.
Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.
Wandle sie in Stärke: Herr, erbarme dich.
3. Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich.
Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.
Wandle sie in Wärme: Herr, erbarme dich.
- Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich. Wandle sie in Heimat: Herr, erbarme dich.
Fürbitten
Wir bitten, Gott, um deinen Geist.
Du sprichst das letzte Wort, und nicht wir Menschen. Wo wir schnell zu urteilen neigen, rufe uns zur Einsicht, dass auch wir beide Seiten in uns tragen- den Pharisäer und den Zöllner.
Du sprichst das letzte Wort, und nicht wir Menschen. Wo wir uns allein auf unser Tun und wirken verlassen da lege uns die Worte in den Mund: Gott ich brauche dich! Ich setze meine Hoffnung auf dich!
Du sprichst das letzte Wort, und nicht wir Menschen.
Hilf all denen, die leiden, die Schmerzen haben, die Krankheit quält. Sei du in deiner Liebe bei ihnen in ihrer Angst und Not, stärke und tröste sie, lass sie nicht verzweifeln, sondern neuen Mut finden. Amen.
Vater unser
Lied: Mögen sich die Wege (WW 71)
- Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, mögest du den Wind im Rücken haben, und bis wir uns wieder sehn, und bis wir uns wieder sehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
- Möge warm die Sonne auch dein Gesicht bescheinen, Regen sanft auf deine Felder fallen, und bis wir uns wieder sehn, und bis wir uns wieder sehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.
Wochenspruch
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
(1. Petrus 5,5b)
