Sonntag Zuhause - 1. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst am 14. Juni 2020

Votum:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen
Psalm: Psalm 34 - WW 914.1
Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Meine Seele soll sich rühmen des HERRN,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
Als einer im Elend rief, hörte der HERR
und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Wohl dem, der auf ihn trauet!
Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen!
Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.
Reiche müssen darben und hungern;
aber die den HERRN suchen,
haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen
Gebet:
Guter Gott, immer wieder im Leben stehen wir vor der Frage: Was sollen wir tun. Welcher Weg ist der richtige? Welches Ziel sollen wir verfolgen. In Jesus Christus hast du, Gott, uns gesagt und gezeigt, wofür es sich zu leben lohnt. Wir bitten dich: Hilf uns, die Wege zu finden, die uns zu den Zielen führen, die unserem Leben Sinn, Halt, Erfüllung geben. Amen.
Lied: Von Gott will ich nicht lassen – EG 365, 1.3.8
1)Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir,
führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen
tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land.
3) Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit;
es kann mich nicht gereuen, er wendet alles Leid.
Ihm sei es heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben
sei Gott dem Herrn ergeben, er schaff‘s, wies ihm gefällt.
8)Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat.
Sein Sohn hat Guts die Fülle erworben uns und Gnad.
Auch Gott der Heilig Geist im Glauben uns regieret
Zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr und Preis.
Lesung des Predigttextes: Apg 4, 32-37

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Gedanken zur Bibellesung von Pfarrer Jörg Herbert:

Zu schön, um wahr zu sein, oder? Alles haben sie gemeinsam. Kein Mangel, statt dessen: große Kraft, große Gnade und vor allem: sie waren ein Herz und eine Seele.
Vollmundig erzählt die Apostelgeschichte vom Leben der ersten christlichen Gemeinde, kurz nach Pfingsten, voll von heiligem Geist.
Zu schön, um wahr zu sein... Tatsächlich gehen die Meinungen darüber auseinander, ob diese Beschreibung echt ist, oder eine Verklärung eines Zustands, den es so nie gab. Wir kennen sie doch schließlich, unsere Welt, und wir wissen, dass da ganz andere Gesetze herrschen.
Mich berühren die Worte von den heilvollen Anfängen trotzdem. Und ich finde sie im besten Sinne auf- und anregend: Christliches Leben erregt Aufsehen, weil es einen Unterschied macht zum Üblichen – es fällt auf durch Nächstenliebe. Es macht Furore, weil Menschen teilen, sich und das Ihre anderen anvertrauen, rücksichtsvoll und verständnisvoll miteinander umgehen.

Zu schön, um wahr zu sein – damals und auch heute, in einer Zeit, in der so viel gespalten wird, statt geeint, wo wir in der Krise bittere Verteilungskämpfe erleben und Sündenböcke gesucht werden, denen man alles Übel in die Schuhe schieben kann – um selbst frei zu werden von der Verantwortung für andere.
Mich berühren die Worte, weil ich mir wünsche, dass man uns Christen auch heute noch anmerkt, dass wir einen Unterschied machen. Dass es bei uns, mit uns, unter uns anders zugeht. Respektvoller. Verantwortungsvoller. Umsichtiger. Gerechter. Dass man etwas spürt von der großen Gnade und der großen Kraft, die in uns ist – von einem Gott, der mit uns Herz und Seele geteilt hat, damit wir ein Herz und eine Seele werden.

Vieles steht da im Weg: Meine eigenen engen Grenzen und all die schlimmen Erfahrungen, die das Vertrauen in die Welt und die Menschen immer wieder zerstören. Und mein Kopf zweifelt, ob ich so ein echtes Miteinander in seiner Fülle je erleben werde. Wohl nicht in diesem Leben… Aber es tut mir gut, es als Ziel im Blick zu behalten, mich immer wieder daran auszurichten und die Augen offen zu halten, wo etwas von diesem - heiligen - Geist aufscheint:

Ein Forscher aus Europa bot einmal hungrigen Kindern eines afrikanischen Stammes ein Spiel an. Er stellte einen Korb mit süßen Früchten an einen Baum und sagte: Wer zuerst dort ist, gewinnt alles Obst. Er gab das Startsignal. Und dann geschah etwas, was er nie erwartet hätte: Alle nahmen sich an den Händen, liefen gemeinsam los, setzten sich dann zusammen hin und ließen sich die Früchte gemeinsam schmecken. Als er sie fragte, weshalb sie alle zusammen gelaufen seien, wo doch jeder die Chance hatte, die Früchte für sich allein zu gewinnen, sagten sie: „Ubuntu – Wie kann einer von uns froh sein, wenn all die anderen traurig sind?“
Ubuntu - das heißt in ihrer Kultur: „Ich bin, weil WIR sind!“

Ubuntu - Zu schön, um wahr zu sein?
Warum nicht auf das Schöne zugehen, um es wahr werden zu lassen? Gemeinsam und mit Gottes Hilfe und in seinem Geist. Amen.

Lied: Wir strecken uns nach dir – WW 90, 1-3

1. Wir strecken uns nach dir, in dir wohnt die Lebendigkeit.
Wir trauen uns zu dir, in dir wohnt die Barmherzigkeit.
Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen.
Halleluja. Amen. Halleluja. Amen.
2. Wir öffnen uns vor dir, in dir wohnt die Wahrhaftigkeit.
Wir freuen uns an dir, in dir wohnt die Gerechtigkeit.
Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen.
Halleluja. Amen. Halleluja. Amen.
3. Wir halten uns bei dir, in dir wohnt die Beständigkeit.
Wir sehnen uns nach dir, in dir wohnt die Vollkommenheit.
Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen.
Halleluja. Amen. Halleluja. Amen.

Fürbitten und Vaterunser:

Gott, du schenkst uns diese Welt als Lebensraum für uns und miteinander. Nach deinem Willen ist sie schön genug, groß genug, reich genug, dass alle gut in ihr leben könnten.
Wir bitten dich, Gott, öffne uns die Augen und die Herzen, lass uns erkennen und tun, was notwendig ist, dass wir diese Schätze gerecht verteilen.
Lass Hilfsbereitschaft einkehren, wo Eigensinn und Habgier regieren.
Lass gegenseitige Achtung einkehren, wo Überheblichkeit und Geringschätzung herrschen.
Lass Freiheit einkehren, wo Unterdrückung und Abhängigkeit herrschen.
Lass Mut einkehren, wo Ohnmacht und Verzweiflung herrschen.
Lass Frieden einkehren, wo Gewalt und Terror herrschen.
In der Stille bringen wir vor Dich, was uns persönlich bewegt. Stille
Miteinander und füreinander beten wir: Vater unser, …

Lied: Wo Menschen sich vergessen – WW 93, 1-3

1) Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.
2) Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu beginnen, ganz neu,da berühren sich Himmel und Erde…
3) Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde…

Segen:

Der Herr, segne dich und behüte dich,
Der Herr, lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
Der Herr, hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden. Amen

Zum Ausdrucken und Weitergeben:

Quelle: Jörg Herbert, Ev. Kirchengemeinde Ettenheim